Die 5. Staffel von "Akte X" stand ganz im Zeichen des bevorstehenden Kinofilms und kämpfte daher auch mit ganz spezifischen Problemen. Da in der vorangegangenen Sommerpause der Film gedreht wurde, während der 5. Staffel die Nachbearbeitung anstand und alle Beteiligten dann und wann Pausen brauchten, um sich von diesen Strapazen zu erholen, besitzt dieses Jahr eine ganz spezifische Aura, die nicht immer zum Vorteil der Serie war.
Am auffälligsten ist die reduzierte Zusammenarbeit von Mulder und Scully, immer wieder bearbeiten sie Fälle getrennt voneinander, um einem der Schauspieler eine Pause zu verschaffen. Dies führte aber auch dazu, daß einige Nebenfiguren ins Zentrum rücken konnten, vor allem die "Einsamen Schützen", die zu den Helden von "Die unüblichen Verdächtigen" erkoren wurden. Einige "Monster-der-Woche"-Folgen kommen ohne Scully aus, etwa die Rückblende-Episode "Gute Patrioten", die die Verschwörungs-Mythologie mit der Kommunistenverfolgung der 50er Jahre verbindet, während andere fast komplett auf Mulder verzichten wie "Ein Spiel" oder "Alle Seelen".
Eine zweite Besonderheit dieser Staffel war die Notwendigkeit, in dieser mit 20 Folgen verkürzten Staffel die Mythologie zu "entrümpeln", den Handlungsfaden zu straffen und zu vereinfachen, um dem Kinofilm den Boden zu bereiten. Dies resultierte in drei Doppelfolgen, der Fortsetzung von "Gethsemane" in "Redux", "Emily" und "Cassandra". Während die "Redux-Trilogie" den komplizierten Cliffhanger des Vorjahres inklusive Scullys Erkrankung auflösen mußte, widmete sich das eher trostlose und uninspirierte "Emily" dem Schicksal von Scullys künstlicher "erzeugter" Tochter und das faszinierende "Cassandra" einem neuen unheimlichen Feind. Zugleich wurde Mulders überschäumende Paranoia zum übergeordneten Handlungsfaden der Staffel, die sogar seinen Glauben an Außerirdische zu zerstören drohte.
Die Staffel fand zu einem eher halbgaren Abschluß in "Das Ende", der mit dem bald darauf veröffentlichen Kinofilm außer der Zerstörung der X-Akten nicht das geringste zu tun zu haben schien. Mit "Das Ende" verabschiedeten sich die Produzenten vom bisherigen Drehort Vancouver und die Crew zog daraufhin nach Los Angeles um. Somit erwies sich die 5. Staffel auch als Ende einer Ära.
In der 5. Staffel gab es auch Komödien wie "Böses Blut" und sogar eine Hommage an klassische Horrorfilme mit dem in schwarz-weiß gedrehten "Der große Mutato". Darüber hinaus waren mit "Das innere Auge" (mit der großartigen Lily Taylor), "Die Pine-Bluff-Variante" und "Folie à Deux" drei wahrlich beunruhigende Episoden zu bestaunen. Das ausgelastete Autorenteam um Chris Carter und Frank Spotnitz, Tim Minear, Vince Gilligan und John Shiban bekam hier prominente Unterstützung durch die Romanautoren William Gibson ("Kill Switch") und Stephen King ("Ein Spiel"). Insgesamt ist die 5. Staffel seltsam und uneben und wirkt durch die vielen Erzählexperimente und das mangelnde Zusammenspiel zwischen Mulder und Scully etwas unbefriedigend. Dennoch ist die hohe Qualität der Serie immer noch deutlich zu sehen und die einzelnen Folgen sind immer noch fantasiereich und spannend. Nur der "Emily"-Zweiteiler ist äußerst unangenehm und schadet der Serie eher als daß er ihr nützt.
Die DVD-Box präsentiert neben einer Dokumentation, Audiokommentaren, den üblichen Kommentaren zu den Spezialeffekten und Werbespots, sowie einigen geschnittenen Szenen auch die 45-Minuten-Dokumentation "Inside The X-Files". Seltsamerweise wurden leider die Vorspänne von "Redux (Teil 1)" und "Das Ende" mit den alternativen Mottos "All lies lead to the truth" und "The end" durch den Standardvorspann ersetzt, was zwar nicht weiter tragisch ist, aber vermeidbar gewesen wäre. Trotz kleinerer inhaltlicher Mängel überzeugt auch die 5. Staffel und macht diese Box für jeden Fan unverzichtbar.