The Fratellis


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Biografie

„To Bump“ ist – wie bereits angedeutet – Glasgow-Slang für „Stehlen“ oder „Klauen“. Im obigen Statement referiert der Frontmann von The Fratellis über das kommende Debütalbum seiner dreiköpfigen Band. Falls The Fratellis mit irgendwas bzw. irgendwem vergleichbar sind – gesetzt den Fall, Vergleiche machen hier überhaupt Sinn –, klingen sie wohl wie Manfred Mann und Co. Ja, genau, DER Manfred Mann, mit seinem Sechziger- bzw. Siebziger-Pop-Zaubertrupp, die gemeinsam alles zwischen 5-4-3-2-1, „Do Wah Diddy Diddy“ und semi-losgelöstem Vorort-Mr.-James bis zu „Ha! Ha! Said The Clown“ bzw. Bob ... Lesen Sie mehr

„To Bump“ ist – wie bereits angedeutet – Glasgow-Slang für „Stehlen“ oder „Klauen“. Im obigen Statement referiert der Frontmann von The Fratellis über das kommende Debütalbum seiner dreiköpfigen Band. Falls The Fratellis mit irgendwas bzw. irgendwem vergleichbar sind – gesetzt den Fall, Vergleiche machen hier überhaupt Sinn –, klingen sie wohl wie Manfred Mann und Co. Ja, genau, DER Manfred Mann, mit seinem Sechziger- bzw. Siebziger-Pop-Zaubertrupp, die gemeinsam alles zwischen 5-4-3-2-1, „Do Wah Diddy Diddy“ und semi-losgelöstem Vorort-Mr.-James bis zu „Ha! Ha! Said The Clown“ bzw. Bob Dylans „The Mighty Quinn“ oder Springsteens „Blinded By The Light“ in einem einzigartigen Sound vereint haben.

Ich sag’s doch! Das schottische Trio, mit dem wir es hier zu tun haben, ist einfach zu vielfältig, zu talentiert, zu „bombig“, zu... so ist es nun mal. Das ist sie eigentlich auch schon: die ganze Wahrheit. „Ich mag Alben, auf denen jeder einzelne Song nichts mit dem Song davor gemeinsam hat“, erklärt Jon. Wie passend. Denn um sein Songwriting zu beschreiben, ist selbst das Wort „eklektisch“ eine grausame Untertreibung. „Man muss immer auf Zack sein, andernfalls verpasst man seine Chance und ist nicht als erster da. Seit ich `London Calling´ zum ersten Mal gehört habe, gab’s für mich keine Woche ohne diesen Song. Seither habe ich das Stück mindestens einmal pro Woche gehört.“

Ohne jemals eine Pause zum Luftholen zu machen, berichtet Jon – der großtuerische „Mighty Mouth“ mit einer Frisur à la Ken „Diddy“ Dod, der sich niemals blenden lässt – nunmehr in seiner ausgeprägten Glasgow-Sing-Sang-Stimme, dass er „die Großen mag: The Clash, The Beatles, Dylan. Die meisten jüngeren Bands sind unfassbar schlecht und einfach nur unmelodisch. Sie haben den Faden verloren. Ich habe das Gefühl, dass heutzutage keiner mehr Songs schreiben kann. Dabei würde ich uns gar nicht ausnehmen! Arctic Monkeys? Die sind doch Standard! Durchschnitt! Ich sollte denen besser eine von unseren Melodien verticken, dann hätten die mal eine zweite, so zur Abwechslung.“ Eine Pause (Jon nimmt einen Schluck aus dem Wasserglas; er trinkt nur selten – viel zu weich, der Typ.) „Die meisten jungen Bands wollen letztlich genau wie das große Ding aus dem Vorjahr sein. Nimm die Strokes oder die Libertines. Heute sind es wohl die Arctic Monkeys. Aber das ist doch absolut frustrierend! Das kann nicht die Richtung sein! Dann schon lieber 20 Jahre in die Vergangenheit schauen und sich beim RICHTIGEN ZEUG bedienen! Den Song, an dem die Libertines etwas neues gemacht und sich nicht nur bei The Clash bedient haben? Den gibt es nicht!“

Man könnte meinen, dass Jon Fratelli schon sein ganzes Leben so schnell, starrsinnig und lustig geschwätzt hat. Dabei gibt es The Fratellis erst seit vergangenem Jahr. Die Band kam zusammen, nachdem Mince Fratelli (Schlagzeug) im Frühjahr 2005 eine Musiker-sucht-Musiker-Anzeige ins Fenster des „Sound Control“-Musikgeschäfts in Glasgow gehängt hatte (Jon dazu: „Schlag den Laden lieber nicht nach, ich hasse diesen Schuppen!“). Damals spielte Mince noch Gitarre und war auf der Suche nach Gleichgesinnten. „Bitte nur Leute melden, die nach der Weltherrschaft streben!“, stand in der Anzeige. Jon dachte sich folgendes, als er den Zettel gelesen hatte: „Der Typ klingt wie ein Vollidiot, was aber ja nicht unbedingt das Schlechteste sein muss.“ Dazu muss man wissen, dass Jon die Standard-Gesuche hasst, in denen Musiker „all ihre Einflüsse aufzählen“. Im Sinne von: „Ich steh voll auf Radiohead“. Also scheiß drauf. „Nein Danke, Radiohead-Fan!“ So kam es, dass Jon sich auf die Annonce meldete, wie auch der Bassist Barry Fratelli. Es stellte sich heraus, dass Mince und Barry schon diverse Erfahrungen mit Bands gemacht hatten. Bei Jon war das anders. Er war in Cumbernauld, eine Art Glasgow-Neustadt, aufgewachsen (einer muss da schließlich leben!) und hatte schon 16 Lenze auf der Uhr, als er schließlich zum ersten Mal eine Gitarre anfasste und seine ersten Songs komponierte. Das sollte allerdings auch jahrelang so weitergehen: „Ich bin derjenige Verlierertyp, der eine halbe Ewigkeit alleine in seinem Zimmer gesessen hat, der im Schrank abgehangen und Songs geschrieben hat. Ich war ein Profi, wenn es darum ging, beschissene Songs zu schreiben. Davon habe ich unzählige kreiert, Woche für Woche, über einen Zeitraum von fünf oder sechs Jahren. Irgendwann kam ich an den Punkt, an dem es nach irgendwas klang. Na ja, und jetzt klingt es ja tatsächlich nach was.“

