Ach, eine Instrumental-CD soll das laut Beschreibung auf einer anderen Website sein? Ach, wenn sie es doch wäre. Zugegeben: Herr Papathanassiou, besser bekannt unter seinem Vornamen Vangelis, hält sich, was den Gesang angeht, so bedeckt, wie man's von ihm gewohnt ist. Der Zweite im Bunde allerdings ist eher Vokalkünstler als Instrumentalist, heißt mit komplettem Namen Jon Anderson und war bzw. ist Sänger und Frontmann der Band "Yes".
Wenn man "Yes" mag, wird man, wohl oder übel, auch Jon Anderson mögen bzw. mögen müssen. Ich habe "Yes" allerdings von jeher nicht so sehr gemocht, dass ich mich mit Jon Andersons Gesang hätte anfreunden müssen. Das wurde wirklich erst notwendig, als der sich für die Produktion des Tonträgers, um den's hier geht, mit Synthesizer-Zauberer Vangelis zusammentat. Ich habe mich dann zwar mit Jon Andersons Gesang arrangiert, aber das war's dann auch schon. Woran liegt's? Jon Anderson mag ja ein guter Sänger sein - mir gefällt aber einfach seine Stimme nicht. Für mich klingt der gute Jon so, als sei er der vierte, lange verschollene Bruder des Gibb-Trios (besser bekannt als die "Bee Gees").
Das Stück "I'll find my way home" eröffnet den Reigen, und da ich das nach Ablauf der 80er Jahre vergleichsweise sehr, sehr, selten im Radio zu hören bekommen habe, kann ich mir die eingängige Ballade im für Vangelis typischen gluckernden, plinkernden und pluckernden Elektrosound auch nach wie vor gut anhören.
Songs mit Kuschelrock-Potenzial finden sich nur wenige: "Beside" und "Outside of this" sind zwar sehr ruhige Stücke, fordern dem Hörer aber trotzdem zuviel Aufmerksamkeit ab, als dass sie gut zur reinen Hintergrundbeschallung dienen könnten. Dafür sorgt, finde ich, schon Jon Andersons durchdringendes Organ.
Das einzige Stück, bei dem auch ich meist auf die "Skip"-Taste drücke, ist der blubbernde Elektropop-Boogie "Back to School", ein Stück, das ich, ob in Vorder- oder Hintergrund, einfach nur sehr nervig, aufdringlich und vergleichsweise einfallslos finde.
R e s ü m e e :
Wer Vangelis nur von seiner instrumentalen Seite kennt, seine elektronischen Klangbasteleien und Sample-Spiele aber zumindest interessant findet, sollte zumindest bei Gelegenheit einmal antesten, ob "The Friends of Mr. Cairo" etwas für ihn sein könnte. Das Album koppelt den typischen Vangelis-Sound mit der unverkennbaren, immer etwas schrillen Stimme von "Yes"-Sänger Jon Anderson. Das Ergebnis?
Irgendwo zwischen "gewohnt" und "gewöhnungsbedürftig", in jedem Fall aber interessant, teils auch ein bisschen anstrengend: ein Album, das gewiss nicht auf Anhieb ins Ohr geht (und schon gar nicht so schnell wie Vangelis sehr viel zugänglichere Alben wie etwa "Voices" oder eine andere Veröffentlichung der jüngeren Zeit), das man aber mit der Zeit schätzen lernen kann. Oder wie heißt es im Loriot-Sktech "Der Kunstpfeifer": "Das geht natürlich nicht so leicht ins Ohr wie Peter Alexander!"
Nein, tut es nicht - aber dafür hallt es dann auch ein bisschen länger nach.
D i e _ S t ü c k e /
m e i n e _ A n s p i e l t i p p s :
[>] 1. I'll Find My Way Home - Vangelis / Jon
' 2. State of Independence - Vangelis / Jon
' 3. Beside - Jon & Vangelis
' 4. The Mayflower - Jon & Vangelis
[>] 5. The Friends of Mr. Cairo - Jon & Vangelis
' 6. Back to School - Jon & Vangelis
[>] 7. Outside of This (Inside of That) - Jon & Vangelis