Grosse Mozart-Interpreten sind häufig Frauen: Clara Haskil, Maria Joao Pires, Mitsuko Uchida, von mir aus auch Ingrid Haebler, obwohl bei letzterer die Gefahr grosser Süsslichkeit überwiegt.
Männer tun sich schwerer. Bei den Sonaten würde ich erst einmal nur Christian Zacharias nennen. Natürlich Geza Anda. Viele würden Brendel nennen.
Gulda wurde immer als Mozart-Pianist angesehen und hat diesen ja auch in seinen verrücktesten Zeiten immer wieder gespielt.
Diese Bänder, vorzüglich remastered, zeigen ein sehr "kerniges" Bild. Viel Forte, klarer, aber harter Anschlag, teilweise recht donnernde Bässe.
Vergleiche ich dies mit der umwerfenden Schlichtheit einer Haskil, dem vollkommenen Anschlag einer Pires, der lockeren Behendigkeit einer Uchida, würde ich die Version als Gulda fast als grob ansehen.Man höre einmal den ersten Satz von KV 310. Da geht es wirklich " hart zur Sache".
Im dritten Satz von KV 310 geht dadurch die Melancholie verloren, die so unwiederholbar Dinu Lipatti bei seinem letzten Konzert in Besancon, September 1950 zauberte.
Als alleinige Version würde ich diejenige von Gulda nicht haben wollen, als unsentimentalen Blick auf dieses wunderbare Klavierwerk kann man es sich gefallen lassen.