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Robert de Niros zweite Regiearbeit wartet mit einem Überangebot an Hollywoodstars auf. Dabei ist
Der gute Hirte vor allem ein leiser Film, eine gut recherchierte Auseinandersetzung mit der Geschichte der CIA.
Die CIA ist eigentlich seit ihres Bestehens legendär. Man hat sie für vieles verantwortlich gemacht, mit Hohn und Spott nie gegeizt. Dabei war die Agency lange Zeit ein Buch mit sieben Siegeln, Bestandteil wilder Verschwörungstheorien und romantisierender Agententätigkeiten. Das leicht ausufernde Drehbuch von Eric Roth (The Insider), der Film hat eine Spiellänge von knapp drei Stunden, versucht so tief als möglich in die Materie einzudringen. Ein ambitioniertes Vorhaben und sicher mit ein Grund für die Tatsache, dass gut 12 Jahre lang kein Produzent den Stoff anrühren wollte. Ausgerechnet Robert de Niro hat den Mut aufgebracht und legt mit Der gute Hirte nach The Bronx Tale (1993) seine zweite Regiearbeit vor.
Es wird die Geschichte von Edward Wilson (Matt Damon) erzählt, einem priviligierten Yale Absolventen, der während des zweiten Weltkriegs nach London geht, um unter seinem Mentor Dr. Fredericks (Michael Gambon) dem OSS (Office of Strategic Services) zu dienen. Später wird unter Wilsons kräftiger Mithilfe aus dem OSS die CIA werden. Es ist kein Geheimnis, dass Wilsons Figur auf CIA-Mitbegründer James Angleton beruht, dessen Karriere in der Folge des Schweinbucht Skandals ebenso kompromittiert wurde wie die CIA selbst. Unter diesem Gesichtspunkt ist es deshalb nur konsequent, den Film in Flashbacks an eben diesem Zwischenfall vor Kuba auszurichten. Dazwischen, davor und danach wird Wilsons Figur näher beleuchtet, sein Privatleben in Beziehung gesetzt zu seiner Charakterentwicklung, die seiner Rolle, im wahrsten Sinne des Wortes, als Spion Vorschub leistete.
Um Zuschauerschichten anzusprechen, die sich nicht allzu sehr für die geschichtliche Aufarbeitung aussenpolitischer Entwicklungen interessieren, hat man nicht nur ein absolutes Staraufgebot engagiert (es spielen unter anderem Angelina Jolie, Robert de Niro, William Hurt, Alec Baldwin, John Turturro), sondern sich auch mit der Entscheidung schwer getan, worauf man den Akzent legen soll. Am Ende wirkt Der gute Hirte ein wenig unentschieden. Handelt es sich nun um einen Thriller im Stile John Le Carrés, der vor dem Hintergrund geschichtlich verbriefter Ereignisse stattfindet, oder ist der Film in erster Linie eine kritische Auseinandersetzung mit US-amerikanischer Aussenpolitik, aufgepeppt durch Intrigen und Abenteuer? Es ist aber vielleicht ein unlösbares Problem, dass dem gewählten Thema immanent ist. Unabhängig davon bleibt Der gute Hirte für jeden, der de Niros Leidenschaft an dem Stoff teilen kann, absolutes Pflichtprogramm und möglicherweise das herausragende Filmerlebnis schlechthin. Für alle anderen könnten sich die drei Stunden ein wenig in die Länge ziehen. Thomas Reuthebuch
Produktbeschreibungen
Der Film erzählt die Geschichte der ersten 40 Jahre des amerikanischen Geheimdienstes CIA und wirft dabei auch einen Schwerpunkt auf das Familienleben des Agentenchefs James Wilson.
Edward Wilson ist ein Patriot, der den Wert von Geheimhaltung kennt und mit Begriffen wie "Diskretion" und "Ehre" aufgewachsen ist. Als strebsamer Student in Yale trat er 1939 der "Skull and Bones Society" bei, einer geheimen Bruderschaft, die künftige Führungskräfte für die Politik rekrutieren will. Sein scharfer Verstand, seine einwandfreie Reputation sowie sein tiefer Glaube an die amerikanischen Werte machen Wilson zum idealen Kandidaten für eine Geheimdienstkarriere.
Der idealistische junge Mann wird vom Office of Strategic Services (OSS) rekrutiert, dem Vorläufer der CIA während des Zweiten Weltkriegs. Diese Entscheidung wird nicht nur sein weiteres Leben verändern, sondern bestimmt bis heute die geopolitische Lage: Wilson und seine Mitarbeiter gründeten den mächtigsten Geheimdienst der Welt.
Als einer der Gründungsväter der CIA arbeitet Wilson in einer Welt, in der Täuschung zum Alltag gehört und nichts so ist, wie es scheint. Sein Idealismus weicht bald einem dauerhaften Misstrauen, der in der langjährigen Paranoia des Kalten Krieges seine Entsprechung findet. Wilson wird zum führenden Mitarbeiter der CIA, seine Methoden werden zum Standard des Geheimdienstes. Wie in einem globalen Schachspiel will Wilson seine Gegenspieler des KGB schlagen.
Für den bedingungslosen Einsatz für sein Land zahlt Wilson einen zunehmend höheren Preis. Auch die wachsenden Bedenken seiner Frau Margaret "Clover" und seines geliebten Sohnes können Wilson von