"This album inculdes the first appearance of a Synthesizer (an Oberheim OBX) on a Queen album." Diese lapidare Aussage auf dem Plattencover von "The Game" sollte eine musikalische Epoche beenden. Queen hatten bisher nämlich immer großen Wert darauf gelegt, dass ihre Musik nicht von Synthesizern unterstützt wurde. Doch Schlagzeuger Roger Taylor war es gelungen, seine Kollegen 1980 davon zu überzeugen, dass man mit der Zeit gehen müsse und auf die Zuhilfenahme von Synthesizern nicht verzichten könne. Heute würden nur noch wenige Hähne danach krähen, ob auf einem Album die Instrumente von Hand eingespielt, oder von Computern ersetzt wurden. Die deutliche, wenn auch beiläufige Erwähnung auf dem Plattencover von "The Game" zeigt aber, dass damals noch ein anderer Wind wehte und dass die Band es möglicherweise für unaufrichtig gehalten hätte, den Fans diese Veränderung vorzuenthalten. Mit Recht, denn für Queen (und damit auch für ihre Hörer) läutete "Kollege Oberheim" (siehe erster Satz) eine neue Ära ein. Die ganz rockigen Zeiten waren mit der Veröffentlichung des Albums "The Game" bis auf Weiteres vorbei, man orientierte sich fortan (bis auf wenige Ausnahmen) an einem seichteren, eingängigeren Popsound, welcher der Gruppe zwar den Titel "Erfolgreichste Band der 80er" einbrachte, sie musikalisch aber einige Stufen herabsetzte.
Die auf "The Game" neu gefundene "Philosophie" trägt dann auch dazu bei, dass das Album tatsächlich komplett anders ist als seine Vorgänger. Lieder wie "Coming Soon" oder "Crazy Little Thing Called Love" wären wahrscheinlich vorher nie möglich gewesen. Im Ganzen klingt die Musik etwas weniger frisch, ja, vielleicht sogar etwas "berechnet".
Selbstverständlich gibt es, wie eigentlich auf jedem Queen-Album, etliche Megahits. Allen voran das rappige "Another One Bites The Dust", das so schwarz klingt, dass manch einer es wirklich für einen Song von Afroamerikanern hielt. Außerdem natürlich "Crazy Little Thing Called Love" (ein Radio-Dauerbrenner), "Play The Game" und "Save Me".
Wenn auch die Veröffentlichung dieses Albums für die härtere Fraktion unter den Queenfans ein trauriger Anlass gewesen sein muss, so lässt sich doch sagen, dass sich die Band (betrachtet man einmal rückblickend ihre gesamte Geschichte) trotz allem irgendwie treu geblieben ist. Die unverkennbaren Queen-Attribute bleiben auf The Game bestehen. Schließlich wurden Mays Gitarre und Mercurys Stimme ja nicht von einem Synthesizer ersetzt. Außerdem war es Queens Lieblingsdisziplin, alle musikalischen Stilrichtungen und Moden mitzumachen, auszuprobieren und anzureißen.
Insgesamt ist die CD sicher empfehlenswert, und der alte Queen-Sound liegt ja auch noch irgendwie in der Luft, auch wenn sich "Radio Ga Ga" und "A Kind Of Magic" schon erahnen lassen. Ich gebe der CD vier Sterne, denn auch wenn sie an ihre Vorgängerwerke nicht heranreichen kann, enthält sie trotzdem gut gemachte Musik (meine Favoriten sind "Another One Bites The Dust" und "Dragon Attack").
Übrigens, außer der erstmaligen Verwendung eines Synthesizers, stellt The Game für Queen noch in zwei weiteren Punkten einen geschichtlichen Meilenstein dar: Bassist John Deacon schrieb mit "Another One Bites The Dust" seinen ersten Superhit und Freddie Mercury ist erstmals mit Oberlippenbart auf einem Foto im beiliegenden Heftchen zu sehen, der (obwohl er ihn nur einige Jahre lang trug) zu seinem unverwechselbaren optischen Markenzeichen werden sollte.