Shalalala, shalalala! Danke, Herr Bradfield! Fast zwei Jahre dauert die ganz bestimmt kreative Pause der Manics schon an und dann kommen Sie, der Sie nie vorhatten, sich zu verselbständigen, und predigen auf Solopfaden. Danke, dass Sie wie damals, als das Debüt Generation Terrorists" noch als musikalischer Sprengsatz zwischen London und Cardiff transportiert wurde, besagte Zugstrecke für ihre gedanklichen Ausflüge nutzten und diese niederschrieben.
Echt mal ganz dicke Props an dieses Opus namens The Great Western", das so vieles vereint, was wir schon im Laufe Ihrer Karriere respektive Manics-Bandgeschichte von Teenie-Beinen an kennen und lieben gelernt haben: den griffigen Britrock von Generation Terrorists", Dramatik in powervollen Akkorden wie in Everything Must Go" und Annäherungen an U2-esken Pop wie in Lifeblood". Das alles mit gewohnt ambitionierten Lyrics ohne lästige Schöngeisterei. Nicht zu vergessen Ihre Stimme, die das Ganze in noch höhere Sphären trägt als es irgendeine Indie-Neugeburt zu tun vermag.
Mit Ihrer ersten Single That's No Way To Tell A Lie" präsentieren Sie uns einen Opener wie er im Bilderbuch stehen könnte: mitreißend, aber nicht ausufernd, zum Mitklatschen ohne peinlich zu werden. Anklänge an die Siebziger folgen mit dem zweiten Track An English Gentleman", der ihrem ehemaligen Manager und Freund Philip Hall, der 1993 verstarb, gewidmet ist. Nach dem atmosphärisch-tragischen Bad Boys And Painkillers", geschrieben von Bandkollege Nicky Wire, bringen Sie uns mit Keyboardeinsatz bei On Saturday Morning We Will Rule The World" in poppigere Gefilde, die fast an Queen erinnern. Diesen Nachgeschmack zerschlagen Sie aber sodann mit dem Kracher Run Romeo Run", unterstützt von Super Furry Animal Daf Ieuan am Schlagzeug.
Ooo-lalala, ooo-lalala! Danke auch für die zweite Hälfte, die ebenfalls nicht mit fetzigen Hymnen geizt. Beste Beispiele hierfür sind Émigré" und Say Hello To The Pope". Aber Sie verstehen es gleichermaßen, Abstecher in gemäßigtere Gefilde zu unternehmen und uns mit der Ballade "To See A Friend In Tears" mittels Akustikgitarre zum Nachdenken zu bringen. Schön finden wir es auch, dass Sie den letzten Song Which Way To Kyffin" dem englischen Landschaftsmaler Kyffin Williams gewidmet haben. Namedropping kann nun mal auch Kunst sein. Und ein würdiger Rausschmeißer ist das gute Stück allemal.
So danken wir also für 37 Minuten, die uns die Wartezeit auf ein neues Manics-Album erträglicher gestalten. Viel erträglicher. - Maggie Gernatowski -