Der Ökonom Frank ist vor allem berühmt geworden durch sein Buch
Passions Within Reason. The Strategic Role of the Emotions aus dem Jahre 1988 (dt.:
Die Strategie der Emotionen), in dem er mindestens zweierlei zu zeigen versucht hat: 1. Das übliche (mikro-)ökonomische Verhaltensmodell ist nicht in der Lage, Phänomene wie Freundschaft, Liebe und Loyalität zu erklären. 2. Die normativ-präskriptive Variante dieses Modells führt, so sie befolgt wird, zu erheblichen Wohlfahrtsverlusten.
In Franks vorliegendem Buch "The Economic Naturalist" werden faszinierende Fragen gestellt wie
1. Warum verdienen weibliche Models wesentlich mehr als männliche? (S. 52)
2. Warum beenden Taxifahrer (jedenfalls in New York) ihre Arbeit an regnerischen Tagen früher als an sonnigen Tagen? (S. 65)
3. Warum sind Wale, nicht aber Hühner vom Aussterben bedroht? (S. 113)
4. Warum geben Rechtsanwälte mehr für Autos und Kleidung aus als Professoren, die das gleiche Einkommen beziehen? (S. 137)
5. Warum ist die ökonomische Wissenschaft so formalisiert? (S. 139)
6. Warum haben Kamikaze-Piloten Helme getragen? (S. 174)
7. Warum wird Polygynie von legislativen Körperschaften, die vorwiegend aus Männern bestehen, in aller Regel verboten, wenn doch Polygynie eindeutig Männern nützt (und Frauen schadet), wie häufig behauptet wird? (S. 188)
8. Warum attackieren Tierrechtler vorwiegend Pelze tragende Frauen, nicht aber Motorradfahrer in Ledermonturen? (S. 197)
Selbstverständlich werden diese Fragen auch beantwortet. Bei der Beantwortung folgt Frank nicht immer dem Kanon der (Mikro-)Ökonomik, sondern er macht auch Gebrauch von Evolutionsbiologie, Behavioral Economics und Kognitiver Psychologie, Wissenschaften, die seit einiger Zeit von immer mehr Ökonomen beachtet und zum Teil auch selbst betrieben werden.
Betrachten wir die Antwort auf Frage 2: In New York arbeiten die Taxifahrer entweder 10 Stunden (oder so) oder sie arbeiten so lange, bis sie ein bestimmtes Zieleinkommen erreicht haben. An Regentagen nehmen wesentlich mehr Leute ein Taxi in Anspruch als an sonnigen Tagen, so dass das Ziel oft schon nach wenigen Stunden erreicht ist.
Wären Taxifahrer rational im Sinne der mikroökonomischen Nutzentheorie, verhielten sie sich ganz anders: Sie würden an sonnigen Tagen, an denen die Nachfrage gering ist, nur wenige Stunden arbeiten, und an regnerischen Tagen so viel, wie sie nur könnten.
Betrachten wir die Antwort auf Frage 7: Gegeben seien 100 Männer und 100 Frauen und eine Rechtsordnung, in der niemand zur Verheiratung gezwungen werden kann. 10 dieser Männer sind wesentlich wohlhabender als die restlichen 90 und sind - auch deswegen - jeweils mit 3 Frauen verheiratet. Damit stehen 70 ledigen Frauen 90 ledige Männer gegenüber. Dieser Männerüberhang führt dazu, dass sich die "terms of exchange" zuungunsten der Männer verschieben: Männer sehen sich genötigt, in der Balzphase teure kosmetische Chirurgen aufzusuchen und kostspielige Verlobungsringe zu kaufen, und sie müssen in den Eheverträgen versprechen, - zusätzlich zu ihrer Berufsarbeit - die Windeln der Kinder zu wechseln, die Hemden zu bügeln und Knöpfe anzunähen.
Außerdem: Wie sehr sich diese 90 Männer auch mühen, auf keinen Fall werden alle - zur selben Zeit - monogame Ehen führen können. Polygynie schadet mithin der Mehrheit der Männer und deshalb existieren Gesetze gegen Polygynie in allen demokratischen Staaten.
Das Buch wird auch, vielleicht sogar gerade, solchen Personen Freude bereiten, die sich noch nie mit Ökonomik befasst haben.
Es beginnt mit einem sophistizierten Witz, der zeigt, dass es auch unter Ökonomen Gebildete gibt:
A woman lands at Logan Airport, grabs her luggage, and jumps into a cab, hungry for a good New England seafood dinner. "Take me to a place where I can get scrod," she tells the driver. Eyebrow arched, the cabbie turns and says, "That's the first time I've heard anyone say that in the pluperfect subjunctive."