Die von Siegbert Tarrasch eingeführte Bekämpfungsmethode mit 3. Sd2 gegen die französische Verteidigung erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Weiß verhindert damit die Bauernverdoppelung auf der c-Linie wie sie oft in der Winawer-Variante entsteht. Damit lenkt er das Spiel oft in ruhigere,
positionelle Gewässer und versucht, ein schwarzes Gegenspiel frühzeitig einzuschränken.
Steffen Pedersen zeigt in diesem Nachfolgewerk seines "The Main Line French 3. Nc3" die diversen Versuche des Anziehenden auf, das Spiel von Zug Nr. 3 an kontrolliert zu gestalten. Karpov, Adams und McShane gehören zu den eifrigsten und erfolgreichsten Verfechtern der Tarrasch-Variante.
Neben den altbekannten Konterversuchen 3. ...c5 (mit 4. ...Dd5: und 4. ...ed5:) und 3. ...Sf6 gab es in den letzten Jahren eine Unmenge an theoretischen Neu- und Umbewertungen der Züge 3. ...Le7, 3. ...Sc6, 3. ...a6 und diverser seltener
Alternativen. Daß Schwarz dabei nach wie vor - oder gar mehr denn je! - auf dynamisches, chancenreiches Gegenspiel hoffen kann, zeigt Pedersen hier im übersichtlichen Großformat.
Meiner Meinung nach kann man sich kaum ein besseres Buch zur Tarrasch-Variante wünschen als dieses! Pedersen spricht konkret Empfehlungen und Bewertungen aus, zeigt, welche Varianten warum aktuell und kritisch sind, weist auf ungetestete, interessante Alternativen hin und gibt zudem ausführliche strategische
Erklärungen typischer Figurenmanöver oder des schwarzen Qualitätsopfer auf f3 beispielsweise. Einige der 2003 von Watson vorgeschlagenen Ideen wurden mittlerweile in der Praxis getestet und lassen nun erste aufschlußreiche Schlußfolgerungen zu, wie Pedersen in vielen seinen Anmerkungen und übrigens auch in seinem "French Advance and other lines" zeigt. Ich denke, besonders für die Französisch-Gemeinde des "Watson" dürfte dies von Interesse sein!
Gleichermassen werden natürlich auch Anziehende viele neuen und aggressive Ideen finden, die zuvor kaum die gebührende theoretische Behandlung erfahren haben, wie zum Beispiel den Zug 8. De2!? nach 1. e4 e6, 2. d4 d5, 3. Sd2 c5, 4. ed5: Dd5:, 5. Sgf3 cd4:, 6. Lc4 Dd6, 7. O-O Sc6, der zwar keine neue, aber
eine gefährliche Idee darstellt, möchte man als Anziehender einen gut vorbereiteten Französisch-Guru frühzeitig zu Fall oder wenigstens zum Grübeln bringen.
Fazit: Nicht so theoretisch komplett wie der Psakhis zu 3. Sd2, dafür aber wunderschön übersichtlich und das erleichtert das Suchen und Finden von Varianten enorm! Das Buch - obwohl ein Theoriewerk - macht einfach mehr Spaß als der leicht unübersichtliche Psakhis und so nimmt man es auch später wieder
gern einmal zum Studium in die Hand! Überzeugt euch selbst!