Es ist ziemlich genau fünf Jahre her, dass Aimee Mann bei der Oscar-Verleihung auftrat, um Ihren Song für Magnolia "Freak like me" vorzustellen. Damals erschienen ungefähr zeitgleich der Soundtrack des PT Anderson-Films und ihr selbst vertriebenes Werk „Bachelor No. 2 or the last remains of the dodo", ein rundum stimmiges Songwriteralbum voller wunderbarer Melodien, allen voran „Deathly" und „Cigarettes and Red Wine". Das vor zwei Jahren erschienene „Lost in Space" brauchte in meinen Ohren längeren Anlauf, begeisterte mich dann aber nicht minder als Bachelor, auch wenn das Soundspektrum eingegrenzter ist und in seiner fast beatlesken Art an den Sound von Manns Gatten Michael Penn (den Bruder von Sean) erinnert, was ja alles andere als ein Nachteil ist.
Trotzdem war meine Freude groß, als Aimee Manns Website schon vor Wochen die Möglichkeit bot, in vier Dreierportionen die zwölf Songs ihres neuen Albums zu hören, und ich feststellen durfte, dass „The Forgotten Arm" sowohl sound- als auch songwritingmäßig wieder eine Öffnung bedeutet: Was zuallererst auffällt, ist das Klavier, das nach dem eher gitarrenbetonten „Lost ..." in die tragende Rolle zurückgekehrt ist. Was nicht heißt, dass die Gitarre nun ein Schattendasein fristet; ganz im Gegenteil übernimmt sie vor allem in manchem Songfinale die Hauptrolle. Es ist das Miteinander von Tasten- und Saiteninstrumenten, das für die neuen Songs den genau richtigen Klangraum schafft. Auf diese Weise wird das Konzeptalbum nicht zum Korsett, zumal das Konzept ohnehin nur die Texte betrifft, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln eine zusammengehörende Story erzählen.
Wie stets bei Aimee Mann geht es vor allem um die Melodien. Sie gehen mitten ins Herz und transportieren trotz aller Traurigkeit der Texte so was wie Lebensfreude. Vor allem „Little Bombs", das für mich Aimee Manns schönstes Lied überhaupt ist, mit seinem Gitarrenrhythmus und den sanften Pianoakzenten vor einer Melodie, die sanft zu schweben scheint und ohne echten Refrain auskommt. Gefolgt werden die „kleinen Bomben" vom traurigsten Stück und einem weiteren der zahlreichen Höhepunkte des Albums: „That's how I knew this story would break my heart" - eine Ballade im Stil von „Deathly" und „Wise up" mit dem Klavier als quasi zweiter Stimme, wunderschönem Harmoniegesang und vorprogrammierten Hörertränen.
Obwohl das Album erst Anfang Mai erscheint, habe ich es dank der Website schon viele Male gehört, und ich kann es kaum erwarten, die CD in Händen zu halten, aber nur, um sie sofort meiner Hifi-Anlage zu überantworten.
Aimee-Mann-Fans werden mehr als voll auf ihre Kosten kommen, alle anderen sollten schnell welche werden ...