Der Schlafzimmer-Deprimierte, der ursprünglich keinerlei Interesse am Singen hatte, wurde schließlich zum Sänger der neugegründeten Band. Der Gitarrist, der sie alle vereint hatte, entwickelte sich nach und nach zum Schlagzeuger. Und der professionelle Croupier (Barry) wurde ihr Bassist. Er war es, der ihnen den Namen gab: The Fratellis.

Im Mai 2005 spielten sie ihre ersten Gigs. Nicht besonders viele allerdings. (Nein, sie haben sich keine Riesenfanbase in 2 Tagen erspielt, haben auch nicht ganz MySpace.com in die Luft gesprengt!) Neun Gigs waren es wohl. Dann gaben sie ihr Demo einem Label-Talentscout. Der wiederum leitete es an einen Rechtsanwalt weiter. Der wiederum gab es einem A&R-Berater. Der es Island Records zukommen ließ. Die sie dann im Herbst 2005 unter Vertrag nahmen. Und sie schon bald darauf (im Dezember) nach Los Angeles schickten, um dort mit Tony Hoffer zu arbeiten (Beck, Badly Drawn Boy, Air). Hoffers Enthusiasmus für den Sound der Fratellis garantierte, dass die kommenden Monate der drei Jungspunde, die sich ein Jahr zuvor noch nie gesehen hatten, eine unfassbare Sause werden sollten. Zudem wusste Hoffer sogar, wie man mit Jon klarkommt.

„Er hat sogar mit Turin Brakes gearbeitet“, berichtet Jon. „Ich habe extra nachgefragt. Und The Kooks, die hat er auch produziert. Danach habe ich ihn wirklich gefragt. Ich war mir nämlich nicht sicher, ob er vielleicht nur einen kurzen Anflug von gutem Geschmack hatte. Man weiß ja nie. Aber er hat auch Mark Owen gemacht ... insofern scheint „guter Geschmack“ ein Fremdwort für ihn zu sein. Ihm ist das wohl egal. Er macht einfach nur das, wo er Bock drauf hat. Aber er hat schon zugesagt, dass er bei meiner Hochzeit vorbeischaut!“

Bedenkt man, was für ein Energiebolzen Jon ist und was für fertige Typen Mince und Barry sind, hatte Hoffer eine nicht zu unterschätzende Aufgabe übernommen. Jede Menge Arbeit lag vor ihm. Nachdem er den „Shite“-Anteil seiner Songs ausrangiert hatte, präsentierte Jon plötzlich nur noch grandiose Songideen. So entstanden insgesamt 16 Songs, die darum kämpfen, auf dem Debüt der Fratellis zu landen. Sie alle sind verdammt gut.

„Creeping Up The Backstairs“ landet in jedem Fall auf dem Album, und zwar nicht nur, weil es das Titelstück der ersten Fratellis-Veröffentlichung ist (die Rede ist von einer limitierten EP, die eine Reihe von Jubelschreien bei diversen Kritikern ausgelöst hat, im Radio landete und sich nach und nach zum Disco-Moshpit-Garant entwickelte. VÖ war im April.). „Ich bin jedes Mal total platt, wenn ich mitbekomme, wie sehr die Leute auf `Creeping´ abgehen“, schnaubt Jon. „Das ist doch ein ganz gewöhnlicher Track! Die anderen Sachen sind viel besser, unfassbar viel besser sogar!“

