Nach dem "Cleopatra"-Kraftakt brauchte Regisseur, Autor und Produzent Joseph L. Mankiewicz wohl eine zweijährige Schaffenspause - um sein neues Projekt beinahe ebenso ambitioniert wie monumental anzugehen. Letzteres nicht im optischen Sinne, da "The Honey Pot" nahezu ausschließlich in einem venezianischen Palazzo spielt. Aber inhaltlich wie dramatisch wollte Mankiewicz Unerhörtes schaffen. Er vergriff sich an "Volpone" des Elisabethanischen Dichters Ben Jonson, wollte das Stück modernisieren, verbessern, hinter seine Kulissen wie diejenigen des Showbiz blicken und das alles gleichsam öffentlich machen. In Theaterstück wie Film geht es darum, dass ein gutsituierter Lebemann seinen bevorstehenden Tod vortäuscht, um potenzielle Erben naszuführen, die sich schon wie die Geier auf das Aas stürzen, bevor es richtig kalt ist. Aus "Volpone", dem italienischen Wort für (einen schlauen) Fuchs, ist nun Mr. Cecil Fox (Rex Harrison) geworden, aus den Aasgeiern drei Grazien: Der Hollywoodstar Merle McGill (Edie Adams), die französische Prinzessin Dominique (Capucine) und die Was-macht-sie-eigentlich-Amerikanerin Lone Star Crockett (Susan Hayward, in der deutschen Version witzigerweise "Texas", weil man mutmaßlich befürchtete, das Publikum kapiere die Lone-Star-Anspielung nicht). Fox lädt die Damen in seinen Palazzo in Venedig ein und möchte ihnen seine hübsche kleine Charade vorspielen, assistiert von dem Gelegenheitsschauspieler mit abgebrochenem Jurastudium McFly (Cliff Robertson). Es geht also um Theater im Film, es ging im Original schon um ein Theaterstück übers Theaterspielen, und Mankiewicz wollte diese Meta-Ebene so weit treiben, dass sich sein Film stets ganz bewusst ist, nur ein Film zu sein. So war auch der direkte Kontakt mit dem Publikum und waren eingeblendete Kommentare von fiktiven Zensoren zu einzelnen Filmszenen geplant, eine Vermischung der Ebenen, wie es dies vielleicht noch nie gegeben hatte. Gemessen daran (was alles in dem hervorragenden Mankiewicz-Buch "Pictures Will Talk" von Kenneth Geist nachzulesen ist) mag man beim fertigen Film bedauern, dass Mankiewicz sich nicht durchsetzen konnte.
Indes ist die zur Aufführung gelangte Version immer noch hervorragend und besticht in Dialog wie Bild. Ersteres kennt man von Mankiewicz, Letzteres wird ihm gelegentlich abgesprochen. Hier sind zugegebenermaßen nicht alle Mankiewicz-Filme gleich stark, aber "The Honey Pot" gehört (für mich zusammen mit "Die barfüßige Gräfin") zu dem Besten. Das ist Kino zum Schwelgen und Sattsehen in einem Bilderrausch, der nicht nur opulent in Ausstattung und Farben ist, sondern auch genauso eigenwillig wie schön in der ungewöhnlichen Ausleuchtung der Innen- wie Außenszenen. Der kurz nach Drehbeginn eingewechselte und kurz vor Drehschluss leider plötzlich verstorbene Kameramann Gianni di Venanzo leistet Großartiges, oder wie ein Beteiligter sagte: "Ich habe nie jemanden gesehen, der so viel erreicht hätte mit so wenig Licht." Das Venedig Mankiewiczs ist in den (eher wenigen) Außenaufnahmen des Nachts oder in der Morgen-/Abenddämmerung zu sehen, bei nicht immer gutem Wetter und am Ende in einer eigentlich romantisch gemeinten Szene mit einem regennassen Markusplatz im Halbdunkel, was dem Film eine ganz eigenartig verträumte Stimmung verleiht. Innen dann: Schwelgerisch-schwärmerisch gießen Mankiewicz/Di Venanzo die Gedankenwelt des Bonvivants Fox in Bilder. Wunderschön mit Stuck, Schmuck, Venezianischen Wandmalereien, edlen Möbeln und Vasen und einer Puppe in typisch Venezianischer Kleidung vergangener Zeiten ist das alles ausgestattet. Der Detailreichtum ist überwältigend und verlangt nach der großen Leinwand oder zumindest einem sehr anständigen Flachbildschirm/Beamer. Fox wird nicht müde zu betonen, dass "sein" Jahrhundert das Siebzehnte sei, und man kann es sehen. Geprägt ist das alles von einer gewissen erhabenen Schwere, tiefes, ins Bordeaux gehende Rot von Vorhängen und Sitzmöbeln, und nur selten sind natürliche oder künstliche Beleuchtungen von hellem, kaltem Weiß. Licht und Verzierungen schimmern in edlem Goldgelb, um Gold, Reichtümer und andererseits die Vergänglichkeit der (Lebens-)Zeit geht es ja auch, am schönsten symbolisiert durch ein altes, berühmtes Stundenglas, durch das Goldstaub statt Sand rieselt. Bereits der Theatersaal, in dem sich Fox in der Eröffnungsszene "Volpone" anschaut (und wer hat schon die Grandezza, außer Franchot Tone in "Reckless", einen Theatersaal ganz für sich allein zu mieten?) nimmt diese Ästhetik vorweg. Musikalisch wechseln ein eher heiteres mit einem eher romantisch-schwermütigen Motiv, Letzteres opulent mit Mandolinenklängen ausgestattet. So wird dem ganzen Film auf jeglicher Ebene mit einer Goldschicht überzogen, die ihn sehr schön, sehr edel, aber immer auch ein bißchen wehmütig macht.
