Zunächst einmal: Ich liebe Oliver Stones Art, Filme zu machen. "JFK", "An jedem verdammten Sonntag" und "Natural Born Killers" habe ich gesehen und es ist einfach geil, wie er die Kamera führt, wie er teilweise in Rückblenden erzählt und dass das Bild mal schwarz-weiß, mal bunt, mal verzerrt ist usw...
Und dann bin ich außerdem ein Riesen-Doors-Fan. Insofern kann man weiß Gott nicht sagen, dass ich ohne Skepsis an den Film herangegangen bin. Doch das ist nun auch schon wieder ein paar Jahre her - und inzwischen habe ich den Film schon x-mal gesehen...
Ja, es mag sein, dass historisch gesehen nicht alles stimmt (z. B. hat Jim Morrison dem College nicht gekündigt, wie im Film dargestellt und bekannte Aussprüche wie "Adolph Hitler is still alive... I slept with HER last night..." etc. stimmen von der Chronologie nicht immer), aber das ist ja nun nicht so wichtig, denn das Grundsätzliche ist exzellent dargestellt.
Ich habe noch nie einen Schauspieler gesehen, der eine historische Figur derart perfekt darstellt wie Val Kilmer Jim Morrison. Er spielt ihn nicht, er IST Jim Morrison. Unfassbar: Sein Aussehen, seine Bewegungen, seine Stimme - alles ist eins zu eins. Wahnsinn...
Und dass er selber (ziemlich gut) bei den Live-Performances singt, macht die Sache umso authentischer.
Doch auch die anderen Schauspieler sind super: Meg Ryan als seine arg gebeutelte Freundin Pamela Courson, Kyle MacLachlan als Ray Manzarek, Frank Whaley als Robby Krieger, Kevin Dillon als John Densmore, Michael Wincott als Paul Rothcild und und und...
Oliver Stone hat perfekt in Szene gesetzt, wie Jim sich von einem Visionär in einen bedauernswerten Säufer verwandelte, hat seine Launen und seine Skandale glaubhaft gezeigt. Ich lache immer wieder, wenn ich eine Szene sehe wie: "You can't say higher on TV" und Jim singt: "You know that it would be untrue, you know that I would be a liar, if I was to say to you: girl, we couldn't get much HIGHER..." - Herrlich! Man kann kaum solch eine Heuchelei und derartiges Spießertum kaum fassen: Ein Land, das sich Wiege der Demokratie nennt und wo man im Fernsehen ein an sich stinknormales Wort wie "higher" dennoch nicht sagen darf...
Na ja, wie auch immer: Ich liebe diesen Film - empfehle allerdings, ihn nur auf Englisch zu sehen, die Synchro taugt nicht viel. Die Gedichte zu übersetzen ist eine Sünde, wie schon ein anderer Rezensent völlig zurecht anmerkte und Val Kilmer muss man im Original genießen.
Zu guter Letzt noch eine Bemerkung an die, die sich darüber beschweren, Morrison würde hier nur als Säufer dargestellt:
Was soll das? Jim Morrison hat Zeit seines Lebens drei Liter Whiskey am Tag vernichtet, hat seine Freundin verletzt und betrogen, war gegenüber seinen Bandkollegen unzuverlässig und außerdem cholerisch. Natürlich war er ein großartiger, hochintelligenter Künstler, aber dass ihn der Alkohol kaputtgemacht hat, lässt sich ja wohl nicht leugnen.
Für mich jedenfalls gilt: Ein Super-Film, von dem ich nicht genug kriegen kann.