Hallo Zusammen
The Graduation Ceremony ist das erste Album, das ich von Joseph Arthur gehört habe, und es hat mich zu einem großen Fan seiner Musik gemacht.
The Graduation Ceremony ist ein Soloalbum von ihm, dass er wohl überwiegend allein im Studio aufgenommen und programmiert hat. Was dabei herausgekommen ist, sind zwölf Songs, die auf seiner akustischen Gitarre basieren und mit zum teil recht aufwändigen Arrangements versehen wurden.
Die Songs an sich sind zum größten Teil sowohl lyrisch als auch musikalisch gut bis sehr gut. Besonders Out on a Limb, Horses und Gypsy Faded finde ich herausragend, einfache, aber ungemein fesselnde Melodien und Joseph Arthurs starke, gefühlvolle Stimme, die ja auch andernorts schon treffen beschrieben wurde.
Ich finde es überhaupt sehr erfreulich, heut zu tage noch männliche Sänger zu finden, die auch tatsächlich wie Männer klingen. Arthurs Organ ist ein schöner, voller Bariton, nicht das mädchehafte Geseusel, wie es Ben Howard und Milow von sich geben.
Verglichen mit seinen Vorgängerwerken ist dieses Album weniger an Grunge und Rock orientiert und sidelt sich mehr im Indi-Pop-Folk-Gebiet an. Wer das nicht mag wird hier seine Probleme haben, onjektiv betrachtet meistert Arthur dieses Gebiet aber durch sein kompetentes Fingerpicking und sein beeindruckendes Songwriter-Talent sehr gut.
Warum also nur 4 Sterne?
Zunächst einmal finde ich hier, wie leider in jedem anderen Arthur-Album auch, den einen oder andere Song, der einfach überflüssig ist.
Sowohl bei This is still my World, als auch bei Face in the Crowd habe ich den Eindruck, dass ihm einfach die Ideen ausgegangen sind, und zwar lyrisch wie melodisch. Der Chorus ist bei beiden Songs ein Witz und der Mangel an eingängiger Melodik soll wohl durch besonders aufwändige Arrangements vertuscht werden.
Ich finde in diesem Fall leider, Arthur macht da zu viel. Da hätte er sich lieber ein wenig mehr Zeit gelassen, statt direkt zum nächsten Album zu hetzen.
Ein weiteres Problem habe ich leider zum Teil mit dem Klang. Stimme gedoppelt hier, noch ein Kopfstimme dazugemischt da, Chor hier, alle möglichen synthetischen Harmonien und Effekte da, für mich wäre da manchmal weniger mehr gewesen. In Gypsy Faded gelingt ihm dieser Spagat am besten, aber in den anderen Songs gehen Gitarre und Gesang ein wenig im Arrangemet-Sumpf unter, dabei sollten diese beiden Elemente doch das Zentrum der Songs darstellen.
Nicht nur, dass er niemals einen auch nur vergleichbaren Sound live erzeugen wird, nicht einmal mit einer riesigen Band, auch verliert seine Stimme zum teil ihre Wiedererkennungswert, wenn er zu viele Gesangspuren übereinander legt.
Dennoch genügen der Knaller Gypsy Faded und die anderen guten Songs völlig, um noch immer eine fast uneingeschränkte Kaufempfehlung für Liebhaber dieses Genres auszusprechen.
Trotz kleinerer Kritikpunkte befindet sich dieses Werk weit, weit über dem Durchschnitt dessen, was die heutige Musikwelt so hergibt.