Die Rezension wurde am 22.11.2011, am 1.12.2011 und am 7.12.2011 jeweils noch um ein Update ergänzt.
Wow'
Wer ein Fazit zu diesem Spiel braucht, der hat es. Für alle, die ein paar weitere Details erfahren möchten, gehe ich aber mal etwas ins Detail.
Mittlerweile befinde ich mich seit drei Tagen in Skyrim, bin auf Stufe 30 aufgestiegen und habe trotzdem noch nicht einmal annähernd alles in der Welt gesehen. Im Gegenteil. Ich habe das Gefühl, dass ich erst an der Oberfläche gekratzt habe. Es ist einfach unglaublich, was die Entwickler mit Skyrim vollbracht haben.
Die Welt:
Ein großes, frei begehbares RPG wie Skyrim steht und fällt mit der Welt, die es dem Spieler bietet. Wer Morrowind und Oblivion gespielt hat, der wird sich in Skyrim direkt heimisch fühlen. Die idyllische Natur des nördlichen Teils Tamriels ist atemberaubend. Nebelverhangene Berggipfel, Schneewehen, Nadelbäume, Serpentinen, von Flüssen durchzogene Ebenen und verschiedenste Städte und Dörfer. Skyrim dürfte für jeden Freund von mittelalterlicher Fantasy etwas zu bieten haben. Die Welt wirkt hierbei extrem stimmig. Vorwiegend sind die Kaiserlichen und die Nordmänner in Skyrim vertreten. Exotische Rassen wie die Khajit, Argonier oder auch Rothwardone (da alle von anderen Kontinenten stammen) sind in Skyrim auch eher selten anzutreffen, was die Welt glaubwürdiger macht.
So ist bei einem Drachenangriff etwa eine Dorfbewohnerin umgekommen (kein Spoiler, sondern ein Random Kill) und als ich mit ihrem Mann gesprochen habe, ließ der sich entschuldigen und zog sich zurück. Erst 24 Stunden später stand er wieder als Schmied zur Verfügung. An anderer Stelle ziehe ich mit jemandem durch die Familiengruft, um einen Totenbeschwörer zur Strecke zu bringen. Ich knacke eine Truhe und nehme den Inhalt an mich, was der Begleiter mit 'Hey, das ist Familienbesitz. Aber gut' Ihr helft mir XXX zur Strecke zu bringen und dürft euch dafür bedienen.' kommentiert.
Kurzum: Die Welt reagiert auf alles was man tut. Schade finde ich, dass die Sprecher der deutschen Sprachausgabe zwar einen super Job machen, aber zu wenige ausgewählt wurden. Wenn der zehnte Charakter jemanden mit derselben Stimme anspricht, dann fragt man sich, ob da nicht mehr drin gewesen wäre.
Grafik:
Die Grafik ist überraschend gut. Auf der sechs Jahre alten Xbox360 hatte ich eigentlich nicht mehr viel erwartet, aber sie ist wunderschön. Vor allem wenn man in Bewegung bleibt, ist alles extrem schön. Hält man dagegen an und schaut sich die Texturen im Detail an, dann sieht man wie matschig das ganze eigentlich ist. Hierzu gibt es jedoch eine Diskussion, da dies wohl (noch) hervorgerufen wird, wenn man das Spiel auf der Festplatte installiert. Ansonsten sollen die Texturen eine ganze Ecke schärfer sein. Doch auch so sieht es fantastisch aus.
Ich spiele Skyrim allerdings nicht wegen der Grafik, sondern wegen des Spielgefühls. Darum sehe ich über die teils matschigen Texturen hinweg. Ein großes Kompliment muss man auch für die Designer der weiblichen Figuren machen. In Oblivion fand ich, dass auch die weiblichen Figuren sehr maskulin und robust wirkten. In Skyrim sehen die Frauen dagegen wirklich weiblich und hübsch aus. Da macht das Heiraten doch gleich viel mehr Spaß. Die Figurenmodelle sind übrigens auch geschlechterübergreifend sehr gut gelungen.
Der Sound:
Toller Soundtrack (obwohl er stark an Oblivion erinnert), gute Vertonung (trotz der wenigen Sprecher) und gute Soundeffekte. Es gibt tausende kleiner Geräusche, die sich zu einer lebensnahen Kulisse zusammensetzen. Leider kommen (gerade bei einem Surround Sound System) ein paar Töne seltsam rüber. Etwa klingt ein Hase beim laufen fast genauso schwerfällig wie ein Hirsch oder eine Ziege, was regelmäßig zu panischem Umschauen veranlasst. Insgesamt ist der Sound trotzdem sehr rund. Vor allem die epischen Stücke des Soundtracks können sich hören lassen.
Der Charakter:
Der eigene Charakter kann (wie man es von den Vorgängern kennt) aus einer Rasse ausgewählt und dann über Talente individuell spezialisiert werden. Der Krieger setzt verstärkt auf Nahkampfwaffen und schwere Rüstungen. Der Magier kann verschiedene Magieschulen erlernen (Zerstörung, Wiederherstellung, Veränderung usw.) und über Alchemie stärkende Zaubertränke brauen. Der Dieb meuchelt aus dem Hinterhalt, setzt auf leichte Rüstungen, Bögen und Dolche. Prinzipiell kann natürlich jede Klasse auch alle anderen Talente hochleveln und spezialisieren. Vorgefertigte Klassen gibt es nicht. Nur die Rasse gibt einen Bonus auf bestimmte Fertigkeiten. Aber es macht Sinn, sich auf einen Weg zu spezialisieren, da über sogenannte 'Wächtersteine' die entsprechenden Fertigkeiten schneller aufgelevelt werden können.
