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Der Philosoph Francis Bacon (1561-1626) erteilt in seinen Essays praktische und moralische Ratschläge in allen Lebensbereichen. Dazu sollte man wissen, dass Bacon der Ratgeber und außerordentliche Rechtsbeistand Elisabeths I von England war.

Während ihrer fast 45 jährigen Herrschaft wurden die Grundlagen gelegt für den Aufstieg Englands zur Weltmacht.

Das elisabethanische Zeitalter gilt als der Inbegriff für eine Periode kluger Politik, die alle Gebiete des Lebens umfasste.
Mit ihrer Herrschaft ist aber auch die kulturelle Blüte Englands verbunden, die zum Beispiel im Bereich der Literatur in erster Linie von William Shakespeare repräsentiert wurde.

Lange glaubte man, dass Bacon und der große Dichter ein und die selbe Person seien. Die 1885 gegründete Bacon-Gesellschaft vertritt die These noch heute. Der Essayist ließ sich bei seinen vorliegenden Texten von Plutarch und Montaigne anregen. Auf diese beiden Herren nimmt er immer wieder Bezug.

Der erfahrene Ratgeber der Queen weist darauf hin, wie man sich in Verhandlungen verhalten möge. Bacon rät Dinge stets gut vorzubereiten und sie allmählich reifen zu lassen. Dabei könne man durchaus zu Mitteln greifen, die man heute mit dem Wort Manipulation umschreiben würde.

Bacon zeigt sich in diesem Essay bemerkenswert zweckorientiert, eben so wie sich Elisabeths Politik auch darstellte.
Obgleich seine praktischen Ratschläge immer erfolgsausgerichtet sind, bezieht er allerdings stets auch ethische Überlegungen in sein Denken mit ein. Insofern sind ihm keineswegs alle Mittel heilig.

Bacon schreibt u.a. über Kolonien und lässt nicht unerwähnt, dass es schändlich und beschämend sei, wenn der Abschaum der Gesellschaft zur Gründung von Kolonien herangezogen werde. Damit übt er Kritik am diesbezüglich faktischen Handeln seiner Zeit.

Kritisch ist er auch gegenüber all zu großer Sparsamkeit,(die man Elisabeth bekanntermaßen nachsagte). Bacon findet, dass die Menschen hierdurch von Großzügigkeit und Edelmut abgehalten werden. Diese Eigenschaften gelten für ihn jedoch als erstrebenswert.

Im gleichen Essay gibt er zu bedenken, dass großer Reichtum mehr Menschen zu Sklaven gemacht als befreit habe und man sich diese Tatsache stets vor Augen führen solle, insbesondere wenn pekuniärer Reichtum das angestrebte Lebensziel eines Menschen sei.

Über Rache, das Unglück, die Verstellung und die Heuchelei reflektiert Bacon und hält fest, dass es drei Stufen gibt, wie einer sein eigentliches Wesen verbergen und verhüllen kann: diese sind Verschlossenheit, Zurückhaltung und Verschwiegenheit, - gemeint ist sich keine Blößen zu geben, die demonstrieren, wie man wirklich ist -. Gleichwohl auch Verstellung in negativer Form: Hier wird so getan, als sei man nicht der, für den man gehalten werde. Last not least die Heuchelei in positiver Form, bei der man vorgibt das zu sein, was man nicht ist.

Heuchelei hält Bacon für ein Laster, das entweder natürlicher Falschheit und Feigheit oder einem Gemüt, das mit Grundfehlern behaftet sei, entspringe.

In der Folge wägt Bacon ab, ob es Sinn macht das "vornehmste Werkzeug" zum Handeln zu rauben, nämlich nach Treu und Glauben zu agieren und kommt zu dem Ergebnis, dass es Sinn mache im Ruf der Offenheit zu stehen, Verschwiegenheit zu üben, jedoch sich mit Maßen verstellen und heucheln zu können, falls nichts anderes übrig bleibt. Bei diesem Satz haben gewiss die Erfahrungen Bacons am Hofe der zwar hochintelligenten aber wetterwendischen Elisabeth Pate gestanden.

Bacons thematische Bandbreite innerhalb seiner Essays ist riesig. So reflektiert er beispielsweise die wahre Größe der Königreiche und Staaten, denkt über Adel und die Untugenden der Machthaber nach, welche hauptsächlich im Verzug, in der Bestechlichkeit, in der Barschheit und der Nachgiebigkeit liegen .

Er schenkt den Begriffen Güte und Gutmütigkeit Beachtung und überlegt, wie man Aufstände und Unruhen verhindern kann. Bacon hatte den aufständischen, vormaligen Favouriten der Königin Lord Essex zum Tode verurteilt und berichtet auch hier gewissermaßen aus seinem Erfahrungsschatz.

In punkto Glauben stellt er fest, dass oberflächliches Philosophieren den Menschen zur Gottesleugnung bringe, hingegen tiefes Philosophieren zur Religion zurückführe. Diesen Gedanken begründet er ausführlich.

Über Freundschaft und Liebe denkt der Philosoph ebenfalls nach und bezieht sich dabei zunächst auf Plutarch, den er mit den Worten zitiert, dass es unmöglich sei zu lieben und weise zu sein.

Nur freundschaftliche Liebe veredelt nach Bacons Ansicht den Menschen, während wollüstige Liebe diesen vergiften und erniedrigen würden.

Dieser Satz dürfte der "jungfräulichen Königin" besonders gefallen haben, obschon man sich bis heute über ihre tatsächliche Beziehung zu Robert Dudley nicht einigen kann.

Ein hochinteressanter Text, den man inhaltlich aus seiner Zeit bewerten und in dem Elisabeth I. immer mitbedacht werden sollte. Sie nämlich spiegelt durch ihr Gesamtverhalten in Vielem Bacons Zeilen.

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am 5. August 2014
Etwas altbackenes English aber sonst ein Spiegel der Lebenszeit von Francis Bacon Sehr gut und Empfehlenswert für England Interessierte und Essays Interessierte
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