Und da hat er vielleicht sogar Recht. „Cuntry Boy“ (kein Tippfehler!) ist ein Dampfhammer-Song im Mod-Modus, der eine explosive, fast schon kopflose Hook bereithält. „Everybody Knows You Cried Last Night“ ist eine Wohlfühl-Festival-Hymne, die noch ein wenig reifen muss. „Vince The Loveable Stoner“ hingegen ist purer Mitgröl-Nonsens (im besten Sinne des Wortes!), und „Got Ma Nuts From A Hippy“ hat schon aufgrund des Titels gewonnen. Dazu kommt, dass es sich dabei um ein Pop-Punk-Meisterwerk handelt, inklusive deftigem Gitarrensolo und einem mit Prog-Versatzstücken durchzogenen Mittelteil. Juhu. Die Frage: Inwiefern basiert dieser Song auf wahren Gegebenheiten? „Aha“, lacht Jon. „Nein, meine Nüsse stammen nicht von einem Hippie, das steht fest. Man muss dabei wissen, dass fast alle der 16 Tracks Geschichten erzählen, die nichts mit der Wahrheit zu tun haben. Es hat vielmehr mit unkontrollierten Bewusstseinströmen, mit Storytelling à la Dylan zu tun. Ich stehe voll auf diese Dinge, auf Beat Poetry, ... ich liebe (Allan) Ginsberg! Und selbst wenn man nicht jede Zeile verstehen kann, klingt es doch immer grandios und lächerlich zugleich... bei `Hippy´ ist es genauso! Und bei `Vince´ auch! Dabei basiert letzterer eigentlich auf einer Begebenheit aus dem Leben von Mince, unserem Schlagzeuger. Und die ist wahr: Wie ich schon im Song sage, habe ich seit ich ihn kenne noch nie seine Pupillen gesehen. Warum er Mince (Hackfleisch!) heißt? Nun, er kommt jeden Tag mit einer anderen Geschichte an. Die Story, die ich gehört habe, besagt, dass der Name eine Kurzform von Mincent (?!) ist. Das ist definitiv die beste!“

Und dann gibt’s da auch noch die Tigerfeet-meets-Slade-Nummer namens „Chelsea Dagger“. Jon berichtet, dass der Song von einem Showgirl handelt. „Kein Scheiß, erfundene Geschichten sind immer spannender als die Realität. Wir haben keinerlei Interesse daran, über die Plackerei des britischen Alltags zu singen. Oder an Geschichten, in denen man ständig irgendwo rausfliegt – das ist doch langweilig! Und deprimierend. `Chelsea Dagger´ wird stattdessen jeden zum Schmunzeln bringen. Denn genau genommen ist sie meine Freundin. Sie IST Chelsea Dagger. Sie macht burleske Dinge in einem Club, und der Name des Songs ist ihr Bühnenname.“

Nun, kann schon sein. Sicher ist jedoch, dass The Fratellis – wie sie erst kürzlich in Texas beim SXSW und beim „The Camden Crawl“ unter Beweis gestellt haben – eine Live-Granate sind, die einem die Hüfte unterm Oberkörper wegzieht und sogar Anflüge von Headbangen verursachen kann. Es macht sogar dann Spaß, Jon anzuschauen, wenn er gerade nicht gut drauf ist. In Austin, Texas, als sie nachmittags einen Showcase im idyllischen Betongarten einer Kneipe spielten, waren sie eine regelrechte Offenbarung. „SXSW ist Dreck“, entgegnet Jon. „Das ist doch alles nur ein Mythos. Humbug! Es ist auch nicht der beste Ort, um so ein Festival zu veranstalten. Es hat die ganze Zeit in Strömen geregnet. Aber ich habe so oder so nicht viel erwartet, insofern bin ich auch nicht enttäuscht worden. Letztlich war das Festival so, wie ein verregneter Nachmittag, an dem man sich das Album der Arctic Monkeys reinzieht...“

Um das jedoch klarzustellen: Entgegen der hier gemachten Aussagen, ist Jon Fratelli alles andere als ein muffeliger und arroganter Idiot. Seine windigen Aussagen über dies und das macht er stets mit einem Funkeln in den Augen und einem Nachhall aus wuscheligem Haar. Und: Er würde The Fratellis ebenso in die Tonne befördern und durch den Dreck ziehen wie jede andere Band! Eigentlich ist er meistens putzmunter und absolut freundlich. Und seine Songs haben verdammt großen Unterhaltungswert.

Um das zu erkennen, reicht ein erstes Anhören von „Henrietta“, der neuen Single. Ein absolutes Pop-Geschoss, das gleichermaßen fürs Radio, für die Tanzfläche und für Sommerfestivals gemacht ist. „Sie ist eine Freundin von meiner Mutter. Ich glaube, dass sie ziemlich heiß ist. Eine MILF (Mother I’d Like to Fuck)! Wir wünschen uns, dass sie irgendwann uns besucht und von da an mit uns lebt. Sie soll uns Schuhe kaufen, uns hin und wieder auf eine Cola einladen und für uns ans Telefon gehen.“

Und warum auch nicht? The Fratellis: fantastisch und mehr als bizarr.

Diese Biografie wurde von den Künstlern oder deren Vertretern bereitgestellt.

„To Bump“ ist – wie bereits angedeutet – Glasgow-Slang für „Stehlen“ oder „Klauen“. Im obigen Statement referiert der Frontmann von The Fratellis über das kommende Debütalbum seiner dreiköpfigen Band. Falls The Fratellis mit irgendwas bzw. irgendwem vergleichbar sind – gesetzt den Fall, Vergleiche machen hier überhaupt Sinn –, klingen sie wohl wie Manfred Mann und Co. Ja, genau, DER Manfred Mann, mit seinem Sechziger- bzw. Siebziger-Pop-Zaubertrupp, die gemeinsam alles zwischen 5-4-3-2-1, „Do Wah Diddy Diddy“ und semi-losgelöstem Vorort-Mr.-James bis zu „Ha! Ha! Said The Clown“ bzw. Bob Dylans „The Mighty Quinn“ oder Springsteens „Blinded By The Light“ in einem einzigartigen Sound vereint haben.

