(Original Kinoversion)
Holding bedeutet u. a. soviel wie Besitz oder auch Grundbesitz, und genau um den geht es in diesem 93minütigen Thriller, der im englischen Peak District Nationalpark in Nordengland spielt. Hier hat Witwe Cassie (Kierston Wareing, "Fish Tank") arge Probleme, ihren Hof am Laufen zu halten. Die Schulden wachsen ihr über den Kopf, ihre kleine Tochter Hannah (Skye Lourie, "Die Säulen der Erde") entwickelt eine seltsame Faszination für Bibelzitate und Teenie-Tochter Gemma (Georgia, Groome, "The Disappeared") ist so renitent, bocklos und biestig, wie Mädchen ihres Alters es nun mal sind. Als eines Tages der Fremde Aden (Vincent Regan, "300") auftaucht und Cassie spontan hilft, ihre kalbende Kuh zu retten, lässt sie den großen Kerl, der angeblich ein Bekannter ihres Mannes Dean war, vorübergehend bei sich wohnen. Keine Gute Idee, wie sich herausstellen soll, denn Aden fühlt sich mehr und mehr als Familienoberhaupt und ist bereit, seine neue "Familie" mit Zähnen und Klauen - oder mit einem Gewehr - zu verteidigen. Bis Cassie wirklich begreift, welch dunkle und gefährliche Aura Aden umgibt, ist es schon fast zu spät...
Die Konstellation in "The Holding" ist typisch für solche Filme: eine nur vermeintlich schwache, überforderte Frau, die aber, wenn es um das Leben ihrer Familie geht, über sich hinauswächst. Ein undurchsichtiger Fremder mit Geheimnissen im Gepäck, hinter dessen charmanter Fassade sich psychopathische Abgründe auftun. Und unschuldige bzw. misstrauische Kinder, die gar nicht wissen, wie ihnen geschieht bzw. sowieso schon geahnt haben, dass hier irgendetwas nicht stimmt. Dazu ein wenig Kanonenfutter für den Haus- und Hofpsychopathen und fertig ist die mehr oder minder gelungene Thrillergrütze mit ohne Geschmack, die sich kaum von anderen Vertretern ihres Genres unterscheidet.
Will heißen: "The Holding" ist kein schlechter Film, er ist halt nur nichts Besonderes. Solide Hausmannskost oder Einheitsbrei ohne nennenswerte Ereignisse. Der Storyverlauf ist vorhersehbar, ebenso sind es die Aktionen und Reaktionen der Protagonisten. Einzig die immensen Schmolllippen von Kierston Wareing sind auffallend, aber das lenkt letztendlich nur vom Film ab, weil man ihr die ganze Zeit am liebsten die Luft aus den Lippen drücken möchte, so unmöglich und überdimensioniert sieht ihr Mündchen aus. Die Darsteller überzeugen durch die Bank weg, können aber kaum Akzente setzen. Es wird ein bisschen finster geguckt, ausdruckslos gemordet, gekreischt, gekämpft, gerannt, das alles vorzugsweise im Dunkeln und bei Regen. Dazwischen gibt es ein paar bäuerliche Gehöft-Impressionen, die vorwiegend in schlammgrau oder weidengrün gehalten sind und ein paar muhende Kühe.
Viel mehr hat "The Holding" leider nicht vorzuweisen. Glaubwürdige Darsteller, solide Inszenierung, ein einigermaßen stringenter Spannungsbogen, der aber nur für die Ungeübten in diesem Genre noch Überraschungen bergen dürfte und ein bisschen Blut und Grausamkeit. Alles nicht schlecht gemacht, aber auch so beliebig, dass es nicht weiter erwähnenswert ist. Deshalb fasse ich mich auch mal ungewohnt kurz und spreche eine Empfehlung für diejenigen aus, die noch keine 100 ähnlich gelagerten Filme gesehen haben und rate denen ab, die schon beim Lesen der Inhaltsangabe das Gähnen angefangen haben. Zu erwähnen wäre allenfalls noch, dass Vincent Regan einen sehr charmanten walisischen Akzent zum Besten gibt, der den Film wenigstens akustisch ein wenig über das Mittelmaß hievt. Somit knappe drei von fünf walisisch-weich gerollten "R"s, die "The Holding" nur marginal verbessern können.