Das Indie-Mode-Diktat der letzten zehn Jahre heißt: Distanz auflösen. Die Band spielt nicht mehr vor einer schwammigen, undefinierbaren Masse Publikum, sondern "nur für mich allein", so die Losung. Um diese Illusion der absoluten Intimität zu schaffen, wird meist möglichst wenig oder am besten gar kein Hall-Effekt verwendet.
The Drums kontrastieren auf ihrem Debüt diese Weisung konsequent und vehement.
"Ohne die Existenz eines Hall-Effekts hätte es überhaupt keinen Grund gegeben, The Drums zu gründen", sagt Gitarrist Jacob Graham.
Alles "ver-hallt"! Ausnahmen gibt es nur im äußersten Notfall bei drohendem Untergang der Rhythmussektion und der Gefahr, im Nirvana des alles verschleiernden Dröhnens zu enden. Jeder "stilsichere" Indie-Produzent wähnt sich, bei diesem Credo, frei nach Dante, im siebten Vorhof der Hölle. Selbst gated Drums (Me And The Moon) (ein abschreckendes Beispiel wäre Phil Collins - In The Air Tonight) werden aus der Grube der Mode-Grausamkeiten, die wir "die 80er" nennen, geholt. Es geht noch weiter zurück - die so in Federhall gesottene Musik lässt Erinnerungen an den Produktionsstil der späten 60er Jahre aufkommen (siehe The Beach Boys - Pet Sounds). Aber auch 50er Jahre Doo-Wop-Akkordfolgen werden bemüht (Down By The Water). Nicht dass ein falscher Eindruck entsteht, The Drums Helden kommen aus den 80ern. Bass-Melodien im Diskant (Forever And Ever Amen) sind eine Hommage an Joy Division oder The Cure. Das Ergebnis ist, dass die New Yorker überraschend "englisch" klingen.
The Drums haben trotz der eindeutigen Vorbilder einen eigenen Sound. Die Gitarren (elektrisch) wirken fast wie ohne Verstärker direkt aufgenommen und manchmal einen Hauch verstimmt (Best Friend). Nicht dass die Gitarren keinen Hall hätten, aber die Naivität, Schnörkellosigkeit und Zerbrechlichkeit dieses blanken Tons sorgt dafür, dass diese Melange nicht in banalem Pathos überzukochen droht.
Alles das wäre nur billige Effekthascherei, wenn die Songs auf diesem Album miserabel wären. Aber The Drums schreiben wirklich wunderbare Songs. Skippin' Town und It Will All End In Tears sind herausragend - und wie alles auf dieser Platte - vertraut und doch neu.