Ich habe Mudvayne zum ersten Mal live als Support für Slipknot als ein paar herumtollende Hampelmänner ohne klares Konzept kennengelernt und war der festen Überzeugung, die würden es nie zu etwas bringen. Doch siehe da, ausgiebiges Touren, größere Hallen, ein eiserner Willen zum Erfolg sowie die richtige Portion Lernfähigkeit haben die Band doch recht schnell in der Szene etabliert. Das Debut "L.D. 50" ist auch bei uns in Deutschland ganz gut aufgenommen worden, die Resonanz in den Staaten war allerdings wesentlich größer.
Mit dem Nachfolger "The End of All Things to Come" dürfte sich das aber ganz schnell ändern. Nun sagt man ja immer, daß das zweite Album immer das schwerste ist, da man gewisse Erwartungen zu erfüllen hat, wie groß diese auch sein mögen. Im diesem Fall haben Mudvayne allerdings (fast) alles richtig gemacht. Schon das Artwork und die neuen Pseudonyme zeigen: hier haben wir es mit einer komplett anderen Band zu tun als vorher. Die Produktion ist ein ganzes Stück grooviger ausgefallen als der Vorgänger und auch das Songwriting erscheint nicht mehr so steril, unnahbar und voller Klischees wie auf dem Erstling. Man könnte sagen, Mudvayne sind erwachsen geworden. Die Kompositionen klingen so ausgereift und eingängig als würde die Band bereits ihr 10. Routinealbum auf den Markt werfen. Besonders gefällig wirkt dabei die Ausweitung cleaner Gesangsparts, die der notwendigen Härte allerdings keinen Abbruch tun, sondern lediglich den Melodiefaktor in die Höhe schrauben.
Nachdem auch die Texte in ein und dieselbe Richtung weisen, kann man durchaus von einem ausgereiften Gesamtkunstwerk, ja fast von einem Konzeptalbum sprechen. Nicht das hier aber der falsche Eindruck entsteht: man erkennt immer noch sofort die typischen Mudvayne'schen Versatzstücke. Für die gibt es 2 Sterne, die anderen 2 für die grandiose musikalische Weiterentwicklung. Der letzte Stern bleibt ihnen allerdings versagt, da man das Problem des Vorgängers (noch) nicht in den Griff bekommen hat. Bei einem Album dieser Länge vermisse ich doch ein wenig die Abwechslung. Auch wenn ich mich scheue, dieses Wort zu benutzen, muß ich der Platte einen kleinen "Durchhänger" bescheinigen, da die Band ihr neues Pulver bis zur Mitte der Trackliste eigentlich schon verschossen hat.
Die aufsehenerregende Innovation dieses Machwerkes liegt eindeutig in der ersten Hälfte, mein persönlicher Anspieltip ist "Not Falling". Ich persönlich hätte mir deshalb ein kürzeres Album gewünscht, dann hätte die Band auch noch den 5. Stern verdient gehabt. Auf der anderen Seite bekommt der Mudvayne-Fan hier natürlich auch viel geboten für seine harten Euro. Im Bereich Nü Metal sind Mudvayne aber trotz allem absolut vorne mit dabei. Empfehlenswert!