Kein Vorname. Schlagfertig in jeder Hinsicht. Manchmal desillusioniert wirkend aber mit großem Herz. Und obwohl dies nur der Auftakt zu einer der besten Krimireihen aller Zeiten ist, kann man schon hier all diese Eigenheiten von Spenser miterleben. Parkers Werk um den taffen Bostoner Privatschnüffler vereint alle Kriterien, die ein guter Krimi braucht.
Einer Universität in Boston ist ein wertvolles Manuskript aus dem Mittelalter gestohlen worden. Spenser erhält den Auftrag, es zurückzubringen. Die Paarung aus Spensers anti-intellektueller Schlagfertigkeit und dem hohen Maß an "street smartness" entfaltet schon auf den ersten Seiten ihre fesselnde Wirkung. Anfang der Siebzigerjahre sind die Studenten und einige ihrer Professoren die Prototypen der "counter culture": Drogen nehmende Hippies und geschwollen daherredende Eierköpfe. Ihnen gegenüber kann Robert Parker in ganzer Pracht ein Bild von Spenser zeichnen, auf dem vor allem eins zu sehen ist: gesunder Menschenverstand, ein paar schnelle Fäuste und sexuelle Anziehungskraft (Mutter und Tochter binnen 24 Stunden!).
Trotz der vielen Anspielungen auf die politische Situation Anfang der Siebziger ist die Geschichte immer noch lesenswert. Warum? Weil sie eine klassische Detektivgeschichte ist, die alte Motive und Instrumente aufgreift und mit neuen verknüpft. Weil ein neu interpretierter Philip Marlowe versucht, Gleichgewichte in einer Welt herzustellen, die aus den Fugen geraten scheint. Weil sie einfach und klar geschrieben ist: nicht zu lang und nicht zu kurz. Weil der Plot nicht aus den Fugen gerät und weil ein guter Gegner darauf wartet in einem packenden Finale alle gemacht zu werden. Weil sie Waschlappen präsentiert und harte Männer, hübsche Frauen und eitle Pfauen und weil Spenser eine Entwicklungsstufe des modernen Krimis ist, ohne den es viele seiner Nachfolger heute nicht geben würde.