Dem geneigten Hörer soll nicht der charmante Text im Booklet vorenthalten werden:
Nur ganz wenige Künstler haben jemals ihrem Publikum einen so uneingeschränkten Genuß bereitet wie F. Foster Jenkins, aber trotzdem war diese außergewöhnliche Sopranistin auch klug genug, ihre Stimme zu einem relativ seltenen Erlebnis zu machen.
Sie weigerte sich entschieden, öfter als einmal jährlich in New York aufzutreten, und auch nur ganz selten anderswo. Durch viele Jahre hindurch war ihr Vortragsabend im Ritz-Carlton eine Art privater Zeremonie für ein kleines, ausgesuchtes Publikum - ihren unerschütterlichen Anhängerkreis von Klub-Damen und einige unternehmungslustige Kenner. Und wenn Letztere auch manchmal einen nicht ganz formvollendeten Überschwang an den Tag legten, so waren sie doch ebenfalls ein treues Gefolge.
Die Musikkritiker berichteten über das alljährliche Ereignis im selben gewundenen englischen Stil, mit dem sie so oft eine perplexe Leserschaft darüber nachdenken lassen, was nun eigentlich wirklich am vorigen Abend vor sich gegangen war. Aber dann begann sich der Ruhm der Sängerin herumzusprechen. Eintrittskarten für ihre Abende waren schwerer zu bekommen als für das Baseball-Finale. Und schließlich, am 25. Oktober 1944, unternahm Madame Jenkins den großen Schritt: die brokatgeschmückte Atmosphäre eleganter Ballsäle hinter sich lassend, stellte sie sich einem Riesenpublikum in der Carnegie Hall. Es gibt Leute die behaupten, daß der Tod der Sängerin einen Monat nach diesem Abend das Ergebnis eines gebrochenen Herzens war. Eine ebenso unwahrscheinliche Geschichte wie die, daß ihre ganze Karriere ein einziger großer Witz auf Kosten des Publikums gewesen sei - ein recht kostspieliger Witz nebenbei, da die Carnegie Hall schon Wochen vorher völlig ausverkauft war, mit Kartenverkäufen um rund 6000 Dollar. Und wie der verstorbene Robert Bagar im New Yorker World-Telegram schrieb: "Sie war außergewöhnlich glücklich mit ihrer Tätigkeit. Schade, daß nur so wenige Künstler das sind. Und dieses Glücksgefühl teilte sich wie durch Zauberei auch ihren Zuhörern mit ..."
Nein, Madame Jenkins starb in reifem Alter, mit 76 Jahren um genau zu sein, und man darf sicher sagen, auch mit einem glücklichen Herzen. (...)
Es ist ewig schade, daß sie nie ihre beliebteste Zugabenummer,Clavelitos, aufgenommen hat, ein Stück, das sie unweigerlich stets wiederholen mußte. Einem zeitgenössischen Bericht zufolge erschien Madame Jenkins dabei in einer spanischen Mantilla, mit einem juwelenbesetzten Kamm und - wie Carmen - mit einer roten Blume im Haar. Sie unterstrich die rhythmischen Kadenzen des Liedes damit, daß sie aus ihrem hübschen Körbchen kleine rote Blümlein in die begeisterte Menge schleuderte - einmal folgte in einem Augenblick der Verwirrung auch das Körbchen selbst nach, das aber ebenso begeistert aufgenommen wurde. Ehe sie dann ihr Encore wiederholte, mußte ihr ohnehin schon überstrapazierter Begleiter unter dem jubelnden Publikum die Blümchen und das Körbchen wieder einsammeln. Der Enthusiasmus der Menge erreichte an diesem Abend ein geradezu unglaubliches Ausmaß. (...)