Die Schwierigkeitsgrade:
Man kann jederzeit den Schwierigkeitsgrad wählen. Zur Auswahl stehen von Novize über Adept bis Meister insgesamt fünf Abstufungen. Ich spiele auf Meister und sehe mittlerweile, da ich auf Stufe 30 bin, langsam etwas Land beim Kämpfen. Oder anders ausgedrückt: In Skyrim kämpft man permanent ums Überleben. Die Gegner leveln nicht mit dem Charakter gemeinsam, sondern sind entweder zu leicht, zu schwer oder genau richtig. So kann es auch schon einmal vorkommen, dass man mit Stufe 5 plötzlich einem Bären gegenübersteht, das Schild hebt, sich auf einen harten Kampf einstellt und nach dem ersten geblockten Angriff tot ist. Das führt dazu, dass man Gegner locken muss, die Deckung nicht vernachlässigen darf und manchmal auch die Beine in die Hand nehmen muss. Im Nahkampf gibt es dabei nicht mehr die taktischen Angriffsvariationen aus Oblivion, sondern nur noch Blocken, Angriff, Gegenangriff (und entsprechende Verstärkungen). Dabei fühlen sich die Kämpfe aber auch realistischer an, weil der kleinste Fehler bestraft werden kann.
Ein Beispiel hierzu: Ich streife bei Nacht durch die Natur, als ich plötzlich Schritte höre. Ich drehe mich um und sehe eine Rothwardonin mit langem Zweihandschwert auf mich zurasen. Ich gehe in den Nahkampf und blocke einige Schläge, setze ein paar Konter. Nach einer halben Minute mache ich einen fatalen Fehler. Sie manövriert mich aus und sticht mir in den Rücken. Beim zweiten Mal mache ich es ähnlich. Nach einer Minute liege ich erneut im Gras. Erst beim dritten Anlauf überstehe ich den zweiminütigen Kampf knapp und stehe triumphierend über der besiegten Gegnerin.
Und sonst':
Die Geschichte des Spiels sollte zumindest allen in Ansätzen klar sein, die das Spiel kaufen. Man ist ein Drachenblut, ein sogenannter 'Dovahkiin' . Als solcher kann man es mit Drachen aufnehmen, über ihre Sprache mächtige Schreie erlernen und so zur Rettung der Welt beitragen. Weiter möchte ich auf die Geschichte nicht eingehen, da ich ungern spoilern möchte. Nur dies sei verraten: Die Kämpfe gegen die Drachen sind ansprechend inszeniert und werden per Zufall getriggert, wenn ich mich nicht irre. Es kann also vorkommen, dass man gerade in einem Dorf steht und vom Drachen angegriffen wird. In dem Fall kämpft man mit allen Bewohnern gemeinsam. Oder aber ein Drache greift auf weiter Ebene an. Dann heißt es Auge um Auge, Zahn um Zahn. Naja, wer da den Vorteil hat, sollte klar sein. Trotz des heftigen Schwierigkeitsgrades habe ich mittlerweile fünf Drachen erlegt. Einen davon sogar 'fast' ohne fremde Hilfe.
Schwerwiegende Bugs sind mir bislang noch nicht untergekommen (außer dem Texturbug). Ich muss allerdings zugeben, dass ich nicht danach gesucht habe. Doch solange alle Questtrigger funktionieren, bin ich eigentlich zufrieden. Da ist es auch zu verkraften, dass bei manchen Händlern die Ware ohne Sanktionen mitgenommen werden kann (ohne, dass sie mit 'stehlen' markiert sind). Das verwundert doch etwas, wenn man den Händlern die Ware vom Tisch nehmen kann und sie ihnen direkt wieder verkauft.
Das Skillsystem ist vielseitig, aber ich vermisse neben den ganzen Talenten die Attribute. Diese wurden auf das elementarste heruntergebrochen. Es stehen bei Stufenaufstieg nur noch Magicka, Gesundheit und Ausdauer zur Verfügung. Fabei wird nicht wirklich erklärt was ein Aufstieg jeweils bewirkt. Ausdauer steigert zum Beispiel nicht nur die Ausdauer beim Sprinten, Kämpfen und Blocken, sondern steigert auch die maximale Traglast. Hier wäre eine genauere Erklärung im Handbuch oder in der eigens integrierten "Hilfe"-Sektion im Spielmenü sinnvoll gewesen.
Das Menü ist übrigens sehr übersichtlich. Ein echtes Kunststück, wenn ein Spiel so viele Facetten hat.
Ich hatte bislang durchschnittlich 1 Freeze pro 10 Stunden in der gesamten Spielzeit, was durchaus ein guter Schnitt ist, wie ich finde.
Es gibt übrigens einige humorvolle und subtile Verbeugungen vor den Vorgängern. Eine Neuauflage des 'alten Orks', der einen ehrenvollen Tod sucht und einfach nicht totzukriegen ist, inklusive. Außerdem trifft man auch Sheogorat mal wieder, der im Geiste eines Mannes herumspukt. Dass es auch immer wieder Infos aus den anderen Regionen gibt, die man in den Vorgängern bereisen konnte, versteht sich von selbst.
UPDATE vom 22.11.2011 / 7.12.
Lesen Sie weiter... ›