Wenn man den Vorgänger nicht kennt, so wie ich, ist es schwer, überhaupt eine "Emo-Band" in Brand New hier zu sehen. Die Stücke, die auf dieser CD vorliegen sind sehr abwechslungsreich und bestechen in den ersten beiden Dritteln der durch ständiges Wechseln von leisen, wunderbaren akkustik-Passagen (auch ganzen Akkustik-Stücken wie "Jesus") und bombastischen Bass-, Schlagzeug- und Gitarrenwänden. Gegen Ende wird das Album dann etwas berechenbarer aber nie langweilig.
Vor allem das insgesamt knapp 20 Minuten lange, zentrale Dreigestirn Degausser, Limousine, You won't know ist das Eintrittsgeld in die CD wert, andere Bands brauchen eine ganze Karriere für soviel Klasse. Die Stücke wirken teilweise sogar episch angehaucht, tiefsinnig und nehmen mit auf eine rasanta Berg- und Talfahrt aus Schmerz und Hoffnung.
Der Höhepunkt des Albums ist zweifelsohne Degausser, das zwar einen merkwürdigen Namen hat, aber durch perfekte Inszenierung glänzt. Man wird knapp 2 Minuten auf die Folter gespannt, ehe ein wahres Gewitter losbricht und einem den Scheitel amtlich nach hinten föhnt, ganz großes Kino! Hie und da wird man erwischt, wie man das Songwriting mit den grandiosen Mars Volta misst. Soundmäßig fällt mir dazu Amplifier ein, wobei denen das Herz und der Epische Touch von Brand New guttun würden.
Mit Not the sun und The archers Bows finden sich, wie vorher bereits angeklungen auch zwei lupenreine Emo-Tanzbodenbrecher mit Chartkompatibilität auf dem Silberling wieder. Keine Platte zum "Mal so zwischendurch" hören, man sollte sich schon einige Geduld nehmen, gerade da viele Stücke erst nach einigem Anlauf zum Sprung ansetzen - dann aber umso eindrucksvoller!