Ich sag’s doch! Das schottische Trio, mit dem wir es hier zu tun haben, ist einfach zu vielfältig, zu talentiert, zu „bombig“, zu... so ist es nun mal. Das ist sie eigentlich auch schon: die ganze Wahrheit. „Ich mag Alben, auf denen jeder einzelne Song nichts mit dem Song davor gemeinsam hat“, erklärt Jon. Wie passend. Denn um sein Songwriting zu beschreiben, ist selbst das Wort „eklektisch“ eine grausame Untertreibung. „Man muss immer auf Zack sein, andernfalls verpasst man seine Chance und ist nicht als erster da. Seit ich `London Calling´ zum ersten Mal gehört habe, gab’s für mich keine Woche ohne diesen Song. Seither habe ich das Stück mindestens einmal pro Woche gehört.“

Ohne jemals eine Pause zum Luftholen zu machen, berichtet Jon – der großtuerische „Mighty Mouth“ mit einer Frisur à la Ken „Diddy“ Dod, der sich niemals blenden lässt – nunmehr in seiner ausgeprägten Glasgow-Sing-Sang-Stimme, dass er „die Großen mag: The Clash, The Beatles, Dylan. Die meisten jüngeren Bands sind unfassbar schlecht und einfach nur unmelodisch. Sie haben den Faden verloren. Ich habe das Gefühl, dass heutzutage keiner mehr Songs schreiben kann. Dabei würde ich uns gar nicht ausnehmen! Arctic Monkeys? Die sind doch Standard! Durchschnitt! Ich sollte denen besser eine von unseren Melodien verticken, dann hätten die mal eine zweite, so zur Abwechslung.“ Eine Pause (Jon nimmt einen Schluck aus dem Wasserglas; er trinkt nur selten – viel zu weich, der Typ.) „Die meisten jungen Bands wollen letztlich genau wie das große Ding aus dem Vorjahr sein. Nimm die Strokes oder die Libertines. Heute sind es wohl die Arctic Monkeys. Aber das ist doch absolut frustrierend! Das kann nicht die Richtung sein! Dann schon lieber 20 Jahre in die Vergangenheit schauen und sich beim RICHTIGEN ZEUG bedienen! Den Song, an dem die Libertines etwas neues gemacht und sich nicht nur bei The Clash bedient haben? Den gibt es nicht!“

Man könnte meinen, dass Jon Fratelli schon sein ganzes Leben so schnell, starrsinnig und lustig geschwätzt hat. Dabei gibt es The Fratellis erst seit vergangenem Jahr. Die Band kam zusammen, nachdem Mince Fratelli (Schlagzeug) im Frühjahr 2005 eine Musiker-sucht-Musiker-Anzeige ins Fenster des „Sound Control“-Musikgeschäfts in Glasgow gehängt hatte (Jon dazu: „Schlag den Laden lieber nicht nach, ich hasse diesen Schuppen!“). Damals spielte Mince noch Gitarre und war auf der Suche nach Gleichgesinnten. „Bitte nur Leute melden, die nach der Weltherrschaft streben!“, stand in der Anzeige. Jon dachte sich folgendes, als er den Zettel gelesen hatte: „Der Typ klingt wie ein Vollidiot, was aber ja nicht unbedingt das Schlechteste sein muss.“ Dazu muss man wissen, dass Jon die Standard-Gesuche hasst, in denen Musiker „all ihre Einflüsse aufzählen“. Im Sinne von: „Ich steh voll auf Radiohead“. Also scheiß drauf. „Nein Danke, Radiohead-Fan!“ So kam es, dass Jon sich auf die Annonce meldete, wie auch der Bassist Barry Fratelli. Es stellte sich heraus, dass Mince und Barry schon diverse Erfahrungen mit Bands gemacht hatten. Bei Jon war das anders. Er war in Cumbernauld, eine Art Glasgow-Neustadt, aufgewachsen (einer muss da schließlich leben!) und hatte schon 16 Lenze auf der Uhr, als er schließlich zum ersten Mal eine Gitarre anfasste und seine ersten Songs komponierte. Das sollte allerdings auch jahrelang so weitergehen: „Ich bin derjenige Verlierertyp, der eine halbe Ewigkeit alleine in seinem Zimmer gesessen hat, der im Schrank abgehangen und Songs geschrieben hat. Ich war ein Profi, wenn es darum ging, beschissene Songs zu schreiben. Davon habe ich unzählige kreiert, Woche für Woche, über einen Zeitraum von fünf oder sechs Jahren. Irgendwann kam ich an den Punkt, an dem es nach irgendwas klang. Na ja, und jetzt klingt es ja tatsächlich nach was.“

Der Schlafzimmer-Deprimierte, der ursprünglich keinerlei Interesse am Singen hatte, wurde schließlich zum Sänger der neugegründeten Band. Der Gitarrist, der sie alle vereint hatte, entwickelte sich nach und nach zum Schlagzeuger. Und der professionelle Croupier (Barry) wurde ihr Bassist. Er war es, der ihnen den Namen gab: The Fratellis.

Im Mai 2005 spielten sie ihre ersten Gigs. Nicht besonders viele allerdings. (Nein, sie haben sich keine Riesenfanbase in 2 Tagen erspielt, haben auch nicht ganz MySpace.com in die Luft gesprengt!) Neun Gigs waren es wohl. Dann gaben sie ihr Demo einem Label-Talentscout. Der wiederum leitete es an einen Rechtsanwalt weiter. Der wiederum gab es einem A&R-Berater. Der es Island Records zukommen ließ. Die sie dann im Herbst 2005 unter Vertrag nahmen. Und sie schon bald darauf (im Dezember) nach Los Angeles schickten, um dort mit Tony Hoffer zu arbeiten (Beck, Badly Drawn Boy, Air). Hoffers Enthusiasmus für den Sound der Fratellis garantierte, dass die kommenden Monate der drei Jungspunde, die sich ein Jahr zuvor noch nie gesehen hatten, eine unfassbare Sause werden sollten. Zudem wusste Hoffer sogar, wie man mit Jon klarkommt.