Dies passt auch zum Inhalt, obwohl der Film zunächst nur satirische Komödie zu sein scheint. Mankiewiczs bessere Filme sind stets clever und doch menschlich ("wit and humanity", hatte einmal jemand geschrieben). Er ist ein scharfer Beobachter des Jahrmarkts der Eitelkeiten und hat auch diesmal wieder viele autobiographische und persönliche Statements einfließen lassen, so wie er schon über das Theatermilieu in "All About Eve" und über das Filmmilieu in "Die barfüßige Gräfin" ablästerte. McFly ist in Hollywood gescheitert, Merle McGill ist dort erfolgreich, weil Fox ihr die Zähne richten und die Polypen rausoperieren lassen hat sowie beträchtliche Anteile einer Filmfirma erworben hat. Das tägliche Pokerspiel der beiden Männer vergleichen diese mit der Chance auf Erfolg in Hollywood, die doch sehr unterschiedlich sei gegenüber derjenigen, in Las Vegas die Bank zu sprengen. Ohne dass sie es aussprechen, ist klar, wo sie die Chance für höher halten. Auch nutzt der Dialog manche Gelegenheit, um McGills Kulturlosigkeit zu entlarven und sie als eine kleine Schlampe zu porträtieren, die sich als Teenie auf der Besetzungscouch sowie in Mr. Fox Armen einen Platz in der A-Liga Hollywoods erschlafen hat. "Diese Uhr hat einmal Lucrezia Borgia gehört." "Hat sie sie Dir geschenkt?" Das ist schon genauso blöde wie (aus "The Girl From Missouri"): "Das ist ein echter Cellini? Ich dachte, das wär ein Schiff." Aber Mankiewicz setzt sogar noch einen drauf, der nicht verraten wird. Herrlich ist auch: "Das gilt nur, wenn ich in Testat sterbe." "Ich dachte, Du hattest eine Herzattacke." Leider der Schere zum Opfer gefallen ist, dass Hollywoodbiene McGill nicht glauben kann, dass der große Filmregisseur John Ford das Theaterstück "Schade, dass sie eine Hure war" (eines Mannes Namens John Ford aus dem 17. Jahrhundert) geschrieben habe. Ganz klar, McGill ist Zielscheibe des Spottes - wenngleich noch etwas mehr, denn auch sie zeigt, dass es um die Vermischung von Kunst und Leben geht, um Theater im wahren Leben: Nicht nur Fox hat ein "Drehbuch" im Kopf, nach dem er die Damen hereinlegen will, nicht nur Mankiewicz hat ein Drehbuch, mit dem er "Volpone" umschreiben und noch verbessern will. Auch McGill erinnert sich einmal an einen Film, in dem sie mitgespielt hat und in dem ein todsicherer Plan vorkommt, nach dem sie und Dominique doch gleich einmal die ungeliebte Konkurrentin Lone Star um die Ecke bringen könnten.
Man kommt nicht umhin, bei dem vorliegenden Film zu allen Hauptpersonen etwas zu sagen, und wichtig sind immerhin sieben. Von den Erbschleicherinnen hat vielleicht Capucine als Dominique die unbedeutendste Rolle, zumal auch längere Einführungen und Backstorys sowie erklärende Traumsequenzen mit den drei Damen leider geschrieben waren, aber unverfilmt blieben. Dominique bekommt aber eine hinreißend schöne und eigentlich sehr bittere Szene geschenkt, die Fox` sexuelles Begehren gleichsam zynisch wie tragisch illustriert. Er konnte einfach nicht verkraften, dass er diese Frau zu einem früheren Zeitpunkt nicht für immer an sich binden konnte. Für einen Moment spüren wir ein Gefühl bei dieser in ihrer durchgestylten Schönheit eher kühlen Frau: Jetzt, wo Fox der - verarmten - Hoheit ein Erbe in Aussicht stellen kann, kann er sie in die Kiste bekommen. "Es ist schwer für einen Mann, wenn eine Frau ihn mehr braucht als er sie", sagt er - und genießt es eben doch, nicht der Eroberer sein zu müssen, sondern die Frau sexuell unter Druck zu setzen und ihr die Knöpfe des Kleides aufzuknüpfen. Fast eine Vergewaltigungsszene, sehr unterschwellig gespielt, aber dadurch von umso größerer Intensität; das Ganze ist Dominique sichtlich unangenehm, die es gleichwohl geschehen lässt. Es muss dann gar nicht mehr "dazu" kommen (bezeichnenderweise kommt Fox auch bei McGill in dieser Hinsicht nicht zum Ziel, da sie die Sirene eines eher zufällig vorbeikommenden Polizeibootes hört und als Hollywoodprofi sofort aus Angst vor einem Skandal alle Aktivitäten abbricht).
Die nicht mehr ganz junge Susan Hayward alias Lone Star wirkt ein bißchen wie die mit allen Wassern gewaschene, etwas vulgäre Schlampe im Gegensatz zum Dummchen McGill und zur kühlen Eleganz Dominiques. Ihre noch vorhandene, aber so langsam zu verblühen beginnende Schönheit sowie ihre aggressiven Sprüche gegenüber den Konkurrentinnen (die sie beispielsweise ein Mal mit "Your Highness" und "Your Lowness" anredet) erinnern an Bette Davis` Rolle in Mankiewiczs Meisterwerk "All About Eve".
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