Robby Krieger, John Densmore, Ray Manzarek. Diese drei außergewöhnlichen Musiker und der Sänger Jim Morrison sorgten in den 1960er-Jahren dafür, dass es noch ein anderer Sound in die Hitparaden schaffte, als man es von bekannten Bands gewohnt war. Das lag nicht nur daran, dass eine Bassgitarre fehlte und Ray Manzarek auf einer Vox-Continental-Orgel diese Aufgabe übernahm, sondern vor allem am Frontman Jim Morrison. Wie er sich durch Stimme und Körper artikulierte, war ebenso einzigartig wie das Textmaterial, das er schrieb. Es erstaunte denn auch nicht, dass er sich eine Zeit lang von der Musik zurückzog, um nur noch schriftstellerisch tätig zu sein.
Tom DiCillo, ein in der Branche stark beachteter Independent-Filmer drehte nun einen Dokumentarfilm über "The Doors", der mich begeisterte. Weil DiCillo die Kunst der Montage beherrscht, wie es im Zeitalter der schnellen Video-Clips und Massenproduktion von Trailern leider nur noch selten zu sehen ist. Auf den Extras ist ein Interview DiCillo, aus dem hervorgeht, wie er während seiner Recherchen auf die Idee kam, das Alter Ego von Jim Morrison einzubauen, indem er auf Filmmaterial zurückgriff, das 1969 entstand. Das Projekt "HWY: An American Pastoral" erzählt von einem Anhalter, der seinen Fahrer umbringt, dessen Auto klaut und auf den amerikanischen Highways nach seinem Platz in der Welt sucht. Sorgfältig wählt DiCillo Szenen aus diesem Low-Budget-Film aus und verbindet sie geschickt mit anderem Filmmaterial, das er in Archiven fand. Und als es um die Suche nach einem geeigneten Kommentators ging, fiel ihm offenbar sofort der Name von Johnny Depp ein, den er schließlich auch dafür gewinnen konnte, die Geschichte der Doors und ihres exzentrischen Sängers zu erzählen. Einmal mehr wurde mir klar, wie wichtig die Stimme eines Berichterstatters ist. Denn Johnny Depp löst diese Aufgabe großartig.
Obwohl oder gerade weil DiCillo die Montagetechnik so gut beherrscht, hat er sich für eine chronologische Erzählweise entschieden. Wir sind also von Anfang an dabei und erleben mit, wie die vier Musiker zusammenfinden, ihren Sound entwickeln und danach fast über Nacht berühmt werden. Und wir sind auch Zeugen, wie Jim Morrison Mühe hat, mit dem schnellen Ruhm zurechtzukommen. Mit Erklärungen für den exzessiven Drogengebrauch von Jim Morrison hält sich der Drehbuchschreiber und Regisseur genau so weit zurück, wie es angesagt ist, wenn man nicht wild spekulieren und Halbwahrheiten verbreiten will. So bleibt auch der Tod von Jim Morrison letztlich im Dunkeln.
Nach der letzten Einstellung blieb ich mit gemischten Gefühlen zurück. Sie schwankten zwischen der Sehnsucht nach einer Zeit des Aufbruchs, Bewunderung für die Kraft und Kreativität, die von dieser Band ausging und der Trauer, dass es Jim Morrison nicht gelang, ohne zerstörerische Rauschmittel einen gangbaren Weg zu finden. Und ich fragte mich, was es wohl brauchen würde, um heutigem Unbehagen wieder eine Form zu geben, die mehr musikalische, künstlerische Elemente enthält. Facebook-Gruppen einzurichten, die elektronischen Spiel- und Kommunikationswerkzeuge eine Minute lang auf "Off" zu stellen oder mit roten Nasen rumzulaufen, ist vielleicht nicht einmal besser als gar nichts.
Mein Fazit: Tom DiCillo hat "The Doors" und ihrem Sänger Jim Morrison nicht nur eine würdige Hommage geschenkt, sondern löst mit seiner Montagetechnik beim Publikum auch Gefühle aus, die irritieren, nicht schnell einzuordnen sind und letztlich den poetischen Raum öffnen, in dem Jim Morrison nach sich selber und neuen Ausdrucksweisen suchte. Der kräftige Sound passt hervorragend zu den kräftigen Bildern. Da braucht es außer dem Interview mit Tom DiCillo auch keine weiteren Extras.