Ein typischer Wim Wenders, möchte man fast sagen. Aber vielleicht sollte man besser sagen: ein typischer unterdurschnittlicher Wim Wenders.
Nun ist Wenders wohl der klassische, vielleicht auch der letzte aktive deutsche Autorenfilmer. Geprägt von den 70er Jahren, vom neuen Kino, vom Anspruch her deutsche/europäische Intellektualität mit amerikanischer Film-Ästhetik verbindend.
Manchmal gelingt ihm das ausserordentlich überzeugend, wobei er mal die amerikanische Erzählweise betont (Paris, Texas), mal die deutsche (Himmel über Berlin).
Ehrlich gesagt war mir die amerikanische immer lieber gewesen.
Manchmal misslingt es ihm aber auch. So zum Beispiel in 'Lisbon Story' - ein mit Bildern und Tönen (und einer filmischen Reflexion über Bilder und Töne) brilliant konstruierter Film, der aber erzählerisch auf einen ziemlich dünnen Unterbau beruht.
'Am Ende der Gewalt' ist ähnlich, nur wieder in die amerikanische Richtung. Auch hier ein anspruchsvolle Reflexion über Gewalt, Film, Amerika, die Post-Moderne - zuweilen sehr schön und interessant anzuschauen, voller visueller Hinweise, über die man länger nachdenken kann (z.B. das Verhältnis von Mensch und Raum in Californien: Max und seine Frau besitzen anfangs ihre Villa mit Pool am Meer, viel präsenter und gleichzeitig latent bedrohlich sind aber die vielen mexikanischen Gärtner und Hausangestellten; später schleicht der 'mexikanisierte' Max selbst von hinten in seinen Garten, wird zum Eindringling, zum 'Mexikaner').
'Das Ende der Gewalt' leidet aber einerseits an einer nur halbherzigen Story, die einen etwas verwirrt (was okay ist), aber auch bald langweilt (was gar nicht okay ist). Andererseits fehlt Wenders oft die Kraft, das Thema des Films wirklich anzupacken. So verwundert es, einen Film über Mediengewalt zu sehen, der aber das Thema Gewalt in Realität und Film fast ausblendet. So ist der 'Unfall' zu Beginn am Set einfach zu harmlos und unglaubwürdig. Man glaubt kaum, das Max ein Produzent harter Action-Streifen sein soll. Auch der schwarze 'Gangsta-Rapper' kommt eher wie ein entspannter Rastafari rüber.
Manchmal wünscht man Wenders, in solchen Filmen mehr Mut zu haben, vielleicht ein wenig vom Wim zum David zu werden - denn David Lynch hätte das Thema vielleicht ebenso ästhetisch aber überzeugender angepackt.
PS: Ausstattung der DVD ist mager, aber in den Basics okay.