Ich halte ja rein gar nichts von Lokalpatriotismus, doch die aus meiner Region stammende Andernacher Band Blind hat mich schon mit ihrem Debüt "Blind" echt erwischt, da es einfach gute, moderne Rockmusik ist. Leider erschien die Scheibe noch bei Virgin, die dann von der EMI geschluckt worden sind und so lief das Album meiner Meinung nach trotz irrem Potential nur "unter ferner liefen". Vielleicht hat sich die Band das auch gedacht und deshalb alles selbst in die Hand genommen, auch Booking nebst Management, ein Label gegründet und ein neues Werk mit dem trotzigen Titel "The Fire Remains" aufgenommen. Das einfache, aber effektive Flammencover, was an ein Schild erinnert, passt da perfekt. Perfekt tönt auch die satte Produktion für die man (wieder) Vincent Sorg engagierte, der das mit Gitarrist Fabian erledigte.
Im Vorfeld gab es Gerüchte, dass die Band endlich den Durchbruch schaffen wolle und mehr Mainstream-Rock machen wird. Durch den Beitrag zum Soundtrack des Teeniefilms "Gangs" und Umsetzung der Fremdkomposition "Half A Dream Away" (auch auf dem Album) mit entsprechendem Airplay und Videoeinsatz ist klar, dass solche Gerüchte aufkommen.
Nachdem der Opener "Don't Think So" noch echt rockt, wird es etwas soft. Mehrere Balladen, melancholische Songs und eine Popnummer wie "Time Is Running Out" sind schon etwas gewagt. Mit "Room Without A View" wird in der Mitte auch mal wieder Gas gegeben. Blind haben das Glück oder Talent gute Songs zu schreiben. Steve Joachim ist ein klasse Sänger, der nicht nur alle paar Wochen sein Outfit ändert, sondern auch einfach alles singen kann. Potential und internationales Flair haben alle Songs zu jeder Sekunde und retten diese Scheibe auch vor einem Verriss, da ich mir auch gerne mal eine poppige Alternative-Rock Scheibe rein pfeife - solange sie gut ist.
"The Fire Remains" ist jetzt schon meine "Lieblings-Schnullirock"-CD 2010!