Vorweg: Ich bin durchaus ein Fan von Actionthrillern. Ronin, Heat und Leon - Der Profi finde ich wie die meisten hervorragend, gerade weil nicht die ganze Zeit geschossen und getötet wird. Man führt mehr oder weniger behutsam Charaktere ein um sie dann mit extremen Belastungen und Herausforderungen zu konfrontieren.
Der Protagonist in diesem Film überzeugt mich dagegen kein Stück. Wer den Gesichtsausdruck und die Stimmung des Covers halbwegs in sich aufnimmt hat wohl schon den ganz wesentlichen Teil der Schauspielerischen Leistung von Gary Stretch gesehen. Überhaupt schon erstaunlich, wie sich ein kampferprobter Meisterschütze den ganzen Film über derart rumschubsen lässt.
Vinnie Jones - über den ich überhaupt auf den Film aufmerksam wurde - macht wieder das was er am besten kann (Leute bedrohen/jagen/foltern) hat dabei aber eine Polizeimarke. Ich hab mich so ziemlich jede Szene mit ihm gefragt, wie er denn wohl an sowas gekommen ist. Einen findigen undurchsichtigen Ermittler nimmt man ihm so dann nicht mehr ab. Er ist yet-another-criminal mit eifrigem Markeneinsatz, was ich so absurd - glaube ich - noch nie zuvor gesehen habe.
Die Action besteht im wesentlichen in zwei unspektakulären aber leider auch recht uninspirierten Prügelszenen und dem Showdown. Der Showdown (sensationelle Schießereien??) lässt sich wie folgt beschreiben (Spoiler nächsten Absatz überspringen)
Protagonist und korrumpierter Bulle stehen fünf Meter auseinander, beides harte Kerle treffen natürlich (trotz Zeitlupe) nicht wesentliches. Trauriges Highlight der Szene ist der Cop, der sich anschließend hinter einem normalen Sofa verschanzt. Ich denke ich war ungefähr sechs Jahre alt, als ich noch daran glaubte das 5,56mm aus irgendeinem modernen Sturmgewehr nicht durch ein Sofa kommen. Es ist der Gipfel der Lächerlichkeit und damit für einen Showdown katastrophal.
Die unerwarteten Wendungen die hier so angepriesen werden liegen im wesentlichen daran, dass das Drehbuch so schlecht ist. Wenn man über jeden Charakter mehr oder weniger im Dunkeln gelassen wird, ist wohl jede Handlung, die man nicht unmittelbar auf einen Trieb zurückführen kann, überraschend. Dazu kommen dann noch Banalitäten die einen langweilen. Spoiler nächsten Absatz überspringen:
Boots kommt ins Gefängnis, weil sein Bruder gegen ihn aussagt ohne es zu müssen. (Währenddessen sterben Frau und Tochter) Boots ist sauer auf seinen Bruder. Mutter findet beides nicht gut und glorifiziert Boots erfolgreicheren Bruder. Der ist aber garnicht so ein Saubermann, wie alle denken... Wahnsinn!
Ich habe erheblich mehr erwartet und selbst dass was ich bekommen habe ist noch unterdurchschnittlich. Gary Stretch der wahrlich von fast allen anderen an die Wand gespielt wird, lässt es nicht zu in die Story einzutauchen. Der Film plätschert uninspiriert vor sich hin und weil man kaum jemanden kennt verkommt man zum passiven Zuschauer. Emotionen, die der Storyrohbau zu genüge geliefert hätte, kommen nicht auf.