Manchmal wird einem bei diesen Songs, diesen Stücken schlecht, als hätte man benzingeschwängerte Luft eingeatmet. Beim Vorgängeralbum "Tilt" hat sich das schon angedeutet. Hier wird es eminent. Und es ist doch nur eine Seite dieses schillernden Meisterwerks. Erstaunlich ist es, zu hören, wie ein Sänger im Laufe seiner langen Karriere - mit Umwegen und Irrwegen - immer weiter in die Richtung künstlerischer Selbstverwirklichung geht, und doch ein Kanon von Themen variiert, die ihn schon
vor 40 Jahren beschäftigten. Manchmal scheint man gar über die Jahrzehnte direkte Linien zwischen den Songs ziehen zu können. ("Time Operator" 1970 > "The Cue"; "Montague Terrace" 1967 > "Jolson and Jones", etc.)
Seine großartige,kraftvolle Stimme setzt er - popuntypisch - kunstvoll ein. Er singt zuweilen in einer Höhenlage die ihm hörbar unbequem ist. Diese Stimme führt durch eine opulente, fein zieselierte, extrem präzise Instrumentierung, die sicher nicht leicht zu verdauen ist und beständig mit den Elementen der Hässlichkeit spielt. Laut-Leise-Kontraste, ein Dudelsack, schreiende Esel, martialische Trommeln, enervierende Schritte, Pssst-Rufen, ein lautes Klopfen an die Tür - als klopfe der Tod an.
Manches hier erinnert auch entfernt an Joy Division ("Cossacks are", "Psoriatic") oder Radiohead ("Buzzers").
Scott Walker hat bei "The Drift" die Hülle aus wohliger Melancholie zerstört. Was hervortritt ist voller Düsternis, schwarz und kalt.
Erträgt man das?
Ja! Denn es ist auch absolut faszinierend, es gibt nicht einen Moment der zu viel ist. Die Spannung in diesen Aufnahmen ist unfassbar.
Bitte kaufen, laut hören und nicht wegrennen!
Eine Anmerkung noch: LP-Fans werden von der Qualität der Erst-Pressung enttäuscht. 4AD hat versprochen, sich des Problems anzunehmen.