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Moviemans Kommentar zur DVD: Sehr solides Mastering im Bild, sauber angelegter Ton, sinnvolle Extras.
Bild: Die optische Komponente des Filmes setzt sich aus historischem Dokumaterial und den aktuell produzierten Interviewsequenzen zusammen. Das historische Material ist hierbei recht ordentlich bearbeitet worden (00.05.50), wobei besonders Fotos klar und detailscharf abgebildet werden. Die Interviews weisen eine recht solide Schärfe auf, die allerdings etwa Krawattenmuster nicht in vollständig konturiert abbilden (00.03.10).
Ton: Die Tonbearbeitung hat auch die Dokuszenen mit einer Geräuschkulisse ausgestattet. Diese wirkt zwar oft stark deplatziert, weil sie zu den alten Filmbildern künstlich klingt, aber objektiv ist sie klar und weiträumig angelegt (00.29.59, in einer Fabrik). Die Musik von Philip Glass ist sehr transparent gestaltet (00.05.30) und erfreut sich einer weiträumingen - auch die Rear-Kanäle stimmig involvierenden - Mischung.
Extras: Die entfallenen Szenen sind nicht minder spannend als die im Film belassenen und mit 38 Minuten Laufzeit vertiefen sie die Thematik des Filmes stimmig. --movieman.de
DVD & Video Report
Blickpunkt: Film
Anstelle der ursprünglich zugesagten 30 Minuten lieferte Robert S. McNamara der Dokumentarfilm-Ikone Errol Morris ('Eine kurze Geschichte der Zeit') ganze 20 Stunden Material, die es letzterem ermöglichten, seine philosophische Diskussion auf drei Hauptkonflikte des 20. Jahrhunderts auszudehnen - den Zweiten Weltkrieg, die Kubakrise und den Vietnamkrieg. 1961 berief Präsident John F. Kennedy den gerade sechs Wochen amtierenden Vorsitzenden der Ford-Werke ins Amt des Verteidigungsministers, woraufhin der Harvard-Absolvent aus bescheidenen Verhältnissen die folgenschwerste Entscheidung seines Lebens traf. Nach siebenjähriger Amtszeit galt McNamara als Hauptverantwortlicher für die Eskalation des Vietnam-Konflikts, was Morris zwar nicht revidiert, sondern mit auch überraschenden Stellungnahmen des 'Angeklagten' kommentiert: In '11 Lektionen aus dem Leben von Robert S. McNamara', allesamt Formulierungen aus dem Erfahrungsschatz des Politikers, mischt Morris teils neue und teils beeindruckend gut erhaltene Archivaufnahmen mit bis dahin unveröffentlichten O-Tönen aus dem Oval-Office und McNamaras lebhaften, geistesgegenwärtigen und offenherzigen Gedanken, mit denen er auch neue Erkenntnisse über von den USA begangene Kriegsverbrechen gibt oder über McNamaras später von Kennedys Nachfolger Lyndon B. Johnson abgelehnte Rückzugspläne aus Vietnam.
Ohne selbst Partei zu ergreifen, lässt Morris mit seinem noch vor dem Irakkrieg geführten Interview und der handwerklich brillanten Montage des umfangreichen Materials den 85-Jährigen ein Bild von sich selbst entwerfen: eines alten, stolzen Mannes, dessen Widersprüchlichkeit zwischen Selbstmitleid, Verdrängung und nachträglicher Wahrheitssuche nicht zu übersehen ist, der sich jedoch letztlich als loyaler Staatsdiener bestätigt, der seine persönliche Überzeugung jederzeit dem Amt unterordnete. Was aus dem hier geteilten Erfahrungsschatz zurückbleibt, ist Robert Strange McNamaras aus dem Vietnamkrieg gelernte Lektion, dass Amerika einen Krieg, für den die USA in Westeuropa keine Unterstützung finden, auf jeden Fall überdenken sollte. Doch Vernunft allein, so lässt Morris McNamara schließen, reiche nicht, um Ordnung in der Welt zu schaffen. cm.