„Er hat sogar mit Turin Brakes gearbeitet“, berichtet Jon. „Ich habe extra nachgefragt. Und The Kooks, die hat er auch produziert. Danach habe ich ihn wirklich gefragt. Ich war mir nämlich nicht sicher, ob er vielleicht nur einen kurzen Anflug von gutem Geschmack hatte. Man weiß ja nie. Aber er hat auch Mark Owen gemacht ... insofern scheint „guter Geschmack“ ein Fremdwort für ihn zu sein. Ihm ist das wohl egal. Er macht einfach nur das, wo er Bock drauf hat. Aber er hat schon zugesagt, dass er bei meiner Hochzeit vorbeischaut!“

Bedenkt man, was für ein Energiebolzen Jon ist und was für fertige Typen Mince und Barry sind, hatte Hoffer eine nicht zu unterschätzende Aufgabe übernommen. Jede Menge Arbeit lag vor ihm. Nachdem er den „Shite“-Anteil seiner Songs ausrangiert hatte, präsentierte Jon plötzlich nur noch grandiose Songideen. So entstanden insgesamt 16 Songs, die darum kämpfen, auf dem Debüt der Fratellis zu landen. Sie alle sind verdammt gut.

„Creeping Up The Backstairs“ landet in jedem Fall auf dem Album, und zwar nicht nur, weil es das Titelstück der ersten Fratellis-Veröffentlichung ist (die Rede ist von einer limitierten EP, die eine Reihe von Jubelschreien bei diversen Kritikern ausgelöst hat, im Radio landete und sich nach und nach zum Disco-Moshpit-Garant entwickelte. VÖ war im April.). „Ich bin jedes Mal total platt, wenn ich mitbekomme, wie sehr die Leute auf `Creeping´ abgehen“, schnaubt Jon. „Das ist doch ein ganz gewöhnlicher Track! Die anderen Sachen sind viel besser, unfassbar viel besser sogar!“

Und da hat er vielleicht sogar Recht. „Cuntry Boy“ (kein Tippfehler!) ist ein Dampfhammer-Song im Mod-Modus, der eine explosive, fast schon kopflose Hook bereithält. „Everybody Knows You Cried Last Night“ ist eine Wohlfühl-Festival-Hymne, die noch ein wenig reifen muss. „Vince The Loveable Stoner“ hingegen ist purer Mitgröl-Nonsens (im besten Sinne des Wortes!), und „Got Ma Nuts From A Hippy“ hat schon aufgrund des Titels gewonnen. Dazu kommt, dass es sich dabei um ein Pop-Punk-Meisterwerk handelt, inklusive deftigem Gitarrensolo und einem mit Prog-Versatzstücken durchzogenen Mittelteil. Juhu. Die Frage: Inwiefern basiert dieser Song auf wahren Gegebenheiten? „Aha“, lacht Jon. „Nein, meine Nüsse stammen nicht von einem Hippie, das steht fest. Man muss dabei wissen, dass fast alle der 16 Tracks Geschichten erzählen, die nichts mit der Wahrheit zu tun haben. Es hat vielmehr mit unkontrollierten Bewusstseinströmen, mit Storytelling à la Dylan zu tun. Ich stehe voll auf diese Dinge, auf Beat Poetry, ... ich liebe (Allan) Ginsberg! Und selbst wenn man nicht jede Zeile verstehen kann, klingt es doch immer grandios und lächerlich zugleich... bei `Hippy´ ist es genauso! Und bei `Vince´ auch! Dabei basiert letzterer eigentlich auf einer Begebenheit aus dem Leben von Mince, unserem Schlagzeuger. Und die ist wahr: Wie ich schon im Song sage, habe ich seit ich ihn kenne noch nie seine Pupillen gesehen. Warum er Mince (Hackfleisch!) heißt? Nun, er kommt jeden Tag mit einer anderen Geschichte an. Die Story, die ich gehört habe, besagt, dass der Name eine Kurzform von Mincent (?!) ist. Das ist definitiv die beste!“

Und dann gibt’s da auch noch die Tigerfeet-meets-Slade-Nummer namens „Chelsea Dagger“. Jon berichtet, dass der Song von einem Showgirl handelt. „Kein Scheiß, erfundene Geschichten sind immer spannender als die Realität. Wir haben keinerlei Interesse daran, über die Plackerei des britischen Alltags zu singen. Oder an Geschichten, in denen man ständig irgendwo rausfliegt – das ist doch langweilig! Und deprimierend. `Chelsea Dagger´ wird stattdessen jeden zum Schmunzeln bringen. Denn genau genommen ist sie meine Freundin. Sie IST Chelsea Dagger. Sie macht burleske Dinge in einem Club, und der Name des Songs ist ihr Bühnenname.“

