Die meisten Sirenia-Anhänger trauern den ersten beiden Platten nach, ich wiederum konnte erst mit "Nine Destinies..." richtig Gefallen an der Band finden. "The 13th Floor" war schon ein bischen schwächer, aber trotzdem noch gut. Also zähle ich durchaus zu den Hörern, die erst "mit" dem Stilwechsel zu der Band gefunden haben. Deshalb ist es mir unerklärlich, wie hier ein paar Leute diese Platte in den höchsten Himmel loben! Da kann ich der Bemerkung "Schönrederei" in einen Kommentar nur zustimmen, denn die Verschleißerscheinungen sind schon beachtlich. Aber ich werde die Songs mal im einzelnen bewerten:
Während "The End Of It All" noch ganz gut rüberkommt, und mit starken Riffs und guten Gesangslinien von Ailyn überzeugen kann, fallen die extrem schmalzigen Songs "Fallen Angel" und "All My Dreams" schon deutlich ab, was aber auch an dem ausgelutschten "Barbie-Refrain" liegt, der unverschämterweise bei beiden Songs "völlig" identisch ist
(7/3/3).
"This Darkness" wäre vom Songaufbau her wieder halbwegs ok, das sirenenartige und hochtönerschädigende Geheul der Sängerin beim Refrain ist aber dermaßen nervig, dass man den Song gerne überspringt (2)!
Das schleppende "The Twilight In Your Eyes" ist eigentlich gut, tja, zumindest bis man wieder den "gleichen" Refrain" wie bei Song 2 und 3 hört, kann ja wohl nicht sein, oder (6)?
Das halbballadeske "Winter Land" ist "ganz nett", mehr aber auch nicht, zumal einem der Refrain wieder einmal verdächtig bekannt vorkommt. Schön ist aber der Chor- und Solopart gegen Ende des Stückes (5).
Das etwas verschachtelte Riffing von "A Seaside Serenade" vermag zu gefallen, wie auch der angenehme Chor-Mittelpart, bevor dann deplazierte Grunts den Song wieder ins Mittelmaß reissen, trotzdem einer der wenigen besseren Songs der CD (6).
"Darkened Days To Come" ist trotz des guten Einfalls, zu Beginn eine cleane Männergesangslinie einzubauen, ein absoluter Reinfall, denn der Song ist zunächst eher einschläfernd, bis einen das Gequieke von Ailyn beim Refrain wieder aus den Träumen reisst (2).
Wer bis jetzt gut aufgepasst hat, weiss was kommt: "Coming Down" = Gutes Riffing, aber bekannte Melodyline - der gleiche Refrain wie bei den meisten anderen Songs - Chorpart - Solo - Ende (3).
"Lonely Lake" ist dann die Adaption von "Darkened Days...", nur ohne Männergesang am Anfang, zur Abwechslung mal "kein" Chor, ansonsten alles wie gehabt, langweilig (2).
Überzeugend ist aber "Fading Star", welches recht gut aufgebaut ist, und auch vom Rhythmus her hervorsticht. Ein Lichtblick, auch wenn man die Grunts hätte weglassen können, gut (8).
Das Titelstück wäre eigentlich eine ganz gute Ballade, wenn die Sängerin nicht den Trend fortsetzen würde, bei den Refrains hauptsächlich auf "zahnschmerzerzeugende" Höhen zu setzen, aua(5)!
Warum als Bonus ausgerechnet das nervige "This Darkness", in spanischer Sprache "gesungen" (2), gewählt wurde, wird genauso ein Rätsel bleiben, wie den ohnehin schon balladesken Titelsong nochmal als "Akustikversion" aufzunehmen, deshalb auch weniger Punkte (3)!
Was bleibt, ist eine über weite Strecken enttäuschende Goth-Rock-Scheibe, denn die von einem anderen Rezensenten angesprochenen "wunderschönen Melodien" ähneln sich doch arg, die Refrains sind bei etwa der Hälfte der Songs fast identisch, und die beiden Bonussongs hätte man sich getrost sparen können!
Die Sängerin scheint aber für den größten Diskussionsstoff zu sorgen, deshalb gebe auch ich meine Meinung dazu ab:
Im Gegensatz zu den anderen Negativbewertern, finde ich nicht, dass Ailyn eine zu schwache Stimme hat (auf der letzten Scheibe kam sie ja auch noch kräftiger), sie bewegt sich aber viel zu oft in den extrem hohen Lagen (wo sie im Vergleich mit Sängerinnen wie Tarja, Simone Simons oder Floor Jansen natürlich ziemlich alt aussieht), was dann eben eher "Gequieke" näherkommt als Gesang!
Schade, aber das ist eine Scheibe, die man nach dem dritten oder vierten Durchgang gerne ins Regal stellt (das die Platte erst bei mehrmaligen Hören zündet, kann mir keiner erzählen), mehr als zwei Sterne sind da wirklich nicht drin!