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Wo soll ich anfangen? Vielleicht bei Johann Sebastian Bach. Der Komponist hat in seinen 30 Goldberg Variationen für Klavier das Bassthema einer Aria in verschiedenster Manier verarbeitet, variiert. Und zwar in verschiedenen Nationalstilen, Tänzen, Fugen und Kanons. Bei Uri Caine sieht es im Grunde ähnlich aus -- und doch wieder ganz anders. Auch er schickt die Aria vorweg und variiert sie auf unterschiedlichste Weise -- als ein Musiker des 20. bzw. 21. Jahrhunderts. Auch er verwendet Tanzformen, allerdings nicht Gigue oder Menuett, sondern moderne wie Tango, Mambo oder Walzer. Caine variiert das Thema nicht in unterschiedlichen Nationalstilen, sondern in der Komponierweise eines Händel, Vivaldi, Mozart der Rachmaninoff. Und natürlich in verschiedenen Jazzstilen. Da gibt es Bebop, Gospel, Ragtime, New Orleans oder Free Jazz. Manche Variationen werden sehr eng an den Originalen angelehnt und auf historischen Instrumenten wie Gambe, Barocktrompete oder Laute gespielt, andere leicht verfremdet (z.B. durch die verqueren Vokalausbrüche eines David Moss') und wieder andere scheinen völlig neu, beispielsweise in den elektoronisch-brodelnden Sounds und Mixes von DJ Logic und DJ Olive.
Jede Form der Beschreibung dieser Musik Caines muss unvollständig bleiben. The Goldberg Variations ist ein unglaublich vielfältiger Kosmos zwischen alt und neu, der auf respektvolle Weise sowohl die Zeitlosigkeit der bachschen Musik vor Ohren führt und gleichzeitig die wunderbar intensive, leidenschaftliche, überlegte und humorvolle Kunst eines Uri Caine. Die Zugfahrt war eigentlich viel zu kurz. --Anja Buchmann
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