Psychedelischer Blues, Cabaret Chanson, Nashville Country - all das findet sich auf dem Debut von Jack White's Ehefrau und Model Karen Elson. Selbstredend wurde das Album von White produziert, was man klarerweise auch hört.
Arrangementmäßig und produktionstechnisch ist dies aber sicherlich White's bisheriger kreativer Höhepunkt, denn er versteht es hier noch wesentlich vielfältiger musikalische Vertrautheiten in diese songs einzubauen als bei all seinen vorherigen Projekten; sei es nun das an Ray Manzarek gemahnende Piano Solo beim Titelsong, oder die Hawai-Gitarren fill-ins beim rumpelnden Tom Waits-artigen ,The Truth Is In The Dirt' (inkl. krachendem White Stripes Gitarren-break).
,Spooky' klingen viele dieser Lieder und das obwohl Elson eine durchaus klare und auch recht kräftige Stimme besitzt. Eigenartige grooves wie bei ,Pretty Baby' sorgen für rhythmische Abwechslung und Elson's bemerkenswert gute songwriter-Fähigkeiten lassen dieses Album rundum gelingen. Und selbst wenn Sie sich mit country-Balladen wie ,Lunasa' auf denkbar dünnes Eis begibt, bricht Sie nie in einen See aus Kitsch ein, weil Sie es im entscheidenden Moment schafft einen melodischen oder harmonischen Schlenker in die schmalzfreie Zone zu machen.
Beim großartigen - wie aus den 1910er Jahren klingenden - Kabaret Song ,100 Years From Now' wird man dann unwillkürlich an Amanda Palmer erinnert wie Sie von Tom Waits produziert klingen würde. Und auch wenn sich ,Stone Roses' mit seiner Melodie schon recht offensichtlich bei ,Scarborough Fair' bzw. bei ,Where The Wild Roses Grow' bedient, ist man dennoch nicht versucht die Dame des schamlosen Diebstahls zu bezichtigen.
Mit ,Cruel Summer' geht's dann von einer country Fidel begleitet nochmals ins Nashville Pub zu einem Whisky drinkin' song, der den Sprung zu den Pogues schafft.
Der größte Wurf Whites auf diesem Album - der auch gleichzeitig die soundmäßige Zukunt der Stripes aufzeigen könnte - ist dann das wunderbare, mit donnernden breaks durchsetzte ,Garden'. Großartiger song trifft kongeniales Arrangement (die messerscharfen fill-ins werden bspw. von einem Akkordeon gespielt!).
Einzig das zarte ,A Thief At My Door' kommt anfangs ein wenig zu lieblich daher, wird aber gegen Ende zu auch noch spannend.
Auch wenn man die White Stripes mittlerweile lieb gewonnen haben mag - beim kompositorischen Talent seiner Ehefrau könnte man Jack White gar nicht böse sein, wenn er zukünftig nur mehr mit ihr zusammenarbeiten wollte. Klare Kaufempfehlung und 5 Sterne ohne wenn und aber.