Sie ist jung, sie ist schön, sie hat Geld, Ausstrahlung, Macht, Sex-Appeal und sie ist eine Professionelle. Bitte nicht falsch verstehen, sie ist weniger die typische Edelnutte, dieser Ausdruck klingt schäbig und das ist sie ganz und gar nicht, auf jeden Fall nicht hier.
In Steven Soderbergh's Girlfriend Experience spielt die ansonsten sehr freizügige und unmoralische Sasha Grey eine Escort-Begleiterin die ihren Klienten für Geld alles bietet. Dafür verdient sie wirklich sehr gut und kann sich so einiges leisten. Dennoch hat sie einen Freund der mit der Sache nicht ganz klar kommt, schon gar nicht wenn sie für Geld mit anderen Männern (oder auch Frauen) intim wird.
Doch der nicht gerade (für Soderbergh sehr ungewöhnlich) lange Film, 90 Minuten ist gar nicht mal so übel, da er zeigt, dass selbst die abgebrühtesten Pornostars (und es gibt ja nicht gerade wenige) mehr können als nur stöhnen und eindeutig, zweitdeutige, klischeehafte Szenen immer wieder auf's Neue (in anderen Positionen) zum Besten geben.
Nun Sasha Grey war immerhin schon zu Gast bei Topmodel Tyra Banks in ihrer Talkshow und gab preis schon mit ihren gerade mal 18 Jahren mit ca. 100 Männern Sex gehabt zu haben. Und sie ist darauf sogar noch stolz, welches für eine Amerikanerin weniger verwundert. Wahrscheinlich sind die Ami's wirklich auf alles Stolz oder tun zumindest so.
Doch hier geht es wirklich weniger um das Thema Pornografie, auch wenn der Film natürlich voll auf Sasha Grey's Image zugeschnitten ist und somit die Glaubwürdigkeit die ihre Rolle inne hat noch extrem steigert. Wir glauben tatsächlich, dass es weniger eine Preisfrage ist, ob sie wirklich mit jedem Mann schlafen würde, sondern sie macht Abstriche. Wilde Orgien oder andere schmerzvolle S/M Fantastien lässt sie dann auch einfach mal sausen, was man von ihren vorhergehenden "Filmen" ja weniger behaupten kann.
Doch schaupielerisch gibt es eigentlich an Sasha nichts auszusetzen oder wenn wir
uns wieder voll und ganz dem Stil Soderbergh's unterwerfen müssen, der seine Film fast dokumentarisch dem Zuschauer präsentiert.
Nach 90 Minuten sind wir dann auch nicht schlauer, sondern wissen, dass es eben nicht ohne ist ein Mädchen zu lieben und mit ihr Intimitäten auszutauschen und gleichzeitig zu wissen: sie treibt es auch mit anderen Männern, für Geld.
Sicherlich für den einen wahrhaftig eine Erfahrung für's Leben, ob dadurch wirklich
eine vertrauensvolle Beziehung sich aufbauen kann ist doch hier mehr als nur fragwürdig.
jw