Mit dem Abenteuerfilm "Golden Door" ist jetzt Emanuele Crialeses dritte Kinoarbeit in die Kinos gekommen. Mit seinem Film "Lampedusa" feierte er vor fünf Jahren in Cannes viel beachtete Erfolge. Sein neuer Film erhielt den Silbernen Löwen von Venedig 2006.
Eigentlich sind Filmtitel Bekenntnisse und Lockworte, die aber deshalb mit großer Sorgfalt übersetzt werden sollten. Dem allgemeinen Sprachtrend folgend, haben englische Titel in Deutschland seit geraumer Zeit Hochkonjunktur. Diesem Trend muss sich nun auch diese italienische Produktion, mit dem leicht verständlichen Titel "Nuevomondo" beugen, der Film erhielt den Titel "Golden Door". Eine wahrlich falsche Umwandlung, denn die Einwanderungsstation auf Ellis Island ist zwar ein Tor, aber golden" war es nun wirklich nicht, sondern eng, schmutzig, schmal und lange nicht für jeden Immigranten geöffnet. Es erinnert mehr an ein Zuchthaus als an ein goldenes Einwanderungshaus.
Im armen Sizilien des 20. Jahrhunderts bestellt die Bauernfamilie Mancuso seit Generationen dasselbe karge Land. Eines Tages hört Salvatore Mancuso (Vincenzo Amato) Geschichten über die neue Welt.
In dieser mythischen "Nuevomondo" wächst angeblich des Gold auf den Bäumen und Kartoffeln, Äpfel und Karotten sind so groß wie Fuhrwerke. Dagegen bestimmen hier in Sizilien Aberglaube, Wunderglaube und bittere Not das Leben des Witwers Mancuso, seiner zwei Söhne Angelo und Pietro und seiner Mutter Donna Fortuna.
Dann trifft Mancuso eines Tages, nach einem Bußgang mit seinem Sohn, barfuss, einen Stein zwischen den Zähnen, den sie als Opfergabe bei einem Gipfelkreuz ablegen, eine bedeutsame Entscheidung. Er verkauft sein Hab und Gut, lässt sich für die Neue Welt einkleiden, verlässt die verbrannte Erde Siziliens und begibt sich, wie viele Hundert andere, von Neugier und Hoffnung auf das gelobte Land getriebene Auswanderer, auf ein Schiff. Hier begegnet Salvatore der unnahbaren und faszinierenden Lucy (Charlotte Gainsbourg), von der niemand weiß, woher sie kommt und wohin sie geht. Während der vier schwierigen Wochen im düsteren Zwischendeck, auf engstem Raum, mit vielen unterschiedlichen Menschen, unterwirft sich der brave Mancuso schon der fremden Disziplin, die später auf Ellis Island fast militärische Züge annimmt. Allgemeine penible Gesundheitskontrolle, Seh-, Hör-, und Sprachtests finden ebenso statt wie die Prüfung der Denkfähigkeit. Die Mancusos müssen ein Stück ihrer alten Identität zurücklassen und eine neue annehmen. Diese Metamorphose die auf See begann, setzt sich hier fort.
Die wunderbare Kinoballade findet nicht ihren Abschluss mit de freiwilligen Rückkehr der Großmutter, denn die Familie zerfällt damit, aber es bildet sich schon eine neue heraus. Lucy hat dem Witwer auf dem Schiff nicht nur schöne Augen gemacht, sondern ihm auch ein formelles Eheversprechen abgerungen, ohne das sie Amerika nicht betreten dürfte. Daraus wird nun Ernst. Ob die emanzipierte Britin Lucy die Richtige" ist, um in der Neuen Welt die Schritte des braven und bedächtigen Salvatore zu beschleunigen, oder ob sie ihn gründlich ruiniert, das bleibt der Fantasie der Zuschauer überlassen, die die glückliche Belohnung" im Kinosaal zunächst begrüßen.
Emanuele Crialese hat nicht nur mit dem gebürtigen Sizilianer Vincenzo Amato einen beeindruckenden, unprofessionellen Hauptdarsteller gefunden, sondern auch die vielen Nebenrollen sind vorzüglich besetzt. Amato bringt, die bezweckte Geburt des neuen, des amerikanischen Menschen, die Amerikanisierung von Menschen als Befreiung, obwohl er mit seinen Erinnerungen noch an den archaischen Zuständen seiner Heimat hängt, überzeugend rüber.
Bei aller ethnographischen Akkuratesse gibt es nicht viel zu leiden in dem Film, allerdings um so mehr zu denken. Crialese hat für seinen Film viele Auswandererbriefe als Quelle herangezogen und wenn es da unter anderem heißt:"Wir sind alle Seelen im Flug in Richtung Paradies, das uns - so Fortune will- in diesem Leben gestattet ist, aber wir sterben mit jeder vorüber ziehenden Welle", daraus erklärt sich das melancholische Grundgefühl des Films.