Auf dem Cover ist er eigentlich kaum zu erkennen. Eine coole Haarsträhne hängt dem Eagle übers Gesicht, und auch sein Blick verrät eigentlich nichts besonders Gutes, ganz so, als wolle er ganz provokativ sagen: "Nah, was wollt ihr denn eigentlich?" - The End Of The Innocence - heißt das dritte Solo-Album, das 1989, also fünf Jahre nach dem erfolgreichen - Building The Perferct Beast - erschien, und zehn musikalisch sehr abwechslungsreiche, aber teilweise textlich sehr nachdenkliche Titel miteinander vereint.
Als ich das Album zum ersten Mal in meinen CD-Player legte, musste ich gleich darauf verwundert stutzen, weil sich die Musik, die gerade aus meinen Boxen ertönte ganz und gar nicht anhörte, wie die Musik von Don Henley, sondern sie aufgrund des Pianos und der Spielweise eigentlich unverkennbar nach Bruce Hornsby klang. So nahm ich die CD nach 20 Sekunden wieder heraus, um nachzuschauen, ob sich mein erster Verdacht bestätigte, nämlich, dass die Plattenindustrie vielleicht versehentlich eine Bruce Hornsby-CD, anstatt einer Don-Henley-CD verpackt hätte. Doch interessanter Weise stand auch auf der CD groß und deutlich - Don Henley - The End Of The Innocence.
So legte ich die CD wieder in meinen Player und drückte erneut die Starttaste, und nach fast 30 Sekunden erklang zu der völlig aus der Reihe tanzenden Musik Don Henleys unverkennbar rauchige Stimme. Erst jetzt öffnete ich das Inlay und konnte gleich darauf überrascht feststellen, dass mein Verdacht gar nicht so unbegründet war, denn auf dem Titel - The End Of The Innocence - spielte tatsächlich kein anderer als Bruce Hornsby Klavier.
Nach diesem sehr nachdenklichen Lied, folgen dann drei rockigere Stücke, bei denen Don Henleys Stimme unglaublich gut zur Geltung kommt. Vor allem auf dem Lied - The Last Worthless Evening - hat man das Gefühl als würden zwei Sänger abwechselnd singen, weil der Eagle hier sehr angenehm mit seiner Stimme spielt, bzw. hin- und herexperimentiert.
Danach wechselt Henley allerdings von Stück zu Stück die musikalische Richtung. So bietet er uns auf dem bekanntesten Song des Albums - New York Minute - wieder diese große anfängliche Nachdenklichkeit, während er uns auf - Shangri-La - mit einem coolen und genialen Song verwöhnt, der nicht nur seinem Namen gerecht wird, sondern bei dem es rockt und groovet, dass es eine wahre Freude ist zuzuhören. Auf - Little Tin God - spielt Don Henley dann das erste Mal Raggae, was für den einen oder anderen Fan vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig sein dürfte, bevor er auf dem Titel - Gimme All You Get - mit exzellenter "Achtziger-Mukke" vom Allerfeinsten die Fetzen fliegen lässt.
Beendet wird das Ende der Unschuld mit dem Song - The Heart Of The Matter - ein Titel, der von seinem Stil her unverkennbar an die große Zeit der Eagles erinnert. The End Of The Innocence - ist ein durch und durch sehr gutes und gelungenes Album, das sowohl die bekannten Sounds der Siebziger und Achtziger miteinander vereint, aber auch unerwartete Überraschungen liefert. "This ain't no Shangri-La!"