Endlich - das lang ersehnte Album der drei Norweger! Gebe zu, anfangs etwas skeptisch gewesen zu sein, als man Produzent George Drakoulias ( u.a. für Tom Petty, Black Crowes, Kula Shaker, Primal Scream aktiv) engagierte, um sich soundtechnisch zu verändern bzw. verbessern. Gerade wenn man die vorherigen Veröffentlichungen, insbesondere 'Industrial silence' und 'The nightly disease' verschlungen hat, war doch die raue, ungeschliffene und ungezähmte Freiheit in der Musik von Madrugada etwas Besonderes und entsprach eben nicht dem kommerziellen und oft seicht-glattgebügelten Standard. Nun darf man feststellen, dass Sivert Hoyem, Robert Buras und Frode Jacobsen zusammen mit ihrem Produzententeam - gemixt hat übrigens David Bianco (Johnny Cash, U2, Jesus & Mary Chain, Bobby Brown, Mick Jagger) - die Balance zwischen Klangkunst und Kommerzialisierung überwiegend hinbekommen haben.
'The deep end' enthält in der Limited Edition 14 Songs mit einer gesunden Mischung aus packend-melancholischen Balladen und bluesig-knackigem Rock. Aber der Grat ist schmal: Songs wie 'Hold on to you', 'Elektro vakuum' oder 'Sail away' sind etwas zu flach und wirken überproduziert. Dem kommerziellen Erfolg mag dies zuträglich sein, aber zu meinen persönlichen Favoriten gehören diese Songs nicht. Zum Glück gibt es aber auch rundum gelungene Titel wie 'The kids are on high street', 'The lost gospel' oder 'Hard to come back', die für mich die Stärken Madrugadas voll ausspielen: dunkel-gespenstisch-geheimnisvoller Gesang, röhrende Gitarren und nebelverhangen-mysteriöse, eiskühle Melodien. Auch wer den rockigen und ungeschminkten Sound des Albums 'Grit' mochte, wird mit 'Subterranean sunlight' und 'Ramona' gut bedient. Insgesamt noch die knappe Höchstwertung für die Norweger und der (vermutlich fromme) Wunsch, die kommenden Produktionen nicht noch weiter Richtung Mainstream zu produzieren. Norwegen bügelt man schließlich und aus gutem Grund auch nicht einfach zum Flachland um.