Da ist wieder mal so ein Film. The good night, aus dem Jahr 2007 hat den Durchbruch nicht geschafft und steht plötzlich im DVD Regal. Der Klappentext lässt eine 08/15 Komödie vermuten, aber auf dem Deckel stehen die Namen Gwyneth Paltrow, Danny de Vito, Simon Pegg, Martin Freeman und Penelope Cruz. Hmmh...wieso kenne ich diesen Streifen nicht? So wird sich das gute Stück zugelegt und wandert in den Player. Und siehe da: Ein echter Glücksgriff, jedenfalls für mich. Eine Komödie ist das eigentlich gar nicht. Sondern genau die Sorte Film, dich ich mag. Für mich sollen Filme die Wirklichkeit ausblenden, einen mitnehmen in einen Traum. Genau das schafft The good night perfekt.
Gary(Martin Freeman) und Dora(Gwyneth Paltrow) führen eine alles andere als glückliche Beziehung. Eingefahren, angestaubt, verrostet, das trifft es ungefähr. Gary ist Werbemusiker, der seinem Alltag entfliehen möchte und Dora eine Galeristin, die mit Gary nichts mehr anzufangen weiß. Garys Kumpel Paul(Simon Pegg) kommt mit seiner eigenen Ehe auch nicht zurecht und möchte Gary gern mit in sein Lotterleben führen. Aber das ist nichts für Gary. Eines Nachts träumt Gary von Anna(Penelope Cruz). Sie ist, im wahrsten Sinne des Wortes, die Frau seiner Träume. Und Garys nächster Traum schließt an den ersten an. Von da an ist es um ihn geschehen. Gary will schlafen; irgendwie. Er verdunkelt das Zimmer, versucht, seine Träume zu kontrollieren, beginnt zu joggen und holt sich Hilfe beim ziemlich abgewrackten Mel(Danny de Vito), dem Leiter einer Klartraum-Gruppe. Mel weiß alles übers Träumen. Aber ob er ein guter Anleiter ist? So verliert Gary seine Dora und gewinnt Anna, in seinen Träumen. Bis er eines Tages vor einem Linienbus steht, auf dessen Seite eine Werbung prangt. Mit Annas Gesicht! Jetzt wird es echt kompliziert...
Gwyneth Paltrows Bruder Jake hat The good night mit leichter Hand inszeniert. Kein Wunder, dass der Film nicht groß raus kam. Für diese Art von verspieltem, leicht independentmäßig angehauchtem Traumkino ist in der Welt der harten Kino-Besucher-Verkaufszahlen kein Platz. Im DVD Regal allerdings schon. Und das ist ein Segen! Egal, ob Anna Gary den Herzschlag auf ihren Lippen spüren lässt oder engelsgleiche Streichermusik Garys Liebe zu Dora untermalt, The good night hat Momente, die fürs Träumen geschaffen sind. Man weiß manchmal nicht, ist das wahr, oder ist Gary mal wieder abgetaucht. Es gibt ein paar echt schräge Doku-Einspieler, zum Beispiel mit Jarvis Cocker, und Garys Flucht aus dem Leben in eine Traumwelt hat eigentlich jeder von uns so, oder so ähnlich, schon einmal erlebt.
Kritiken hin oder her, The good night ist ab heute einer meiner Geheimtipps für kleine, aber feine Filme. Dazu diese Besetzung. Simon Pegg in einer Rolle, die man ihm nicht zugetraut hätte. Gwyneth Paltrow minimalistisch aber treffend gut. Martin Freeman, seit Tatsächlich Liebe einer meiner Lieblingsschauspieler, so herrlich verloren und hilflos. Danny de Vito, der im Alter scheinbar immer besser wird. Und last, but not least, Penelope Cruz so verführerisch, wie man sich das nur vorstellen kann. Schließen sie einfach die Augen(aber schauen sie vorher auf ihre Handflächen und schalten das Licht ungefähr ein Dutzendmal ein und aus), finden sie ihren Traum und genießen sie ihn. Sollte das nicht klappen, dann legen sie The good night in den Player. Das wird helfen. Ganz sicher!