Nun, kann schon sein. Sicher ist jedoch, dass The Fratellis – wie sie erst kürzlich in Texas beim SXSW und beim „The Camden Crawl“ unter Beweis gestellt haben – eine Live-Granate sind, die einem die Hüfte unterm Oberkörper wegzieht und sogar Anflüge von Headbangen verursachen kann. Es macht sogar dann Spaß, Jon anzuschauen, wenn er gerade nicht gut drauf ist. In Austin, Texas, als sie nachmittags einen Showcase im idyllischen Betongarten einer Kneipe spielten, waren sie eine regelrechte Offenbarung. „SXSW ist Dreck“, entgegnet Jon. „Das ist doch alles nur ein Mythos. Humbug! Es ist auch nicht der beste Ort, um so ein Festival zu veranstalten. Es hat die ganze Zeit in Strömen geregnet. Aber ich habe so oder so nicht viel erwartet, insofern bin ich auch nicht enttäuscht worden. Letztlich war das Festival so, wie ein verregneter Nachmittag, an dem man sich das Album der Arctic Monkeys reinzieht...“

Um das jedoch klarzustellen: Entgegen der hier gemachten Aussagen, ist Jon Fratelli alles andere als ein muffeliger und arroganter Idiot. Seine windigen Aussagen über dies und das macht er stets mit einem Funkeln in den Augen und einem Nachhall aus wuscheligem Haar. Und: Er würde The Fratellis ebenso in die Tonne befördern und durch den Dreck ziehen wie jede andere Band! Eigentlich ist er meistens putzmunter und absolut freundlich. Und seine Songs haben verdammt großen Unterhaltungswert.

Um das zu erkennen, reicht ein erstes Anhören von „Henrietta“, der neuen Single. Ein absolutes Pop-Geschoss, das gleichermaßen fürs Radio, für die Tanzfläche und für Sommerfestivals gemacht ist. „Sie ist eine Freundin von meiner Mutter. Ich glaube, dass sie ziemlich heiß ist. Eine MILF (Mother I’d Like to Fuck)! Wir wünschen uns, dass sie irgendwann uns besucht und von da an mit uns lebt. Sie soll uns Schuhe kaufen, uns hin und wieder auf eine Cola einladen und für uns ans Telefon gehen.“

Und warum auch nicht? The Fratellis: fantastisch und mehr als bizarr.

Diese Biografie wurde von den Künstlern oder deren Vertretern bereitgestellt.

„To Bump“ ist – wie bereits angedeutet – Glasgow-Slang für „Stehlen“ oder „Klauen“. Im obigen Statement referiert der Frontmann von The Fratellis über das kommende Debütalbum seiner dreiköpfigen Band. Falls The Fratellis mit irgendwas bzw. irgendwem vergleichbar sind – gesetzt den Fall, Vergleiche machen hier überhaupt Sinn –, klingen sie wohl wie Manfred Mann und Co. Ja, genau, DER Manfred Mann, mit seinem Sechziger- bzw. Siebziger-Pop-Zaubertrupp, die gemeinsam alles zwischen 5-4-3-2-1, „Do Wah Diddy Diddy“ und semi-losgelöstem Vorort-Mr.-James bis zu „Ha! Ha! Said The Clown“ bzw. Bob Dylans „The Mighty Quinn“ oder Springsteens „Blinded By The Light“ in einem einzigartigen Sound vereint haben.

Ich sag’s doch! Das schottische Trio, mit dem wir es hier zu tun haben, ist einfach zu vielfältig, zu talentiert, zu „bombig“, zu... so ist es nun mal. Das ist sie eigentlich auch schon: die ganze Wahrheit. „Ich mag Alben, auf denen jeder einzelne Song nichts mit dem Song davor gemeinsam hat“, erklärt Jon. Wie passend. Denn um sein Songwriting zu beschreiben, ist selbst das Wort „eklektisch“ eine grausame Untertreibung. „Man muss immer auf Zack sein, andernfalls verpasst man seine Chance und ist nicht als erster da. Seit ich `London Calling´ zum ersten Mal gehört habe, gab’s für mich keine Woche ohne diesen Song. Seither habe ich das Stück mindestens einmal pro Woche gehört.“

Ohne jemals eine Pause zum Luftholen zu machen, berichtet Jon – der großtuerische „Mighty Mouth“ mit einer Frisur à la Ken „Diddy“ Dod, der sich niemals blenden lässt – nunmehr in seiner ausgeprägten Glasgow-Sing-Sang-Stimme, dass er „die Großen mag: The Clash, The Beatles, Dylan. Die meisten jüngeren Bands sind unfassbar schlecht und einfach nur unmelodisch. Sie haben den Faden verloren. Ich habe das Gefühl, dass heutzutage keiner mehr Songs schreiben kann. Dabei würde ich uns gar nicht ausnehmen! Arctic Monkeys? Die sind doch Standard! Durchschnitt! Ich sollte denen besser eine von unseren Melodien verticken, dann hätten die mal eine zweite, so zur Abwechslung.“ Eine Pause (Jon nimmt einen Schluck aus dem Wasserglas; er trinkt nur selten – viel zu weich, der Typ.) „Die meisten jungen Bands wollen letztlich genau wie das große Ding aus dem Vorjahr sein. Nimm die Strokes oder die Libertines. Heute sind es wohl die Arctic Monkeys. Aber das ist doch absolut frustrierend! Das kann nicht die Richtung sein! Dann schon lieber 20 Jahre in die Vergangenheit schauen und sich beim RICHTIGEN ZEUG bedienen! Den Song, an dem die Libertines etwas neues gemacht und sich nicht nur bei The Clash bedient haben? Den gibt es nicht!“

