Nachdem ich in den letzten Tagen mehr oder weniger zufällig drei Filme von Patrice Leconte gesehen habe, würde ich diesen hier auf jeden Fall als den schönsten der drei bezeichnen. Die Chemie zwischen Vanessa Paradis - die hier wieder einmal und vielleicht am nachdrücklichsten beweist, dass sie schauspielerisch einfach großartig ist - und dem nicht minder präsenten und faszinierenden Daniel Auteuil - der nicht zu Unrecht mit Gerard Depardieu verglichen wird, wobei ich finde, dass dies eher Depardieu als Auteuil schmeichelt - ist hier derart physisch, dass es mehrfach geradezu auf der Leinwand knistert. Ich habe wohl noch nie einen derart erotischen Film gesehen, in dem die Hauptpersonen keinen einzigen Kuss geschweige denn weitere Körperflüssigkeiten austauschen.
Alles lebt von dem Spiel zwischen Leben und Tod. Sie will springen, er kann sie nicht aufhalten, rettet sie aber doch. Die beiden sind nur zusammen gut. Nach einer Weile nehmen sie es irgendwie selbstverständlich und geraten so in existenzielle Krisen, die sie letztlich wieder zusammen führen. Die Szene mit den Messern in dem alten Güterwaggon ist eine der meisterhaftesten Liebesszenen des europäischen Kinos aller Zeiten.
Wunderbar an dieser DVD, deren Untertitel zwar zurecht kritisiert werden, aus meiner Sicht aber nicht ins Gewicht fallen, ist das Interview mit Regisseur Patrice Leconte, in dem er beschreibt, dass er die Geschichte von Anfang an mit Vanessa Paradis aber zunächst nicht mit Daniel Auteuil drehen wollte. An sich hatte er einen wesentlich älteren französischen Darsteller im Blick, der aber kurzfristig absagte, aus Angst er könnte neben Paradis alt aussehen. So nahm der Glücksfall seinen Lauf, Leconte fragte Auteuil, der sagte zu und das skurrilste und zugleich liebenswerteste Paar der jüngeren französischen Filmgeschichte war geboren.
Fazit: Melancholische und dabei doch wunderbar leichte Tragikomödie, in der zwei Menschen auf Umwegen erkennen, dass sie füreinander geschaffen sind.