Neun Jahre sind schon eine verdammt lange Zeit. Und speziell in der doch recht kurzlebigen Musikbranche, kann eine neunjährige Funkstille schnell das Ende einer Band bedeuten. Insofern ist es eigentlich als kleines Wunder anzusehen, dass die Thrash Metal-Institution TESTAMENT - nach überstandener Krebserkrankung ihres Frontmanns Chuck Billy - überhaupt noch unter den Lebenden weilt. Einer der größten und wegweisendsten Bands der 80er Jahre, die - zumindest wenn man den doch reichlich überambitionierten Death Metal-Gehversuch "Demonic" mal ausklammert - nur Klassiker am Fließband produziert hat. Die Spannung war jedenfalls groß, ob TESTAMENT an alte Glanztaten wie "The Legacy" , "Practice what you preach" oder "Low" (mein spezieller Liebling!) würden anknüpfen können. Und was soll man sagen ? Die 11 Songs von "The formation of damnation" haben glücklicherweise nichts mit Metalcore, Emo, Nu Metal oder sonstigen Trendanbiedereien zu tun. TESTAMENT bieten auf ihrem neuen Langeisen einfach nur das, was man von ihnen gewohnt ist. Thrash with class...und zwar mit Schmackes !!!
Nachdem dem Hörer beim einleitenden Intrumental "For the glory of" schonmal die ersten Brutalo-Riffs um die Ohren gehauen werden, folgt dann mit dem anschließenden "More than meets the eye" der perfekte Einstieg. Eine galoppierende Granate in bester TESTAMENT-Tradition, die von einem umbarmherzig knüppelnden Drummer Paul Bostaph (Ex-SLAYER) nach vorne geputscht wird. Und spätestens wenn Sänger Chuck Billy das erste mal seine unverwechselbare Stimme erklingen lässt, kann man sich absolut sicher sein, dass TESTAMENT entgültig wieder zurück sind. Der Frontmann spuckt Gift und Galle wie eh und je...lässt die Boxen durch seine abgrundtief bösen Growls erzittern...und überzeugt dabei jedoch immer wieder durch feine Melody-Lines, die es im Bereich Thrash Metal heutzutage leider fast kaum noch zu hören gibt. So wie man es kennt, so wie man es liebt !!! Hochkarätige Speed-Banger wie "Afterlife" , "Henchmen ride" , "F.E.A.R" , "Killing season" , der unkaputtbare Nackenbrecher "The formation of damnation" sowie den beiden Album-Highlights "The persecuted won't forget" und "The evil has landed" klingen wahrhaftig so, als wäre die Zeit im Jahre 1999 stehengeblieben. Als wären die vergangenen neun Jahre wie im Fluge vergangen. Die beiden Gitarristen Alex Skolnick und Eric Peterson harmonieren an ihren Instrumenten nahezu perfekt, und müssen Vergleiche zu den göttlichen Altmeistern Hammet/Hetfield zu keiner Sekunde scheuen. Im Gegenteil, hier haben wir es mit einem der herausragendsten und begnadetsten Gitarren-Duos des gesamten Metal-Business zu tun. Neben messerscharfem Riffing und feinen Gitarrensoli sind es vor allem die geilen, kurz aufblitzenden Melodien, die jeden einzelnen Song zu einem Hörerlebnis machen. Denn genau diese musikalische Vielseitigkeit ist es, die TESTAMENT auch heutzutage noch vom Gros der Thrash-Masse abhebt, und gegen die "ach so tolle" Nachwuchsbands wie CATARACT oder DEW-SCENTED wie seelenlose, stumpfsinnige Krawallbrüder aussehen.
EXODUS und DEATH ANGEL haben es mit ihren ebenfalls bärenstarken Scheiben vorgemacht. Und TESTAMENT bringen es auf "The formation of damnation" zur Vollendung. "The formation of damnation" ist genau die Scheibe, auf die alle beinharten Fans gewartet haben. Die sooo lang herbeigesehnte Wiedergeburt einer Legende. Welcome back...welcome to the pit !!!