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Mehr denn je beweist die junge Pianistin, Keyborderin und Songschreiberin Ida Sand auf diesem Album, dass sie die schwärzeste weiße Stimme Schwedens, wenn nicht sogar Europas hat. Die ist kernig, wandlungsfähig und zeigt sich zunehmend charaktervoll. Nach ihrem Ausflug in etwas jazzigere Gefilde kehrt sie zu ihren musikalischen Wurzeln zurück - Soul, Blues und Gospel eben, mit denen sie in geistlicher wie weltlicher Hinsicht vor allem auf Grund ihres Elternhauses (Vater Opernsänger, Mutter Kirchenorganistin) frühzeitig engen Kontakt bekam. Mahalia Jackson, Aretha Franklin und Ray Charles zählen zu ihren Vorbildern.
Es ist ein ausgewogenes Album geworden, eine breit gefächerte Mixtur aus christlichem Gospel und weltlichem Soul, hin und wieder leicht besprekelt mit Rock- und Funktönen. Es ist Musik - mitunter wie ein Liebeslied klingend, mitunter provokant und mehrdeutig - , die bei allem ernsten Hintergrund in gewisser Weise zugleich mit traditionellen, persönlichen Glaubensbekenntnissen spielt. Bestes Beispiel dürfte Madonnas insbesondere durch deren damaliges Video heftig diskutiertes und umstrittenes Like a Prayer sein. Einige der ausgewählten Songs entstanden in der Zeit und stehen in enger Verbindung zum Civil Right Movement, der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung in den USA der 50er und vor allem der 60iger Jahre, sind aus diesem Grund Herzensbekenntnis wie politisches Statement. Sie wurden ebenso Chartstürmer und so ins Alltägliche vereinnahmt, dass man Gefahr läuft, sie wie Mainstreamiges wegzuhören, was man wegen ihrer hintergründigen Bedeutung keinesfalls tun sollte.
Neben diesen unvergänglichen Songs ist noch eine Eigenkomposition enthalten - It Is To Know (Track Nr. 10), die zwar musikalisch nicht herausragt, sich aber harmonisch ins Gesamtbild fügt. Ähnlich Until The End (Nr. 7) - die steuerte Joe Sample bei, der darüber hinaus bei Nr. 4 Fender Rhodes spielt. Sands vocaler Partner bei He Ain't Heavy, He's My Brother (Nr. 3) ist der blinde amerikanische Sänger (und Gitarrist) Raul Midón. Dieser Song ist nicht nur das einzige Duett des Albums, sondern gewinnt gerade durch diese personelle Konstellation mehrfach an Aussage.
Instrumentale Akzentsetzer sind außerdem:
Co-Produzent Nils Landgren (Posaune), Magnus Lindgren (Holzblasinstrumente), Staffan Svensson (Trompete, Nr. 3) sowie Sands Ehemann Ole Gustafsson an der Lapsteel Gitarre.
Ihre Band ansonsten:
Mattias Thorell, g
Tobias Gabrielsson, b
Andres Hedlund, dr/perc
An die ganz großen Interpreten einiger Songs wie nur z. B. Mavis Staples (vgl. Nr. 1) und Nina Simone (vgl. Nr. 8) reicht Ida Sand noch nicht heran. Das mag auch an den eher fließenden, manchmal etwas kuscheligen Arrangements in Verbindung mit den, wie beispielsweise im Vergleich zu Staples, Zutaten liegen - dort ein männlich herber Chor, hier die ACT-Damenriege mit Jeanette Köhn, Sharon Dyall, Rigmor Gustafsson, Jessica Pilnäs und Sand selbst als Background. Arrangementbedingt hört man auf diesem Album leider nicht allzuviel von Sands pianistischem Können.
Zeit, sich weiter zu entwickeln, hat die 34-jährige Schwedin noch genügend. Für mich ist es jedenfalls das beste ihrer bisherigen Alben und es gefällt mir ungeachtet der Anmerkungen sehr gut. Diese Musik liegt ihr und man merkt ihr die Gelöstheit beim Singen an, die einen auch als Hörer unweigerlich erfasst.
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