Der Film:
„The Gathering" gehört trotz kleiner Schwächen zur besseren Sorte Horrorfilme. Er ist kein blutiger, lauter Splash-Film, sondern spielt mit leisen Tönen.
Er hat ein originelles Thema, vermischt klassische Elemente der „gothic novel" (unheimliches Kirchengewölbe + Altarrelief, ein alter Landsitz, heulender Kettenhund, Visionen) geschickt mit modernen Elementen (Autobahnunfall, Rockkonzert und Jahrmarkt als Schaubühne, Amoklauf).
Der ruhige, aber stetige Spannungsaufbau - das stets fühlbare, lineare Zusteuern auf die Katastrophe, die bis zum Schluss für den Leser dennoch kaum voraussehbar ist - die schweigsamen, unheimlichen Gestalten - die zahlreichen verblüffenden Wendungen - die schön fotografierte, doch brüchige Dorfidylle... alles das verdichtet sich zu einem spannenden Film mit einem überraschenden Ende.
Dabei sieht man auch über gelegentliche logische Brüche oder zu knapp dargestellte Motive der Personen hinweg. Auch die ständigen blitzlichtartigen Visionen sind etwas zu schrill und blutig; da hätte etwas mehr Abstand zur Tradition gut getan. Aber insgesamt gesehen bleibt das Gefühl, einen guten Film gesehen zu haben, der zudem nicht in die Länge gezogen wird, sondern ein ideales Erzähltempo aufweist. Dem gelegentlichen Vorwurf, das originelle Thema der Sensationshascherei werde hier verschenkt und nur oberflächlich behandelt, entgegne ich: Dieser Film will klassisch und gut unterhalten und keine tiefschürfende Dokumentation sein.
Zur DVD:
Die zusätzlichen Features fallen sehr spärlich aus (ca. 15 Min.). Damit kann ich zwar gut leben, weil ich nicht zu jedem Film bombastische 3 Stunden Zusatzmaterial brauche.
Aber die Interviews mit der „gesamten" (?) Cast und Crew - wohl kaum, es werden nur die beiden Hauptdarsteller befragt - sind schlichtweg schlecht. Lieblos und hastig zusammengestückelt, nichts Erhellendes, die üblichen Lobhudeleien über Schauspieler und Regisseure und viele, unglaubliche Banalitäten („Jeder Film ist eine Herausforderung"). Alleine der Drehbuch-Autor vermag eine ironische Parallele zwischen dem unterschwelligen Thema des Films, der Gafferei, und dem Zuschauer eben solcher Horrorfilme ziehen.
Fazit: Der Film hat aufgrund seiner schönen Atmosphäre vier Punkt verdient. Inhalt und Ausstattung der DVD jedoch sind zu dürftig und werten das Ergebnis daher ab.