Peter Watson ist durch seine beiden Bücher zur Geschichte der Ideen der Menschheit bzw. des 20. Jahrhunderts bekannt geworden. In diesem Buch geht es um die Ideen der Deutschen bzw. der deutschsprachigen Völker (Deutschland, Schweiz, Österreich und ehemaliges Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation). Ein Hauptanliegen ist, dem Leser zu zeigen, dass Deutschland sich nicht auf die Jahre 1933 bis 1945 reduzieren lässt.
Das Buch beginnt bei der Musik von Johann Sebastian Bach und endet bei der Philosophie von Papst Benedikt XVI. Die möglichen philosophischen Ursachen des Nationalsozialismus (u. a. Kant, Hegel, Nietzsche) und dessen Aufarbeitung (z. B. Habermas und Grass) werden besonders breit diskutiert. Im Grunde geht es dabei um die Vor- und Nachteile des urdeutschen Begriffs der "Bildung": Das deutsche Universitätswesen wurde in den USA kopiert, aber bei uns selbst waren die Universitäten Brutstätten des Nationalsozialismus. Warum war das so? Gibt es einen deutschen Sonderweg? Wie könnte die Zukunft aussehen?
Im Laufe des Buches werden u. a. folgende Themen und Personen behandelt:
- Wissenschaften (Winckelmann, Freud, Humboldt, Planck, Einstein, Benz, Krupp, Virchow, Simmel, Weber, Hayek, Popper)
- Literatur (Goethe, Kafka, Grass, Rilke, Mann)
- Politik (Clausewitz, Bismarck, Marx, Herzl)
- Kultur (Bach, Mozart, Friedrich, Wagner, Klimt, Liebermann)
Der Autor bemerkt, dass das deutsche Jahrhundert mit dem Zweifel beginnt und mit Darwin endet. Die Aufklärung zweifelte an Gott, konnte aber nicht für alles Erklärungen bieten; das gelang erst mit Darwin. Deshalb sind die Ideen des 19. Jahrhunderts sozusagen "halbgar" und konnten zu Verwirrungen (Äther als Träger von Lichtwellen) und Verirrungen (Rassismus) führen. Ein urdeutscher Aspekt vor allem der Romantik war die "Innerlichkeit": Statt auf praktische Politik wurde der Begriff der Freiheit auf das Denken bezogen, was zu allerlei Spekulationen führte. Das färbte auch auf die Philosophie (Idealismus) und Politik (völkisches Denken) ab.
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Mir hat das Buch gut gefallen, weil es die bedeutenden Beiträge des deutschen Volkes zur Geschichte der Ideen ausgewogen diskutiert. Dabei werden die negativen Aspekte nicht unter den Tisch gekehrt.