Überrascht mich doch sehr, dass noch keiner was zu diesem Meisterwerk geschrieben hat, das muss sich ändern!
Von den Jungs weiß ich nicht viel mehr als das sie aus Upstate NY kommen, tatsächlich (fast) alle Brüder sind, und aussehen als wären sie geradewegs einem Jim Jarmusch Film entsprungen. Aber diese 15 Tracks sprechen eigentlich auch für sich.
Der erste Eindruck beim hören ist: der will doch wie der frühe Dylan klingen. Aber das verfliegt schnell. Zu eigenständig und unverwechselbar ist der schnodderig kratzende, aber doch herzerweichende Gesang von Ian Felice. Und seine Texte sind...ich sag sowas nicht so schnell...atemberaubend und fesselnd. Der Mann kann Geschichten erzählen wie nur sehr wenige, und er findet Reime, für die so mancher große Songwriter seine Oma verkaufen würde.
Der Rest der Musik ist genau wie der Gesang: ungehobelt, holperig, und wunderschön. Man hört, dass die Brüder von der Straßenmusik kommen. Refrains die sofort kleben bleiben, und die man einfach nicht mehr los wird. Es gibt wirklich keine unter den 15 Nummern, die sie sich hätten sparen können.
Höhepunkte sind aber sicherlich die erste Single "Frankie's Gun", "Greatest Show On Earth" mit schrägem Bar-Piano und starken Bläsern,
und die sehr, sehr traurigen "Saint Stephen's End" und "Ruby Mae". Mit Abstand am öftesten höre ich "Tip Your Way", das Beste am Schluss. Wahnsinns-Text, Wahnsinns-Nummer.
Wenn man die Felice Brothers hat, kann man auf Leute wie Ryan Adams, und was sich noch so als "New Folk" oder "Alternative Country" bezeichnet, getrost verzichten. Keiner von denen kann es so sehr mit Dylan oder "The Band" aufnehmen wie diese Jungs. Mein Album des Jahres...