"The fatal shore" behandelt auf 600 dichtbedruckten Seiten die Geschichte der Sträflingstransporte nach Australien, von ihrem Beginn 1787, bis zur endgültigen Abschaffung des Systems 1868.
Nicht nur aufgrund des Umfanges, sondern auch wegen des nicht übermäßig erfreulichen Inhaltes keine leichte Kost. Und dennoch ein sehr gutes, informatives und fesselndes Buch, mit keiner einzigen überflüssigen Seite.
Hilfreich ist auch, daß das Buch mit Fußnoten und detaillierten Quellenangaben zwar wissenschaftlich geschrieben ist, der Autor gleichzeitig aber eine sehr natürliche Sprache benützt, gespickt mit Anklängen von subtilem, bissigem Humor. (So habe ich hier zB Begriffe wie "vegetable contraception" oder "philoprogenitive" kennengelernt.)
Nicht, daß es an "the fatal shore" viel zu lachen gab.
Dennoch räumt Hughes mit einigen der gängigen Vorurteile auf. War das Leben für alle Sträflinge die Hölle? Gab es mehr "Richard Morgans", oder mehr "Rufus Dawes'"? Waren die Sträflinge tatsächlich alles arme Verzweifelte und Freiheitskämpfer, oder nicht doch auch ein paar "echte" Verbrecher? Wer waren sie? Wie kam es überhaupt zur "Zwangsbesiedelung"? Was hatte es mit den tatsächlich höllischen Strafkolonien auf Van Diemen's Land und Norfolk Island auf sich? Was war mit den Aboroginies?
Das nur eine Auswahl der Fragen, die Hughes aufwirft und beantwortet.
Er wendet dabei auch eine sehr kluge Methode an um den Leser zu fesseln, indem er der namenlosen Masse Name, Schicksal und Stimme durch Einbindung vieler Primärquellen wie Briefe oder Memoiren gibt. Das funktioniert wunderbar, denn ich habe in diesem Buch über sehr viele Menschen gelesen, deren weiteres Schicksal ich gerne erfahren hätte. Oder vielleicht auch besser nicht. Denn diese Menschen haben tatsächlich gelebt - und gelitten.
Ein großartiges Buch.