Man könnte meinen, dass Jon Fratelli schon sein ganzes Leben so schnell, starrsinnig und lustig geschwätzt hat. Dabei gibt es The Fratellis erst seit vergangenem Jahr. Die Band kam zusammen, nachdem Mince Fratelli (Schlagzeug) im Frühjahr 2005 eine Musiker-sucht-Musiker-Anzeige ins Fenster des „Sound Control“-Musikgeschäfts in Glasgow gehängt hatte (Jon dazu: „Schlag den Laden lieber nicht nach, ich hasse diesen Schuppen!“). Damals spielte Mince noch Gitarre und war auf der Suche nach Gleichgesinnten. „Bitte nur Leute melden, die nach der Weltherrschaft streben!“, stand in der Anzeige. Jon dachte sich folgendes, als er den Zettel gelesen hatte: „Der Typ klingt wie ein Vollidiot, was aber ja nicht unbedingt das Schlechteste sein muss.“ Dazu muss man wissen, dass Jon die Standard-Gesuche hasst, in denen Musiker „all ihre Einflüsse aufzählen“. Im Sinne von: „Ich steh voll auf Radiohead“. Also scheiß drauf. „Nein Danke, Radiohead-Fan!“ So kam es, dass Jon sich auf die Annonce meldete, wie auch der Bassist Barry Fratelli. Es stellte sich heraus, dass Mince und Barry schon diverse Erfahrungen mit Bands gemacht hatten. Bei Jon war das anders. Er war in Cumbernauld, eine Art Glasgow-Neustadt, aufgewachsen (einer muss da schließlich leben!) und hatte schon 16 Lenze auf der Uhr, als er schließlich zum ersten Mal eine Gitarre anfasste und seine ersten Songs komponierte. Das sollte allerdings auch jahrelang so weitergehen: „Ich bin derjenige Verlierertyp, der eine halbe Ewigkeit alleine in seinem Zimmer gesessen hat, der im Schrank abgehangen und Songs geschrieben hat. Ich war ein Profi, wenn es darum ging, beschissene Songs zu schreiben. Davon habe ich unzählige kreiert, Woche für Woche, über einen Zeitraum von fünf oder sechs Jahren. Irgendwann kam ich an den Punkt, an dem es nach irgendwas klang. Na ja, und jetzt klingt es ja tatsächlich nach was.“

Der Schlafzimmer-Deprimierte, der ursprünglich keinerlei Interesse am Singen hatte, wurde schließlich zum Sänger der neugegründeten Band. Der Gitarrist, der sie alle vereint hatte, entwickelte sich nach und nach zum Schlagzeuger. Und der professionelle Croupier (Barry) wurde ihr Bassist. Er war es, der ihnen den Namen gab: The Fratellis.

Im Mai 2005 spielten sie ihre ersten Gigs. Nicht besonders viele allerdings. (Nein, sie haben sich keine Riesenfanbase in 2 Tagen erspielt, haben auch nicht ganz MySpace.com in die Luft gesprengt!) Neun Gigs waren es wohl. Dann gaben sie ihr Demo einem Label-Talentscout. Der wiederum leitete es an einen Rechtsanwalt weiter. Der wiederum gab es einem A&R-Berater. Der es Island Records zukommen ließ. Die sie dann im Herbst 2005 unter Vertrag nahmen. Und sie schon bald darauf (im Dezember) nach Los Angeles schickten, um dort mit Tony Hoffer zu arbeiten (Beck, Badly Drawn Boy, Air). Hoffers Enthusiasmus für den Sound der Fratellis garantierte, dass die kommenden Monate der drei Jungspunde, die sich ein Jahr zuvor noch nie gesehen hatten, eine unfassbare Sause werden sollten. Zudem wusste Hoffer sogar, wie man mit Jon klarkommt.

„Er hat sogar mit Turin Brakes gearbeitet“, berichtet Jon. „Ich habe extra nachgefragt. Und The Kooks, die hat er auch produziert. Danach habe ich ihn wirklich gefragt. Ich war mir nämlich nicht sicher, ob er vielleicht nur einen kurzen Anflug von gutem Geschmack hatte. Man weiß ja nie. Aber er hat auch Mark Owen gemacht ... insofern scheint „guter Geschmack“ ein Fremdwort für ihn zu sein. Ihm ist das wohl egal. Er macht einfach nur das, wo er Bock drauf hat. Aber er hat schon zugesagt, dass er bei meiner Hochzeit vorbeischaut!“

Bedenkt man, was für ein Energiebolzen Jon ist und was für fertige Typen Mince und Barry sind, hatte Hoffer eine nicht zu unterschätzende Aufgabe übernommen. Jede Menge Arbeit lag vor ihm. Nachdem er den „Shite“-Anteil seiner Songs ausrangiert hatte, präsentierte Jon plötzlich nur noch grandiose Songideen. So entstanden insgesamt 16 Songs, die darum kämpfen, auf dem Debüt der Fratellis zu landen. Sie alle sind verdammt gut.

