Jeffrey D. Sachs ist unter anderem "Special Adviser" des UN-Generalsekretärs Kofi, weil er - als einer von ganz wenigen Ökonomen - neue Ideen in die alte Debatte um die Abschaffung weltweiter Armut bringt. Sein Ziel: Mindestens die Hälfte aller bitterarmen Menschen (höchstens 1 Dollar Tagesverdienst) in Afrika, Indien oder Südamerika bis 2015 wenigstens einen kleinen Schritt weiter zu bringen - so weit, dass sie sich selbst ernähren und ihre Kinder in die Schule schicken können. In "The End of Poverty" geht es aber um viel mehr als um die altbekannte Forderung, dass die Superreichen mehr für die Superarmen tun müssen. Jeffrey D. Sachs erklärt zum ersten Mal wirklich einleuchtend, warum so viele nicht aus der Armutsfalle herauskommen - nicht weil sie dümmer sind, nur an Sex denken und deshalb AIDS-krank werden, zu viele Kinder bekommen, zu faul zum Arbeiten sind. Auch die Korruption ihrer Herrscher ist nicht allein an ihrer Not schuld. Sie haben einfach das Pech, in Ländern zu leben, die zu weit weg von den wirtschaftlichen Zentren der Welt liegen - im Innersten Afrikas oder Südamerikas, ohne Straßen zu den Häfen, mit ausgelaugten Böden, schlechtem Klima (unzuverlässige Regenfälle) und Krankheiten, die in ihrer gefährlichsten Form nur bei ihnen auftreten. Maleria zum Beispiel, deren Überträgermücken in Afrika weit bessere Bedingungen vorfinden als sonst irgendwo.
Das Spannende an "The End of Poverty": Sachs liefert einleuchtende Begründung für das weltweite Elend, die man so noch nirgendwo gelesen hat. Er spricht von der ungeheuren Energie, die die Armen ins Überleben stecken müssen, statt damit etwas aufzubauen. Er erklärt, warum die Geographie eines Landes Ursache für die Armut seiner Bewohner sein kann und weshalb Schulbildung für Mädchen, die Zahl der Kinder senkt. Innerhalb kürzester Zeit.
Wer wirklich wissen will, warum AIDS und Malaria in Afrika gefährlicher sind als anderswo, wieso Armut nichts mit Faulheit zu tun hat und wie leicht die reichen Staaten den Armen helfen könnten, der findet in "The End of Poverty" neue Antworten - erzählt an Hand von ganz konkreten Beispielen, denn Jeffrey D. Sachs hat Bolivien aus seiner Finanzkrise geholfen. Er war dabei, als Polen sich von einer kommunistischen Plan- auf Marktwirtschaft umstellte. Er beriet den indischen Premierminister, arbeitet eng mit chinesischen Ökonomen zusammen und hilft afrikanischen Staaten bei der Bekämpfung von Krankheiten, der Verbesserung landwirtschaftlicher Anbaumethoden, beim ersten Schritt aus der Armut (mit Hilfe westlicher Sponsoren) zur Eigeninitiative.
Ein Buch für Optimisten? Auch das, aber mehr noch intelligente - und sehr gut geschriebene! - Information für alle, die nicht nur Stammtischthesen weitergeben, sondern wirklich Bescheid wissen wollen.