Also mir geht es bei diesem Buch ein bißchen wie beim Playboy: Ich finde die Bilder am schönsten. Hier sind es in der Regel aber keine Photos, sondern gemalte Bilder und Zeichnungen, die von einem besonderen Aspekt der berühmt-berüchtigten 20er Jahre in Berlin berichten - nämlich der erotischen Ausstrahlung von Frauen auf Frauen. Die Bilder haben dabei nicht immer mit schönen, makelosen Körpern zu tun - nein, hier geht es um die besondere Atmosphäre der Zeit. Und die Zeit war verrucht, verdorben. Und so fühlt man sich durch die erotischen Darstellungen auch eher in die Atmosphäre dieser Zeit versetzt, als dass wirklich erotische Spannung auftritt.
Dazu passt auch, dass es hier noch um weitere Aspekte des Lebens in den "goldenen" Zwanzigern geht. So ist ein großes Kapitel den damals üblichen Drogen gewidmet. Und während viele der oben beschriebenen Bilder eigentlich sogar jugendfrei sind, die Bilder vom Drogengenuss sind es sicher nicht. Aber auch diese gehören zur Zeit, man gewinnt den Eindruck, dass die Frauen (und wohl auch die Männer) damals gelebt haben, als ob morgen früh Weltuntergang wäre. Was ja dann leider auch Anfang der 30er wirklich eingetroffen ist.
Die Texte dazu haben eher etwas von einer Kollage, sind aus vielen Büchern der damaligen Zeit zitiert und verweisen auf besondere Aspekte des damaligen, erotischen Lebens der Frauen. Sie sind eher als Verweis spannend, als dass man wirklich viel erfahren würde.
Zusammengefasst: Ein intensives Buch über den damaligen Zeitgeist, von Frauen mit Frauen und für Frauen, aber auch für einen Mann spannend lesbar, solange er es schafft, ein Gefühl für die damalige Zeit zu entwickeln.