The Doors. Mythen, Legenden, 6 Studio- und 1 Live-Doppelalbum zu Lebzeiten. Für die einen bahnbrechende Rockband mit einem charismatischen, verkannten Dichtergenie am Mikrofon, für andere einfach nur eine durchschnittliche Combo mit einem durchgeknallten Säufer als Galionsfigur, der die Legende vom "Live fast - die young" Rockstardasein auf mehr oder wenige plumpe Art und Weise verkörperte. Ist das alles ? Sicher nicht. Das Debütalbum "The Doors" ist auch heute noch eines der sensationellsten Alben der Rockgeschichte und mal ehrlich: kann man sich der Atmosphäre dieser Platte auf Dauer entziehen (wollen)? Auch Strange Days, Waiting for The Sun und deren Nachfolger hatten ihren Reiz, aber aufgrund von Morrisons Lebenswandel war dann doch der Lack schnell ab. Und auch wenn ich L.A. Woman liebe, hört man doch, dass Morrison fertig war. Nach allem was man weiß war Morrison kein einfacher Typ, aber er war natürlich ein hübscher Junge und sein Portrait mit nacktem Oberkörper oder mit Pelzjacke sind mindestens so bekannt, wie das Foto des Revolutionärs Ernesto "Che" Guevara. Nach dem Tod von Jim Morrison setzte dann die übliche Resteverwertung ein und auch wenn die übrig gebliebenen 3 Männer sich alle Mühe gaben, war mit ihnen als Trio kein Staat mehr zu machen. Unzählige Kompilationen, Bücher und Filme beschäftigen sich seit dem mit dem Phänomen The Doors.
Dieser Band ist ein richtiges Schmuckstück und wer darin lesen möchte, der braucht einen stabilen Tisch. So locker in der Hand halten und lässig die Seiten umschlagen - geht gar nicht! Groß, breit, gefühlte 5kg schwer, stabil gebunden, auf festem Hochglanzpapier gedruckt mit vielen, vielen Fotos. Darunter auch einige, die ich bisher noch nicht kannte, wie Kinder- und Jugendfotos, Ray Manzarek in Soldatenuniform und einiges mehr. Erzählt wird die Geschichte von The Doors von der Band selber, von Verwandten und Freunden und vielen anderen Wegbegleitern, bis hin zu Zitaten von Jim Morrison, der ja aus verständlichen Gründen keine aktuelleren Beiträge mehr beisteuern kann, wobei ja die Verschwörungstheorien, dass der Lizardking seinen Abgang aus Frustration nur inszeniert haben soll, zu allen denkbaren Jahrestagen wieder neue Nahrung gegeben wird.
The Doors by The Doors ist ein opulentes Meisterwerk unter den Rockmusikbüchern und die Geschichten der vier Musiker werden geschickt mit den anderen Zeitzeugenaussagen zu einem komplexen Mosaik der Bandgeschichte verwoben. Und das -bei aller Ehrerbietung durch die Macher dieses Werkes- in wohltuender Sachlichkeit, die z.B. die zwar unterhaltsame, aber genauso haarsträubende Darstellung durch Danny Sugarman vermissen ließ. Wer schon Bücher von und über The Doors gelesen hat, wird zwar nichts revolutionär Neues mehr erfahren, aber als sozusagen "Gesammelte Werke" ist dieses Buch allen Rockmusikinteressierten, die auch gerne Bücher wälzen wärmstens zu empfehlen.