Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber für mich starb die Formel 1 spätestens mit Ayrton Senna. Und das lag nicht am Tod dieses großartigen Fahrers. Tote, die hat es in der Geschichte der Formel 1 leider nur zu oft gegeben. Sie war auch schon lange ein Geschäft, aber immerhin ein Geschäft von Verrückten, von außergewöhnlichen Menschen. Aber nach dem Tod von Senna, da hat dieser Sport seine Romantik verloren. Plötzlich waren es Technokraten, die Siege herausgefahren haben, und statt Rennställen waren es Großkonzerne, die auf der Strecke konkurrierten. Fiat gegen Daimler, statt Ferrari gegen Lotus. Und so ist der erste Eindruck beim Lesen dieses Buches, dass ich dem Vorwort von Jackie Steward widersprechen möchte, der die heutige Formel 1 über den Klee lobt. Schumacher mag zu seinen Zeiten ein besserer Fahrer gewesen sein als Lauda, aber letzterer ist mir trotzdem tausendmal lieber.
Die Zeit, die dieser Band entgegen seinem Vorwort feiert, sind denn auch die 60er Jahre der Formel 1, eine Zeit, in der die Zuschauer noch direkt an der Strecke standen, die Autos noch Schläuche statt Verkabelung enthielten und die Fahrer noch rauchen und saufen dürften, solange es nicht gerade während des Rennens war. Zeiten, in denen selbst Boxenluder noch Stil hatten. Zeiten, in denen ein Fahrer noch einer von uns sein konnte, weil sein Jahreseinkommen noch keinen zweistelligen Millionenbetrag ausmachte. Es ist das zweite Vorwort "A Study in Zeitgeist", geschrieben von Hartmut Lehbring, welches die besondere Atmosphäre dieser Zeit weit besser einfängt. Und welches vielleicht auch einfach viel klüger wirkt als die Worte eines Jackie Steward, der einer sich verändernden Formel 1 möglicherweise etwas zu lange verbunden blieb.
Höhepunkt des Buches sind aber ohnehin die Bilder von Rainer W. Schlegelmilch. Großformatig, schwarzweiß und von brillanter Schärfe finden sich diese im Buch wieder. Man merkt, dass der Photograph einen Sinn für den richtigen Moment, den richtigen Ort und die richtige Zeit hatte. Und so ist es ein Glück, dass durch dieses Buch man nun auch diese Zeit und deren besondere Atmosphäre nacherleben kann, selbst wenn man wie ich erst an deren Ende geboren wurde.