Ich glaube, die Frage muss offen bleiben, ob es dieser Musik gut tut, auf einem modernen Klavier gespielt zu werden, oder nicht. Sicher ist, dass auf einem modernen Klavier viel mehr auffällt, wie wenig hier passiert, was aber nicht so abwertend gemeint ist wie es klingen mag: also, wie still und dafür einfach-aber-wirkungsvoll diese Musik ist. Weder die leise-laut-Dynamik des Klaviers noch seine Fähigkeit Töne in eins verschmelzen zu lassen, werden hier groß gefordert. Virtuose pianistische Attacken darf man sich keinesfalls erwarten, und auch Goulds Fähigkeiten, aufschreckende exzentrischen Interpretationen zu finden, haben hier nicht viel Betätigungsmöglichkeiten. Gould lobt im Beiheft dafür den sehr klaren Kontrapunkt der englischen Renaissance-Meister -- und versteigt sich zu der Behauptung, Orlando Gibbons sei überhaupt sein Lieblingskomponist. Auch eine Art sich interessant zu machen :-) Wie auch immer, eine besinnliche und gemütliche Aufnahme, wenn ich mal so sagen darf; weit mehr easy listening als bei einer Cembalointerpretation (R. Egarr hat für das Label Globe eine Auswahl von Stücken Orlando Gibbons' auf sehr interessanten historischen Instrumenten eingespielt, wenn jemanden der Vergleich interessiert). Und jedenfalls Musik, die man auf dem Klavier sehr selten geboten bekommt. Vielleicht aus gutem Grund?
(Übrigens, kann mir jemand den Titel "consort musicke" erklären? Soweit ich sehe, handelt es sich hier um Stücke, die für Tasteninstrumente geschrieben wurden, nicht für Violen-Consort).