Kai Canarbis ist der offizielle Protektor des Reiches Ay und seiner beiden Kronerben, Prinz Valentin "Len" Vallely und Prinzessin Anna. Und so edel, tapfer und großmütig Kai ist, so egozentrisch und intrigant sind die beiden Erben, was seine Arbeit oft erschwert. Doch bald wird ihr Onkel Azmyth, Imperator von Ay, ermordet und das Reich fällt einer mysteriösen "Zerstörung" anheim. Jetzt erst entdeckt der Thronerbe Prinz Len gemeinsam mit seiner Schwester in welchem Zustand das Reich ist und welchen Terror die Tyrannei seines Onkels über die Völker gebracht hat. So begeben sie sich auf eine Reise auf der Suche nach Unterstützung, Verbündeten und einer Strategie, um das Reich unter einem neuen, starken Thron zu vereinen.
Ich war viele Male versucht, das Buch einfach von meinem Kindle zu löschen und aufzugeben. Erst bei ca. 70% kam der Zeitpunkt, wo es nicht nur Disziplin sondern tatsächlich Spannung war, die mich hat zu Ende lesen lassen.
Zunächst einmal zu den positiven Aspekten, die mich nicht haben aufgeben lassen.
Die Autorin kann wirklich schreiben. Sie bedient sich einer vielfältigen, anspruchsvollen Sprache und eines teils altertümlichen Englischs, das nur sehr sehr selten durch einen kruden Stilbruch ("beat the s*** out of each other") gestört wird.
Zudem hat sie eine äußerst faszinierende Welt geschaffen, in der scheinbar jedes Fabelwesen Platz hat, dass die menschliche Fantasie je erdacht hat. Ihre Handlung ist groß angelegt, sie spricht unzählige Themen an von Natur und Umwelt, über Krieg, Menschlichkeit, Freundschaft und Herrschaft und vielen weiteren. Williams scheint Großes vorzuhaben mit ihrer Reihe, die 9 Bände umfassen soll. Vielleicht ist dies auch das Problem des ersten Bandes. Es passiert einfach viel zu lange viel zu wenig. Es macht fast den Eindruck, als würde sich die Autorin erst richtig warm schreiben.
Trotzdem mangelt es dem Buch an einem wichtigen, wenn nicht gar essentiellen Punkt: dem Charakteraufbau. Es gab nicht einen einzigen sympathischen Charakter. Ich hätte nur zu gern allen Figuren den Hals umgedreht, und das an zahlreichen Stellen im Buch. Sie sind dumm, stur, können nicht mal das Offensichtliche sehen und Schlussfolgerungen treffen. Das Schlimmste jedoch ist, dass die Autorin dem Leser offenbar gar nichts zutraut. Die hohe schriftstellerische Kunst ist es doch, wenn der Leser sich selbst ein Bild von einem Charakter machen kann und durch seine Handlungen und Worte nach und nach eine Meinung von ihm bilden kann. Aber Billie-Jo Williams gesteht uns dieses Recht nicht zu. Vielmehr muss sie seitenlang jeden Charakter beschreiben und uns haarklein versichern, wie edelmütig, tapfer, klug, selbstlos, gutaussehend, aufopfernd, mutig, etc. Kai zum Beispiel ist (und ja, ich weiß, dass ich mich wiederhole... genau solche Adjektiv-Konglomerate sind im Buch zu finden). Und als ob wir das nun noch nicht verstanden hätten, muss sie uns alle 20 Seiten daran erinnern, indem andere Charaktere es immer und immer wiederholen. Wen das schon bei einer Figur nervt, der wird wahnsinnig, da sie es nämlich so bei jedem Protagonisten treibt.
80 % des Buches besteht aus Dialogen, emotionalen, pathetischen und sich endlos wiederholenden Konversationen, die einen entnervt die Augen rollen lassen.
Auch die Handlungsweise der Figuren ist schwerlich nachvollziehbar. Man kann ihnen nicht trauen, da sie quasi von heute auf morgen völlig unerklärlich den Charakter ändern. Sie handeln gegen jeglichen gesunden Menschenverstand und herkömmliche Logik. Mir ist durchaus klar, was die Autorin damit bezwecken will. Aber sie neigt einfach zu unglaublicher Übertreibung.
Eine Karte für die zahlreichen über- und untergeordneten Reiche, Regionen, Länder, Kontinente usw. wäre zudem sehr hilfreich gewesen. Da habe ich schon manchmal den Überblick verloren.
Jetzt stellt sich wohl die Frage, warum ich überhaupt noch drei Sterne geben kann. Nun, es gab immerhin den Moment, da mich das Buch gepackt hatte, wenn auch erst am Ende. Das sprachliche Können der Autorin und ihre Welt sollten genauso bedacht werden, wie die Tatsache, dass dies ihr Erstlingswerk ist.
Ich kann nur hoffen, dass sich einige ihrer Fehler in den folgenden Bänden nicht wiederholen.