Sam Harris hat ein sehr bemerkenswertes Buch über die Probleme geschrieben, die Religion über die Menschheit gebracht hat: dabei geht er weit über die Kritik hinaus und zeigt auf, welche Alternativen für den Rationalisten bestehen, um die immer wieder vorgebrachten 'Vorteile' bzw. 'Gründe' für Religion weitaus positiver zu realisieren.
Er beginnt mit den augenscheinlichsten Fehlern und Gefahren der Religion: dem widersinnigen Bestehen auf völlig unfundierten (und unfundierbaren!) Aussagen; der inhärenten Feindseligkeit gegenüber allen, die an diesen Aussagen zweifeln; bis hin zu den unzähligen Schrecken von Krieg, Verfolgung und allgemeinem Elend, die aus der Religion direkt entstanden. Und er benennt kompromisslos die Unsinnigkeit in der Unterscheidung zwischen radikalen und gemäßigten Religionsanhängern. Dabei streicht er den Islam als das aktuell drängenste Problem heraus, stellt jedoch klar, dass aus prinzipieller Sicht andere Religionen, insbesondere Christentum und Judentum, hier in keinster Weise weniger problematisch sind.
Nachdem die offensichtlichen Gefahren benannt wurden, wendet sich Harris den angeblich positiven Seiten der Religiosität zu. Er zeigt auf, dass sowohl Ethik, als auch Spiritualität, die immer wieder von Religionsanhänger als jenseit rationaler Einsicht stehend erklärt werden, und in die Einsicht zu erlangen deshalb nur Religion gewähren kann, sehr wohl einen rein rationalen Ansatz erlauben. Ja, auch hier gilt, dass der rationale Ansatz weitaus vielversprechender und fruchtbarer ist, während religiös-dogmatischer Glauben letzt endlich zu einem unüberwindlichen Hindernis wird, beim Versuch, neue Erkenntnisse auf diesen Gebieten zu erlangen, die über den Stand von vor 2000 Jahren, als etwa die westlichen 'heiligen' Bücher geschrieben wurden, hinausgehen. Womit auch für eine dem 21. Jahrhundert angemessen Ethik und Spiritualität die Religion sich als Fessel erweist.
Zu Anfangs etwas irritierend ist das im letzten Kapitel (zur Spiritualität) angestimmte Hohelied auf östliche Lehren. Hier jedoch muss man genau lesen, da er diese lediglich in soweit hochhält, als sie von religiösen Dogmen freie Ansätze zur Erkundung der Verhältnisse von Subjekt und Objekt, vom 'Selbst' bzw. 'Ich' und Bewußsein darstellen.