Cornwell wagt sich hier wieder einmal in das Gebiet der Geschichtsschreibung und schildert die historisch tatsächlich stattgefundene Belagerung eines britischen Forts im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg durch amerikanische Staats-Milizen. Setup und Ausgang des Buchs stehen somit fest und lassen dem Autor im Unterschied zu seinen fiktiven historischen Romanen wenig Freiheit. Dem Buch merkt man denn auch das Bemühen an, historisch authentisch sein zu wollen und beiden Seiten so gut wie möglich gerecht zu werden.
Im Unterschied zu vielen anderen Cornwells, wo nach Lust und Laune geprügelt, gebrandschatzt und gesoffen wird, geht er das Thema wesentlich methodischer an, was immer wieder zu Längen führt, wenn militärische oder politische Zusammenhänge im Detail beleuchtet werden. Für den Militärenthusiasten ist das auch alles superspannend, insbesondere wenn man die Fehler beider Seiten beschrieben bekommt und sich manchmal wundert, wie eine solche Anhäufung von Inkompetenz und Neid überhaupt ein Ergebnis bringen konnte. Für den Liebhaber historischer Romane ist es aber mitunter sehr zäh zu lesen, wenn z.B. haarklein beschrieben wird, wie ein abwärts schießender Vorderlader gestopft werden muss, damit die Kugel nicht einfach vorne rausrollt.
Darunter leiden dann auch etwas die ansonsten sehr farbenfrohen Cornwellschen Charakterschilderungen, die sich hier halt der historischen Überlieferung beugen müssen. Alles in allem ein spannendes Buch für jeden, der wissen will, wie eine Belagerung im Detail funktioniert und wie viele Fehler man dabei letztlich machen konnte, wenn man die Sache zu amateurhaft (wie die Amerikaner) oder mit zu wenig Ressourcen (wie die Briten) angeht, aber kein Cornwellscher Pageturner im klassischen Sinne.
Ich gebe trotzdem 5 Punkte, weil Cornwell hier ja auch mehr ein Geschichtsbuch als einen Roman abliefern will, und für einen militärgeschichtlichen Rapport ist es sehr lesenswert.