„Creeping Up The Backstairs“ landet in jedem Fall auf dem Album, und zwar nicht nur, weil es das Titelstück der ersten Fratellis-Veröffentlichung ist (die Rede ist von einer limitierten EP, die eine Reihe von Jubelschreien bei diversen Kritikern ausgelöst hat, im Radio landete und sich nach und nach zum Disco-Moshpit-Garant entwickelte. VÖ war im April.). „Ich bin jedes Mal total platt, wenn ich mitbekomme, wie sehr die Leute auf `Creeping´ abgehen“, schnaubt Jon. „Das ist doch ein ganz gewöhnlicher Track! Die anderen Sachen sind viel besser, unfassbar viel besser sogar!“

Und da hat er vielleicht sogar Recht. „Cuntry Boy“ (kein Tippfehler!) ist ein Dampfhammer-Song im Mod-Modus, der eine explosive, fast schon kopflose Hook bereithält. „Everybody Knows You Cried Last Night“ ist eine Wohlfühl-Festival-Hymne, die noch ein wenig reifen muss. „Vince The Loveable Stoner“ hingegen ist purer Mitgröl-Nonsens (im besten Sinne des Wortes!), und „Got Ma Nuts From A Hippy“ hat schon aufgrund des Titels gewonnen. Dazu kommt, dass es sich dabei um ein Pop-Punk-Meisterwerk handelt, inklusive deftigem Gitarrensolo und einem mit Prog-Versatzstücken durchzogenen Mittelteil. Juhu. Die Frage: Inwiefern basiert dieser Song auf wahren Gegebenheiten? „Aha“, lacht Jon. „Nein, meine Nüsse stammen nicht von einem Hippie, das steht fest. Man muss dabei wissen, dass fast alle der 16 Tracks Geschichten erzählen, die nichts mit der Wahrheit zu tun haben. Es hat vielmehr mit unkontrollierten Bewusstseinströmen, mit Storytelling à la Dylan zu tun. Ich stehe voll auf diese Dinge, auf Beat Poetry, ... ich liebe (Allan) Ginsberg! Und selbst wenn man nicht jede Zeile verstehen kann, klingt es doch immer grandios und lächerlich zugleich... bei `Hippy´ ist es genauso! Und bei `Vince´ auch! Dabei basiert letzterer eigentlich auf einer Begebenheit aus dem Leben von Mince, unserem Schlagzeuger. Und die ist wahr: Wie ich schon im Song sage, habe ich seit ich ihn kenne noch nie seine Pupillen gesehen. Warum er Mince (Hackfleisch!) heißt? Nun, er kommt jeden Tag mit einer anderen Geschichte an. Die Story, die ich gehört habe, besagt, dass der Name eine Kurzform von Mincent (?!) ist. Das ist definitiv die beste!“

Und dann gibt’s da auch noch die Tigerfeet-meets-Slade-Nummer namens „Chelsea Dagger“. Jon berichtet, dass der Song von einem Showgirl handelt. „Kein Scheiß, erfundene Geschichten sind immer spannender als die Realität. Wir haben keinerlei Interesse daran, über die Plackerei des britischen Alltags zu singen. Oder an Geschichten, in denen man ständig irgendwo rausfliegt – das ist doch langweilig! Und deprimierend. `Chelsea Dagger´ wird stattdessen jeden zum Schmunzeln bringen. Denn genau genommen ist sie meine Freundin. Sie IST Chelsea Dagger. Sie macht burleske Dinge in einem Club, und der Name des Songs ist ihr Bühnenname.“

Nun, kann schon sein. Sicher ist jedoch, dass The Fratellis – wie sie erst kürzlich in Texas beim SXSW und beim „The Camden Crawl“ unter Beweis gestellt haben – eine Live-Granate sind, die einem die Hüfte unterm Oberkörper wegzieht und sogar Anflüge von Headbangen verursachen kann. Es macht sogar dann Spaß, Jon anzuschauen, wenn er gerade nicht gut drauf ist. In Austin, Texas, als sie nachmittags einen Showcase im idyllischen Betongarten einer Kneipe spielten, waren sie eine regelrechte Offenbarung. „SXSW ist Dreck“, entgegnet Jon. „Das ist doch alles nur ein Mythos. Humbug! Es ist auch nicht der beste Ort, um so ein Festival zu veranstalten. Es hat die ganze Zeit in Strömen geregnet. Aber ich habe so oder so nicht viel erwartet, insofern bin ich auch nicht enttäuscht worden. Letztlich war das Festival so, wie ein verregneter Nachmittag, an dem man sich das Album der Arctic Monkeys reinzieht...“

Um das jedoch klarzustellen: Entgegen der hier gemachten Aussagen, ist Jon Fratelli alles andere als ein muffeliger und arroganter Idiot. Seine windigen Aussagen über dies und das macht er stets mit einem Funkeln in den Augen und einem Nachhall aus wuscheligem Haar. Und: Er würde The Fratellis ebenso in die Tonne befördern und durch den Dreck ziehen wie jede andere Band! Eigentlich ist er meistens putzmunter und absolut freundlich. Und seine Songs haben verdammt großen Unterhaltungswert.

Um das zu erkennen, reicht ein erstes Anhören von „Henrietta“, der neuen Single. Ein absolutes Pop-Geschoss, das gleichermaßen fürs Radio, für die Tanzfläche und für Sommerfestivals gemacht ist. „Sie ist eine Freundin von meiner Mutter. Ich glaube, dass sie ziemlich heiß ist. Eine MILF (Mother I’d Like to Fuck)! Wir wünschen uns, dass sie irgendwann uns besucht und von da an mit uns lebt. Sie soll uns Schuhe kaufen, uns hin und wieder auf eine Cola einladen und für uns ans Telefon gehen.“

Und warum auch nicht? The Fratellis: fantastisch und mehr als bizarr.

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